"Tiefe des Diskurses bleibt auf der Strecke"

Interview | Irene Brickner, 3. April 2012, 18:28
  • Fordert mehr Respekt: Kenan Güngör.
    foto: standard/newald

    Fordert mehr Respekt: Kenan Güngör.

Viel Aktionismus, wenig Nachhaltigkeit: So lautet die Kritik Kenan Güngörs, Mitglied des Expertenrats für Integration, an den Maßnahmen von Sebastian Kurz

STANDARD: Im Rahmen des angekündigten Hausbesuchsprogramms des Integrationsstaatssekretariats sollen gezielt "bildungsferne Migrantenfamilien" aufgesucht werden. Was bringt das?

Kenan Güngör: Es ist empirisch gut belegt, dass man über Einwanderer-Communities - etwa türkische Migranten - an Personen kommt, die sonst für Integrationsmaßnahmen schwer ansprechbar wären. Genau das soll im Rahmen des Projekts geschehen, mit dem Zusatzvorteil, dass auch die Aufsuchenden, die sogenannten Scouts, eine Ausbildung erhalten.

STANDARD: Wer sucht aus, welche Familie als "bildungsfern" zu bezeichnen ist?

Güngör: Auch das geschieht in den Communities. Das kann die Hemmschwelle, Unterstützung anzunehmen, reduzieren.

STANDARD: Ich frage auch wegen des Wortes "bildungsfern". Beim Thema Integration kam zuletzt Kritik an verwendeten Begriffen auf. Bürdet man nicht schon mit dem Begriff "Integration" den Migranten eine Bringschuld auf?

Güngör: Man muss sich der Vieldeutigkeit dieser Worte bewusst sein, aber wir kommen nicht ohne sie aus. Ich bin kein Freund der Überlegung, dass wir alle zwei Jahre unser Vokabular austauschen - das ist eine Diskussion am falschen Ende. Statt dessen müssen wir uns über Forschungsinhalte unterhalten. Wenn man Integration etwa, so wie ich es tue, abgelöst vom ethnischen Hintergrund sieht, so handelt es sich um Erfahrungen, die auch ein Kind macht, wenn es neu in eine Klasse kommt.

STANDARD: Die Maßnahmen des Integrationstaatssekretariats zielen jedoch eindeutig auf Migranten ab, oft ist zudem der Sicherheitsaspekt im Fokus, etwa beim sogenannten Islam-Paket. Warum dies?

Güngör: Man kann Sicherheit rein kriminologisch sehen, oder aber man geht von der Frage aus, wie zusammengehörig eine Gesellschaft ist. Es geht um Tendenzen einzelner Communities, sich nach innen zu orientieren - und was getan werden muss, um diesen Tendenzen in vernünftiger Form anzusprechen.

STANDARD: Hier hat Kurz im ersten Jahr manche Maßnahme gesetzt. Hätten Sie als beigezogener Experte mehr Aktivitäten gewünscht?

Güngör: Nein, und ich möchte die Erwartungshaltung an sich in Frage stellen. Sie führt zu unheim lichem Aktionismus, die Tiefe des Diskurses bleibt zum Teil auf der Strecke.

STANDARD: Wo sehen Sie besonderen Bedarf nach Tiefe?

Güngör: Bei der Frage des Respekts. Wir sollten vom Begriff "Integration durch Leistung" wegkommen, sofern es um elitäres Denken geht. Es muss künftig auch um "Integration durch Respekt" gehen. Für Österreich mit seinen abwertenden, oft gehässigen Diskursen ist das besonders wichtig. (Irene Brickner, DER STANDARD, 4.4.2012)

Kenan Güngör (43) ist Soziologe und "deutschsprachiger Europäer mit kurdisch-türkischen Wurzeln".

Vertiefung der Theorie

Leider wird noch viel mehr durch den politischen Diskurs ausgeblendet. Es gibt nicht nur Abwertung und Gehässigkeit im Diskurs. Die "Migrantengenerationen" bilden eine neue Unterschichte unter den "heimischen" Unterschichten. Bestimmte Narrative werden aber von den Parteienn von den Medien und von den Experten verschwiegen und unterdrückt. Etwa die Online Studie "Autochtone Assigration?" unter http://or-om.org/krmigration.docx . Herr Güngör kennt diese Studie als Experte des Expertenrates im BMfInneres, verschweigt sie aber ebenfalls. Welche Experten haben welche Interessen an der Unterdrückung der Narartive über Unterdrückung?

"Ich bin kein Freund der Überlegung, dass wir alle zwei Jahre unser Vokabular austauschen - das ist eine Diskussion am falschen Ende."

:) *sehr breit grins*

wer sind denn diese "communities" geht es hier um eingetragene vereine?

und lieber herr güngör, der staat muss dafür sorgen, dass den newcomers entsprechende lernprogramme angeboten werden, hier sollte es nicht darum gehen, dass die "communities" die versäumnisse der regierungen korrigieren sollen, typisch für österreich, nur keine verantwortung übernehmen, die resultate dieses ignorierens, sieht man ja an den arbeitslosen zahlen der jungen generation, und dann kommt man mit 300.000 € um dieses riesen problem zu bekämpfen? lächerlich, denn mit guter ausbildung kommt auch der respekt, den es aber auch ohne schulbildung geben muss

die communities sind "gemeinschaften" mit mafiaähnlichen strukturen. die capos werden alles tun, um alle integrationsversuche zu sabotieren.

dann sollte man sich bemühen, diese organisationen

in vereine umfunktionieren, mit all den dazugehörigen regeln, wie zum beispiel "wahlen", diese resultate müssen dann der vereinspolizei übermittelt werden, damit haben es die paten dann wesentlich schwieriger, als solche zu agieren, dass könnte einer der wichtigsten punkte des kurz werden, nämlich diese ganzen organisationen zu legalisieren, nicht dass sie nicht legal sind, aber wie sie schon sagten, diesen paten gehört das wasser abgegraben, um hier wirklich etwas aufzubauen, braucht jahrelange erfahrung auf diesem gebiet, und in österreich gibt es diese expertise auf diesem gebiet nicht, "learning on the job" is not good enough mr. kurz

...

wissts eh burschn ich bins der kurz, aber nur kurz, denn immer wenn ich seh, dass sich die auslaender nicht brav fortpflanzen tun, lerne nicht ich deutsch, sondern sie und ich schicke sie sich gegenseitig, ich mach das auch so im amt, glaubts ihr bei mir antwortet jemand oder arbeitet was? wir fahren herum und machen liebe.

wolfram

Primitiver und blöder hätte Ihr Posting nicht mehr ausfallen können.

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