Ein Leben für die Kunst

3. April 2012, 17:31
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Das Museum Moderner Kunst Kärnten zeigt in Klagenfurt die Sammlung von Sigrid und Franz Wojda - Die Schau zeigt Arbeiten von 146 Künstlerinnen und Künstlern

Klagenfurt - Es gibt Menschen, deren Sammlerbeziehung zur Kunst börsenorientiert ist. Das trifft auf die Sammler Sigrid und Franz Wojda nicht zu. "Wir haben zwei Kinder und eine Sammlung großgezogen." Franz Wojda stimmt der Aussage seiner verstorbenen Ehefrau zu. Das Museum Moderner Kunst Kärnten in Klagenfurt zeigt erstmals einen Gesamtquerschnitt der Sammlung Wojda, die sich wie eine aufgeblätterte Dokumentation eröffnet. Ein Lehrstück der Entwicklung jenes Segments, auf das sich das Sammeln der Wojdas konzentrierte: Reduktives, Konzeptuelles, Analytisches.

Man kann die 146 Arbeiten von 57 Künstlerinnen und Künstlern selbst wirken und sprechen lassen, sich hineinziehen lassen ins unendliche Suchen nach neuer Funktion von Form und Farbe, sich intuitiv auf konsequente Hirnschmalzarbeit von Künstlern einlassen, in Empathie mit ausbrechenden geometrischen Formen erglühen, wie bei einer psychologischen Aufstellung von Begriffen die Eigendynamik nachzuspüren beginnen - sich einlassen auf Klassiker wie Josef Albers oder Robert Barry, die den Start der fokussierten Sammeltätigkeit der Wojdas bildeten und die Kurator Edelbert Köb an den Beginn dieses Weges durch die Abstraktionsgeschichte der letzten 40 Jahre stellt.

2003 gingen die Wojdas mit ihren Sammlerschätzen erstmals in St. Veit an der Glan an die Öffentlichkeit. Dass diese jetzt in Klagenfurt großes Interesse wecken, freut Franz Wojda ganz besonders und beflügelt ihn. Er ist immer wieder mit privaten Führungen - zusätzlich zum reichen Rahmenprogramm des MMKK - unterwegs, erklärend, erzählend, voller Anekdoten über die persönlichen Begegnungen mit Künstlern und ein wandelndes Beispiel für ein Leben, das nicht einfach kunstaffin war und ist, sondern eines mit der Kunst.Ein Raum ist dem Kärntner Heimo Zobernig gewidmet und seinen Auseinandersetzungen mit Raum, Form und Zeichen. Die Ausstellung hat er seiner verstorbenen Frau Sigrid gewidmet.

Franz Wojda ist unermüdlich mit Freunden durch die Ausstellung unterwegs - auch wenn er sich persönlich in einer völlig anderen Phase befindet: In der des Nachdenkens, ob es weitergeht - und wenn, dann wie. Ob der Nachdenkprozess am 27. April abgeschlossen sein wird? Da dreht sich (ab 19.00 im MMKK) in einem interessant besetzten Museumsgespräch alles um Inspiration durch Kunst. Die Diskussion mit Botschafter Wolfgang Petritsch, Edelbert Köb, Franz Wojda, Christina Fromme-Knoch und Christine Wetzlinger-Grundnig wird Standard-Kulturressortleiterin Andrea Schurian moderieren. (Maja Schlatte, DER STANDARD, 4.3.2012)

  • Die Sammlung Sigrid und Franz Wojda im MMKK.
    foto: mmkk

    Die Sammlung Sigrid und Franz Wojda im MMKK.

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