Nokia fokussiert Geschäftskunden

16. Juni 2003, 20:33
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Die Hälfte der Gebühren kommen von beruflicher Nutzung - Darum sieht Nokia Chancen bei Unternehmen als Handykunden

Es ist schon erstaunlich: Lange Zeit galten Handys als das Statussymbol unentbehrlicher Manager schlechthin. Aber auch wenn Mobiltelefone aus dem Berufsleben nicht wegzudenken sind, gekauft werden sie in erster Linie privat. "Nur 20 Prozent der Mobiltelefone werden von Firmen bezahlt, 80 Prozent von Privatpersonen", erklärt Erik Anderson, Vizepräsident der Businessabteilung des finnischen Handyherstellers Nokia. Dabei kommt die Hälfte aller Gebührenumsätze aus dem beruflichen Gebrauch des Handys.

Möglichkeiten entdecken

Anders als private Konsumenten würden Unternehmen nur langsam die Möglichkeiten entdecken, Handys in ihren Arbeitsfluss zu integrieren, von Nachrichten per SMS und E-Mail bis zu Organizer-Funktionen und Zugang zum Firmenintranet und Unternehmensdaten über das "Smart Phone". Ein wesentliches Hindernis sieht Nokia in den Sicherheitsanforderungen, die IT-Manager stellen und denen Handys meist nicht genügen: sichere Mail- und Intranetverbindungen, VPN (Virtual Private Network) für den Zugang zur Firmen-IT.

Mit dem Nokia 6600, das heuer im vierten Quartal um rund 500 Euro (ohne Betreibersubvention) auf den Markt kommt, ergänzt Nokia die Reihe seiner Businesshandys um genau diese Features - und um einen großen Bildschirm, der für Bilder, Videoclips und Liveübertragungen von Videos geeignet ist. Eine integrierte Kamera, wie bei den Nokia Modellen 7250, 7650 und 3650, ermöglicht es, Bilder und Videoclips (derzeit bis 15 Sekunden Länge) selbst zu machen und zu versenden - per MMS oder E-Mail an Empfänger ohne MMS-Handys.

Erneuerung des Handy-Bestands

Jenseits von Firmenkunden ist die Erneuerung des Handybestands durch MMS-fähige Handys für Nokia weiterhin der Motor des Massenmarkts. Am billigen Ende bringt der Hersteller im Herbst ein kleines, leichtes MMS-Handy (Nokia 3100, 250 Euro) heraus, dessen transparenter Rückteil bei Anrufen im Rhythmus des Klingeltons leuchtet. Dazu gibt es eine ansteckbare "Fun Camera" mit eingebautem Blitz (100 Euro), die wie ein bunter Schlüsselanhänger aussieht und Bilder zum Versand aufs Handy zaubern soll.

Mit stillen und bewegten Bildern will Nokia den nur noch langsam wachsenden Handymarkt beleben. Mit Kodak gibt es dazu nun eine Kooperation, die es erlaubt, Schnappschüsse vom Handy zur Bildausarbeitung an Kodak zu schicken (per Post retour).

Und noch ein weiteres Feature der jüngsten Nokia-Handys verblüfft: Sie können "Streaming Video", also Liveübertragungen empfangen, und das ganz ohne UMTS, die teure dritte Handygeneration (3G) - entsprechende Angebote seitens Medien und Netzbetreiber vorausgesetzt. Allerdings, betont Anssi Vanjoki, bedeutet das nicht, dass Nokia nicht weiterhin auf die neue 3G-Technologie setzen würde. Jetzt würden Dienste und Plattform aufgebaut, und wenn die neuen Bild- und Datendienste erst einmal von einem breiten Publikum genützt werden, dann sei dafür auch die Kapazität von UMTS erforderlich. (Helmut Spudich, DER STANDARD Print-Ausgabe, 17.6.2003)

Link Nokia
  • Nokia 660: Neues Business-Handy um rund 500 Euro.
    foto: nokia

    Nokia 660: Neues Business-Handy um rund 500 Euro.

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