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Berlin/Wien - In ihrem Buch Kulturinfarkt stellten sich Dieter Haselbach, Pius Knüsel, Armin Klein und Stephan Opitz die Frage, was wäre, "wenn die Hälfte der Theater und Museen verschwände". Dann könnte, so das Autorenteam, die überlebende Hälfte der öffentlichen Kulturinfrastruktur finanziell besser ausgestattet werden - und es gäbe genügend Mittel für neue Formen, für Kunstausbildung, Laienkultur und anderes.
Die Provokation, mit der die vier Autoren ob des drohenden Finanzierungsinfarkts ein Umdenken in der Kulturpolitik erwirken wollen, ging auf. In Deutschland folgte ein Sturm der Entrüstung. Die Akademie der Künste in Berlin protestierte auf Initiative von Günter Grass, Wolfgang Rihm, Klaus Staeck, Margarethe von Trotta und Wim Wenders " gegen diesen mit klarer Absicht inszenierten Tabubruch, die Grundlagen einer öffentlichen Kulturförderung zu zerstören". Auf "eine alternativlose Kahlschlag-Diskussion" werde man sich nicht einlassen: " Sie würde unsere Kulturnation nachhaltig schädigen.
"Unterzeichnet wurde der Aufruf u. a. von Mario Adorf, Iris Berben, Senta Berger, Harun Farocki, Jochen Gerz, Helmut Lachenmann, Olga Neuwirth, Otto Sander, Rosemarie Trockel und Günter Wallraff. Die Autoren konterten. Man plädiere nicht für einen "Kahlschlag". Das Buch würde auch nicht die Förderung von Kunst und Kultur durch die öffentliche Hand diskreditieren, die drohenden Sparverpflichtungen der öffentlichen Haushalte machten eine Diskussion notwendig. Das Team konnte bereits Erfolge verbuchen: Der Deutsche Kulturrat musste die falsche Interpretation zurücknehmen, dass die Autoren gefordert hätten, die Hälfte der Kulturförderung zu streichen. Und die Weltwoche präsentierte eine Liste mit Schweizer Institutionen, die fusioniert oder aufgelöst werden könnten. In Österreich betonte erst von ein paar Tagen Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, die Notwendigkeit einer Verteilungsdebatte - angesichts des "im besten Fall konstanten" Kulturbudgets. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 4.4.2012)
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