Elternkritik am "eckigen Tisch"

16. Juni 2003, 19:57
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Kleinere Klassen statt Stundenreduktion wäre sinnvoller gewesen

Wien - Ihren Unmut über die Bildungspolitik der Regierung haben am Montag die Wiener Elternvereine geäußert. Bei einem "eckigen Tisch" vor dem Akademischen Gymnasium beklagten Eltern-, Lehrer- und Schülervertreter ihre Machtlosigkeit bei der Diskussion um die Stundenreduktion.

Trotz einhelliger Ablehnung aller Schulpartner hätte das Ministerium von Anfang an klar gemacht, dass an der Streichung der Unterrichtseinheiten nicht zu rütteln sei, so die Vorsitzende des Verbandes der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens, Christine Krawarik. Als "echte Entlastung" würden kleinere Klassen, vor allem in den Sprachen, empfunden. Gehrer kämpfe zu wenig um das Bildungsbudget.

AHS-Lehrergewerkschafter Michael Zahradnik: Natürlich habe Gehrer "mit der Altersstruktur der Lehrer und dem Senioritätsprinzip Pech". Die vor rund 30 Jahren billigen Lehrkräfte würden jetzt teuer. Man solle aber "auf fünf, sechs Jahre den budgetären Atem haben, zu sagen, da müssen wir durch". Bei der Debatte um die Stundenreduktion hätte Gehrer außerdem den Lehrern einen Erfolg gönnen müssen und zum Beispiel weniger streichen sollen, so Zahradnik. Das jetzige "Drüberfahren" könne nämlich zu einen "unheimlichen Einbrechen der Motivation" führen.

Die neue Lehrplanverordnung wurde am 13. Juni im Bundesgesetzblatt der Republik Österreich verlautbart und ist damit rechtskräftig. Zwei Drittel der berufsbildenden höheren Schulen haben bereits die Möglichkeiten der Schulautonomie genutzt und eigene Stundentafeln beschlossen. Ausnahme sind die Wiener HTLs, wo erst eine von neun Schulen eine eigene Stundentafel hat, so das Bildungsressort.

Für Bundesschulen stünden aufgrund des Schülerzuwachses zusätzlich 28 Millionen Euro zur Verfügung. Deshalb sei es nicht notwendig, Lehrer zu kündigen. Bundesweit gebe es 160 Stellen mehr als im Vorjahr, davon 80 in Wien. Im Pflichtschulbereich hat die Verordnung keinen Einfluss auf die Dienstposten und bringe auch keine Ersparnis für den Bund, betont das Ministerium. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 17.6.2003)

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