"Arm ist der Husky auf dem Balkon"

12. April 2012, 06:15
  • Mountain Wolf in Aigen im Mühlkreis ist die größte Schlittenhundefarm Europas.
    foto: derstandard.at/bianca blei

    Mountain Wolf in Aigen im Mühlkreis ist die größte Schlittenhundefarm Europas.

  • Danny und Daisy (im Hintergrund) begrüßen Geschäftsführer Daniel Pühringer.
    foto: derstandard.at/bianca blei

    Danny und Daisy (im Hintergrund) begrüßen Geschäftsführer Daniel Pühringer.

  • Danny rauft gerne, stellt sich dabei aber taktisch unklug an.
    foto: derstandard.at/bianca blei

    Danny rauft gerne, stellt sich dabei aber taktisch unklug an.

  • Alaskan Husky Daisy setzt hingegen auf Charme und hat es damit bis zur Leithündin gebracht.
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    Alaskan Husky Daisy setzt hingegen auf Charme und hat es damit bis zur Leithündin gebracht.

  • 30 Schlittenhunde leben insgesamt auf der Farm.
    foto: derstandard.at/bianca blei

    30 Schlittenhunde leben insgesamt auf der Farm.

  • Bei der Auswahl werden vor allem alte Rassen gesucht.
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    Bei der Auswahl werden vor allem alte Rassen gesucht.

  • Daher leben sogar Nachfahren der legendären Grönlandhunde von Roald Amundsen im Böhmerwald.
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    Daher leben sogar Nachfahren der legendären Grönlandhunde von Roald Amundsen im Böhmerwald.

  • Neben dem Hausbier "Wolfsblut" gibt es auch einen eigenen Wodka von Mountain Wolf.
    foto: derstandard.at/bianca blei

    Neben dem Hausbier "Wolfsblut" gibt es auch einen eigenen Wodka von Mountain Wolf.

Auf der Mountain Wolf Farm im Mühlviertel kann man etwas über die Psychologie von Mensch und Hund lernen und sich wie ein Polarforscher fühlen

Ein Duell, das in die Geschichte der Forschung einging: Im frühen 20. Jahrhundert wetteiferten der Norweger Roald Amundsen und der Brite Robert Scott, wer als Erster den geografischen Südpol erreichen kann. Im Gegensatz zu seinem Konkurrenten setzte Amundsen auf Schlittenhunde: 100 Grönlandhunde hatte er bei der Expedition dabei. Die ausdauernden Tiere sollen schließlich der ausschlaggebende Grund gewesen sein, dass die Norweger im ewigen Eis erfolgreich waren.

Zwei Nachfahren dieser Grönlandhunde leben mehr als hundert Jahre später auf einer Schlittenhundefarm im Ort Aigen mitten im Böhmerwald im Mühlkreis. Vor fast zehn Jahren wurde die Mountain Wolf Farm von Martin Mahringer gegründet. Das Rudel bestand damals aus sieben Huskys und dem Wolfhund Buck. Mittlerweile sind es 30 Hunde, mit deren Hilfe sich die Besucher einmal wie Polarforscher fühlen können.

Die Farm liegt auf fast 1.000 Meter Seehöhe, daher liegt viele Monate lang eine dichte Schneedecke. Mit speziellen Wagen kann aber auch in den warmen Monaten ausgefahren werden. Neben Familien und SchülerInnen besuchen oft Firmen die Farm. Bei der Ausfahrt mit dem Schlitten werden die Gäste zu sogenannten Mushern, die das Gespann lenken. Zertifizierte Schlittenhundeführer begleiten die Gruppen. "Da zeigt sich, wer Führungsqualität hat", sagt Geschäftsführer Daniel Pühringer. Nicht immer gefalle den Teilnehmern, was dabei ans Tageslicht tritt. Er erzählt von einem Arzt, der eine große Abteilung in einem Krankenhaus leitet, dessen 14-jährige Tochter bei den Hunden aber mehr Führungsqualität bewiesen habe.

Weibliche Führungskräfte

Auch im Hunderudel gibt es eine fixe Hierarchie, in der man nicht unbedingt durch Stärke aufsteigen kann. Erst nach rund vier Jahren bilden sich Anführer und Mitläufer heraus. Die Gehege sind in Teams eingeteilt, die zwei bis maximal sechs Hunde umfassen, damit nicht zu viele Rangkämpfe entstehen. Manche Hunde verstehen es, die anderen auf subtile Weise um sich zu scharen, erzählt Pühringer.

Alaskan Husky Daisy, deren schwarze Zeichnung am Kopf an einen Ritterhelm erinnert, erscheint im Kontrast zu den Rüden ihrer Rasse eher zart gebaut. Sie habe eine raffinierte Karrieretaktik verfolgt, erzählt Pühringer: Im wahrsten Sinne des Wortes habe sie sich bei den anderen Tieren eingeschleimt. "Sie hat den älteren Hunden immer die Lefzen geleckt und irgendwann sogar aus ihren Futternäpfen mitfressen dürfen", berichtet der Mountain-Wolf-Mitarbeiter.

Irgendwann habe sich das Verhältnis umgedreht: Jetzt ist sie eine Leithündin. Ein Weibchen in einer Spitzenpositionen sei bei den Schlittenhunden keine Seltenheit, wie der Musher berichtet. Daisys körperlich größerer Gehegekollege Danny "ist ein Raufer", sagt Pühringer und tätschelt ihm die vernarbte Schnauze. Seine Energie nutzt Danny jedoch meist politisch ungeschickt, daher ist ihm Daisy auch überlegen.

Sanfte Wolfsjäger

Auch bei Faylan und Gwen, den knapp einjährigen irischen Wolfshunden, würde ein Laie eigentlich auf den ersten Blick erwarten, dass sie dominant sind. Doch die zwei Kolosse - sie sind Vertreter der größten Hunderasse der Welt, die eine Schulterhöhe von bis zu einem Meter erreichen kann - sind "eher schüchtern und eigenwillig", wie Pühringer berichtet.

Wenn sie auf die quirligen tschechoslowakischen Wolfshunde treffen, die bis zu 90 Prozent Wolfsanteil haben, halten sie sich im Hintergrund. Wegen seiner Sanftmütigkeit wird der irische Wolfshund, der im 16. und 17. Jahrhundert sogar zur Bären-, Wolfs- und Elchjagdjagd eingesetzt wurde, heute gerne als Familienhund gehalten. Von der ehemaligen "Feindschaft" zwischen Wolf und Wolfshund ist in Aigen jedoch nichts mehr zu bemerken.

Sorgsame Auswahl

Die Eigenarten und Macken der Hunde werden auf der Farm respektiert und bei der Auswahl der Teams berücksichtigt. "Elvis ist ein Wildfang", sagt Pühriger und zeigt auf einen aufgeregt auf den Hinterbeinen am Zaun stehenden norwegischen Husky. Sein Mitbewohner Jack zeigt kein Interesse an dem menschlichen Besuch seiner Anlage und bleibt unbeeindruckt liegen. "Dass er einmal auf einem Plakat einer Werbekampagne war, ist ihm zu Kopf gestiegen", scherzt der Geschäftsführer.

Neue Hunde werden von Mahringer und seinem Team daher sorgsam ausgesucht, um die eingeschworene Hundegemeinschaft nicht zu stören. Entgegen den Erwartungen kommt es bei den Rassehunden aber nicht auf den Preis an. Es gebe Hunde, für die am Markt bis zu 14.000 Euro bezahlt werden, manche Hunde kommen aber über Umwege auch fast kostenlos auf die Farm. Lange Wege scheuen die Musher nicht, wie Mahringer berichtet: "Für einen Hund sind wir dreimal 900 Kilometer nach Tschechien gefahren. Zuerst zur Begutachtung, dann zur Auswahl und schließlich zum Abholen."

Problematische Züchtungen

"Das liegt daran, dass wir auf jeden Fall den Mutterhund sehen wollen", sagt der Mountain-Wolf-Gründer. Er weist auf das Problem hin, dass immer öfter problematische Züchtungen als Schlittenhunde deklariert werden. Bei dem Thema wird der Hundekenner ärgerlich: Er zeigt auf Bilder in Fachzeitschriften, die Muskelberge mit Fell und überproportional kräftigen Kiefern zeigen. Sie unterscheiden sich schon optisch deutlich von den zähen Laufhunden auf der Farm, ihnen fehle aber auch oft das ausgeglichene Gemüt, sagt Mahringer.

Für diese Züchtungen werden etwa Afghanen mit Pitbulls gekreuzt. "Leider wird medial alles in einen Topf geworfen, auch wenn es zu Beißattacken gegen Menschen kommt. Wir nehmen nur alte Rassen, daher der große Aufwand bei der Auswahl", erklärt er.

Bewegungstrieb wird ausgelebt

Bald beginnen Umbauarbeiten auf der Mountain Wolf Farm, die Gehege sollen auf den neuesten Stand gebracht werden. Die Tiere werden zum Beispiel eine größere überdachte Trockenfläche bekommen. Beraten wird Mountain Wolf, wie auch bei anderen Aspekten, von der VetMed in Wien.

Eines ist Pühringer wichtig hervorzuheben: "Die Hunde werden hier nicht zum Arbeiten gezwungen, sondern können ihren Bewegungstrieb vollkommen ausleben. Ein Husky in der Stadt am Balkon ist arm." Trainierte Huskys können zum Beispiel bis zu zwölf Stunden am Tag laufen. Freiwillig gehen Schlittenhunde nicht in den Ruhestand, berichtet der Musher: "Lässt man sie, laufen die Schlittenhunde bis zum letzten Tag." (Julia Schilly, derStandard.at, 12.4.2012)

Mountain Wolf Farm

Grünwald 2
4160 Aigen im Mühlkreis
Telefon: 43 732 601166
info@mountainwolf.at

mountainwolf.at

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Das lebende Proviant von Amundsen

Mountain Wolf Farm war enttäuschend

Da habe ich für mich und meine Frau so einen Erlebnistag gebucht.
Aber es war eine Enttäuschung - es hat zwar lang gedauert man ist auf der Farm herumgesessen und hat gewartet, statt einer Schulung ein Werbevideo von Quadriga auf Video geschaut und schlußendlich sind wir auf dem Farmgelände ca 700 Meter im Kreis gefahren. Ich habs nachträglich mit den Daten der Digitalkamera kontrolliert. Diese Ausfahrt hat weniger als 8 ! Minuten gedauert und weil im Konvoi gefahren wurde musste man pausenlos bremsen.
Also dort wird nur abgecasht - naja vielleicht gibts noch andere wo das nicht so ist. Aber wenn ihr so etwas unternehmt erkundigt euch vorher wie lange die eigentliche Schlittenfahrt dauert.

Kann ich Ihnen nicht zustimmen. Ich war mit der Firma dort und es war ein unglaublich tolles Erlebnis, das ich gerne wieder machen werde. Wir haben einige Stunden mit den Hunden verbracht, haben sie kennen gelernt (und sie uns) und sind dann mit den Schlitten gefahren - was, zugegebener maßen nicht sehr lange gedauert hat, aber trotzdem beeindruckend war (Hangaufwärts mit beiden meiner Beine voll in der Bremse haben mich die beiden Hunde trotzdem gezogen als ob ich nicht da wäre).
Ich war jedenfalls begeistert. Vielleicht haben Sie einfach einen besonders schlechten Tag erwischt - oder ich einen besonders guten :)

genau das Bremsen war ja so unschön

die Hunde wollten laufen, aber man mußte pausenlos bremsen. Auch im Stand sind die Hunde immer ins Geschirr gesprungen. Ich hätte es gerne gesehen wenn die Hunde eine längere Strecke laufen hätten können bis sie ihr eigenes Tempo finden. Aber das glich mehr einem Hunde sekkieren wenn man sie für siebenhundet Meter laufen rausholt und dann wieder in den Zwinger sperrt. Die Hunde sind auf der Farm eben nur ein Investment.

juhuuu! Hundeschlittenfahrt!

Ich habe mal in Norwegen neben einer "Hundeschlittenfarm" gewohnt. Leider bin ich nur zweimal mitgefahren, aber die Farm-Familie ist täglich mehrmals raus mit den Hunden. Diese waren nicht zu bremsen und wollten, kaum zu Hause, schon wieder raus. Mir schien, diese Tiere hatten Arbeit, eine Aufgabe, viel Bewegung und ein Rudel und das machte sie so ausgeglichen. Ich denke, an "Problemhunden" sind meist die Hundehalter das Problem, nicht die Tiere an sich.

So sind aber nicht nur Schlittenhunde, sondern auch Hunde, die auf Skitouren mit gehen. Die fangen am Gipfel, wenn sie merken, dass es bald los geht, meistens schon an "durchzudrehen", weil sie es kaum noch abwarten können Richtung Tal zu stürmen. Das Verhalten kann man vom Schlittenhund bis hin zum Irish Setter und zur kleinen Promenadenmischung, die halb im Schnee versinkt, beobachten.

Auf die verwunderte Frage

warum mein Hund so brav ist gibt es nur die Antwort: Weil er ausgelastet ist.- Und zwar nicht mit 'dog-dance' und ähnlichem Unsinn sondern artgerecht!

ausgelastet ist mein hund auch

mit dog dance und spazierengehen - auslastung fürs hirn und den körper
dog dance ist artgerecht, weil die bewegungen aus dem natürlichen repertoire des hundes kommen - also bitte nicht ganz so gscheit daher reden, wenn man von der sache keine ahnung hat.
und da nicht alle hunde gleich sind, eignet sich auch nicht alles für alle.

Kenne keinen einzigen Verhaltensforscher

welcher auch nur ein positives Wort über diese Hundehopserei, welche wohl aus dem Bedürfnis nach einem Zirkushund der überkanditelten 'Frauerln' entstanden ist, verliert.

ich kenne keinen einzigen

verhaltensforscher, der dazu was gesagt hat

Eben!

Warum wohl?

"Arm ist der Husky auf dem Balkon"

prinzipiell richtig, doch ich kenne zwinger, die sogar kleiner sein können als mancher balkon. leider oft gesehen...

Ich will ja nicht despektierlich sein

aber diese Hunde-lieb-hab-Vermarktungsseite zeigt doch deutlich, um was es geht. Da will einer sein Hobby zum Beruf machen.

Sogar eine Shop gibt es . Und Führungsqualitäten hat nur der, der eine Meute führen kann.

Unfug.

Fehlt nur noch Husky-Gulasch in Dosen. Aber da würden ja die beiden Mäderl weinen.

Bei Tieren zählen menschliche Kinkerlitzchen nicht, da sind Selbstbewusstsein, Klarheit, klare Kommunikation gefragt, das gilt auch bei Pferden - nicht umsonst gibt es Managementtrainings mit Pferden.

Sie sind aber despektierlich.

hier ist

Ihre Selbsterkenntnis subtil verpackt - schoen , dass gerade Sie keine Fuehrungsqualitaeten fuer sich beanspruchen.

...

wie schön, dass sie dort waren, alles gesehen haben um uns unwissenden jetzt alles erklären zu können...

Führungsqualität

ich hab ähnliches schonmal mit Pferden und Eseln im TV gesehen, sah nach ziemlichen Humbug aus.

Inzwischen gibts ja auch schon Delfintherapie

die so ausschaut, dass den Kindern von weitem ein paar Delfine gezeigt werden, und das war dann die Therapie. Der einzige der was davon hat, ist die Begleitperson, die kann hübsche Fotos machen.

Wird übrigens von der Kasse gezahlt, in Einzelfällen.

jaja

90% wolfsanteil, wers glaubt ...

warum nicht?

ich mein ok dürfte schwer sein diese dann wirklich zu trainieren, aber sonst?

das waeren dann

woelfe in die ein hund, vor einigen generationen, eingekreuzt wurde.
bei den tschechischen wolfshund war die letzte einkreuzung vor ueber 30 jahren also einige generationen zurueck.

also hier meine frage, ganz speziell an die rotstrichler:
wie gehen sich da 90% anteil aus?

müsste ich nachrechnen, aber wenn man von einer generation pro jahr ausgeht und mit 50% anteil beginnt.. wäre ich schon bei der 4ten generation bei 94% wolfsanteil, ausser ich hab irgenwo nen groben denkfehler

ich denke

sie haben einen groben denkfehler. da muesste man schon extrem rauskreuzen um da die wolfgenetik auf so einen hohen anteil zu halten. glaube gar nicht das dies geht wahrscheinlich nur durch inzucht, aber wer weiss. man erreicht dann aber keinen tschechischen wolfshund nach den rassevorgaben sondern ... einen wolf. und den koennen sie ganz sicher nicht so halten.

Arm sind die Menschen, deren Nachbarn Hunde halten.

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