"Unlösbare" Aufgabe wird nach Stromfluss durch Gehirn plötzlich lösbar

3. April 2012, 11:33
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Australische Forscher legen Spannung an die Köpfe von Testpersonen und kommen zu erstaunlichen Ergebnissen

Australische Forscher haben mit einem aktuellen Experiment einen erstaunlichen Effekt bestätigt: Legt man eine schwache Stromspannung an das Gehirn einer Testperson, erhöht dies deren kreative Fähigkeiten bei der Lösung von Problemen. Die beiden Neurowissenschaftler Richard Chi und Allan Snyder von der Universität Sydney konfrontierten eine Reihe Probanden mit einer scheinbar unlösbaren Aufgabe: Sie sollten neun im Quadrat angeordnete Punkten mit nur vier geraden Strichen verbinden, ohne dabei abzusetzen.

In der Gruppe, die zuvor keine oder eine nur kurzzeitige Strombehandlung erhalten hatte, war kein einziger in der Lage, das Rätsel zu lösen. Anders fiel das Ergebnis bei jenen aus, deren Gehirne die Versuchsleiter unter Strom gesetzt hatten. 33 rechtshändige Personen erhielten je eine Elektrode über dem vorderen Teil des linken und des rechten Schläfenlappens an den Kopf geklebt. Nachdem zwischen diesen beiden Polen für zehn Minuten ein sanfter Strom von einigen Mikroampere pro Quadratzentimeter geflossen war, gelangten 14 Versuchspersonen - das sind immerhin 40 Prozent - zu einer Lösung - die übrigens darin bestand, dass zwei Striche das Quadrat verlassen.

Die beiden Neurowissenschaftler, die ihre Studie im Fachmagazin "Neuroscience Letters" veröffentlichten, wiederholten damit ein Experiment, das bereits fast zwei Jahre davor dazu führte, dass die beteiligten Probanden kreativere Denkwege beschritten. Für Chi und Snyder liegt eine Erklärung dieses Phänomens in der unterschiedlichen Aufgabenteilung des Gehirns. Während der linke Schläfenlappen für das Denken in gängigen Mustern zuständig ist, ist der rechte Schläfenlappen für kreative Lösungen verantwortlich. Der elektrische Strom könnte die Erregbarkeit der Neuronen auf der linken Seite vorübergehend senken und auf der rechten Seite erhöhen. "Das könnte es den Menschen erleichtern, die selbst auferlegten Beschränkungen ihres Geistes zu entkommen", meint Snyder. (red, derstandard.at, 2.4.2012)

  • Allan Snyder (links) und Richard Chi fanden heraus, dass sanfte Gehirn-Stimulation mit Strom die Problemlösungs-Kompetenz ihrer Versuchspersonen erhöht.
    foto: university of sydney

    Allan Snyder (links) und Richard Chi fanden heraus, dass sanfte Gehirn-Stimulation mit Strom die Problemlösungs-Kompetenz ihrer Versuchspersonen erhöht.

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