Israels Militärs rechnen mit 300 Toten bei Krieg mit Iran

Führung glaubt nicht an koordinierten Gegenschlag von Teherans Verbündeten

Jerusalem/Wien - Israelische Militärs rechnen im Fall eines Krieges mit dem Iran mit weniger als 300 Toten im eigenen Land, sollte der Konflikt drei Wochen dauern und an mehreren Fronten stattfinden. Das berichteten israelische Online-Medien am Dienstag unter Berufung auf den Sender Channel 10.

Bei Beratungen des israelischen Sicherheitskabinetts beschrieben die Militärexperten demnach ein "worst case scenario", bei dem tausende Raketen aus dem Libanon, Syrien und dem Gazastreifen als Teil eines Gegenschlags des Iran auf Israel niedergehen würden. Dabei wurde in Rechnung gestellt, dass 2012 das israelische Raketenabwehrsystem "Iron Dome" noch nicht voll einsatzfähig wäre.

Es sei auch mit Raketenangriffen aus dem Iran zu rechnen, erläuterten die Militärexperten gegenüber den Ministern. Allerdings sei die Schlagkraft der konventionellen iranischen Raketen begrenzt.

Barak rechnet nicht mit "enormen Verlusten"

Israels Verteidigungsminister hatte im Vorjahr bezüglich eines möglichen Krieges mit dem Iran gemeint, sein Land wolle dies nicht. Sollte Israel jedoch in einen Krieg hineingezogen werden wären Befürchtungen unbegründet, es könnte zu enormen Verlusten unter der israelischen Bevölkerung kommen. Es würden sicher nicht 500.000, nicht 5000 oder 500 getötet werden, erklärte Barak.

Demgegenüber hatte der Abgeordnete der oppositionellen Kadima-Partei, Zeev Bielski, im Februar gewarnt, dass Israels Armee nicht bereit sei, die Bevölkerung vor massiven Raketenangriffen zu schützen. Fast ein Viertel der Israelis hätten keinen Zugang zu Luftschutzbunkern.

Israel geht davon aus, dass rund 100.000 Raketen auf den jüdischen Staat gerichtet sind, von denen die meisten unter der Kontrolle Syriens, der libanesischen Hisbollah und der palästinensischen Hamas stehen. Israelische Verteidigungsexperten meinen jedoch, dass diese mit dem Iran verbündeten Mächte im Falle eines israelisch-iranischen Konflikts nicht unbedingt Teheran zu Hilfe eilen würden. Sie müssten nämlich mit massiven israelischen Militärschlägen rechnen.

Israels Premier Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Barak haben wiederholt betont, dass ein Angriff auf iranische Militäranlagen nicht notwendigerweise einen koordinierten Angriff auf Israel bedeuten würde. In jedem Fall wäre ein Szenario, in dem der Iran über eine Atombombe verfüge, weitaus gefährlicher.

Weltweit wächst deshalb die Sorge wegen eines möglichen israelischen Angriffs auf den Iran, dessen Folgen nach Meinung vieler Politiker und Experten nicht abzusehen sind. (APA, 3.4.2012)

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