Street View für Wiener Museen

4. April 2012, 18:46
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Bei "Art Project" sind ab sofort Werke dreier Wiener Sammlungen abrufbar - aus dem Kunsthistorischen Museum auch 360-Grad-Ansichten und ein ultrahochauflösender Bruegel

Wien - Am Fuß des Turms von Babel ist einiges los: Die Babylonier hämmern, putzen, schuften. Sie stehen auf Gerüsten, treiben Pferde an oder schöpfen Wasser. Die im Museum nur schwer erkennbaren, unzähligen feinen Details des berühmten "Turmbaus zu Babel" von Pieter Bruegel dem Älteren aus Wiens Kunsthistorischem Museum (KHM) bekommen ab jetzt noch mehr die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

Bruegels Meisterwerk aus dem Jahr 1563 ist ab sofort Teil des "Google Art Project". Am Mittwoch wurden mit dem KHM, der Albertina und der Sammlung Leopold erstmals drei österreichische Museen präsentiert, deren Sammlungen zum Teil über das seit 2011 bestehende Kunstportal abrufbar sind. Weltweit sind mehr als 150 Museen in dem Online-Archiv versammelt, darunter etwa das Museum für Islamische Kunst in Qatar oder die National Gallery of Modern Art in Delhi.

Wie andere besondere Gemälde aus 46 Museen ist der "Turmbau" mittels spezieller "Gigapix"-Fototechnologie in besonders hochauflösendem Format abrufbar. Der Turmbau verteilt sich dabei auf sieben Milliarden Pixel, was 3500 HD-Fernsehbildern entspricht. Auf der letzten Zoomstufe kann selbst die Pinselführung, die die emsigen Bauarbeiter formte, studiert werden.

Auch der über drei Meter im Durchmesser zählende Sonnenstein aus dem Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko-Stadt ist in der ultrahohen Auflösung zugänglich. Die ursprüngliche Funktion des 24 Tonnen schweren symbolverzierten Basaltsteins, der 1790 in Mexikos Hauptstadt entdeckt wurde, ist nach wie vor unklar. Insgesamt kann man sich nach der nun erfolgten Erweiterung des Art Projects durch mehr als 30.000 Gemälde, Skulpturen und StreetArt-Werke in hochauflösender Qualität durchzoomen - wenn auch nicht in jener von Turmbau und Co.

Von 46 Museen sind auch die von Google Street View bekannten 3-D-Ansichten abrufbar. Für die Aufnahme der 360-Grad-Bilder kam ein speziell entwickelter Street-View-Trolley in 385 Museumsräumen zum Einsatz. Die Museen können auch direkt von Street View aus in Google Maps erkundet werden. Aus Österreich ist bisher nur das Kunsthistorische Museum virtuell begehbar. Eine Ausweitung der Street-View-Ansichten ist laut Google geplant.

Das KHM ist im Art Project mit 121 Werken etwa aus der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung, der Antikensammlung und der der Gemäldegalerie vertreten. Aus dem Leopold Museum sind 106 Werke von Künstlern wie Gustav Klimt, Egon Schiele, Albin Egger- Lienz, Ferdinand Georg Waldmüller und Otto Wagner online.

Die Albertina hat 153 Werke zugänglich gemacht, darunter selten ausgestellte Grafiken von Dürer, Michelangelo, Raffael oder Rembrandt; zum Teil Werke, bei denen aufgrund hoher Lichtempfindlichkeit "nur alle zehn Jahre eine Präsentation möglich" ist, so Direktor Klaus Albrecht Schröder. Auch der Feldhase Dürers ist vertreten. Benutzer können sich auch eigene Galerien online zusammenstellen.

Mit der Erweiterung des Art Projects wird das Portal auch für Android-Tablets zugänglich gemacht. Bei Google "hofft" man zudem, auch bald mit einer iPad-Version aufwarten zu können.  (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 5.4.2012)

  • Bruegels "Turmbau zu Babel", ein Glanzstück der Sammlung des Kunsthistorischen Museums, ist online nun in einer Auflösung von sieben Milliarden Pixel zugänglich.
    foto: google/khm; montage: beigelbeck

    Bruegels "Turmbau zu Babel", ein Glanzstück der Sammlung des Kunsthistorischen Museums, ist online nun in einer Auflösung von sieben Milliarden Pixel zugänglich.

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