Ein Antisemit als "Hoffnungsträger" im Nahost-Konflikt?

Kommentar der anderen | Florian Markl, 2. April 2012, 21:08

Warum ein Kurswechsel der Hamas Wunschdenken bleiben dürfte

Der Islam werde siegreich sein und die Führerschaft über die Welt wiedergewinnen. Bald werde der Tag kommen, an dem der prophezeite Sieg über die Juden wahr werde. Israel müsse vor dem sicheren Tod erniedrigt und gedemütigt werden. - So hört sich das an, wenn Khaled Meshaal, Chef des Politbüros der palästinensischen Hamas, spricht (Zitate aus einer Predigt im Februar 2006). Genau derselbe Meshaal wird im STANDARD vom 31.3. nun als möglicher "Hoffnungsträger für eine Wende im Nahost-Konflikt" präsentiert, "die die endlose Abfolge von Gewalt und Gegengewalt endlich durchbricht".

Als solchen sieht ihn zumindest Michael Bröning, Leiter des Jerusalem-Büros der sozialdemokratischen Friedrich Ebert Stiftung. In seinem Gastkommentar widmet sich Bröning dem Richtungsstreit, der seit einigen Monaten in der Hamas ausgefochten wird. Auf der einen Seite gebe es einen "konservativen Flügel der Hamas-Führung", der durch Gaza-"Premier" Ismail Haniyeh repräsentiert werde. Er stehe für eine "kompromisslose Haltung gegenüber Israel", lehne Friedensverhandlungen mit Israel ab und wolle seinen Kampf bis zur "vollständigen Befreiung Palästinas" fortsetzen.

Meshaal repräsentiere im Gegensatz dazu "eine Kraft der Veränderung". Er setze sich für eine Versöhnung mit der Fatah ein, habe zur Beendigung der Gewalt aufgerufen und die Schaffung eines Palästinenserstaates "in den Grenzen von 1967" akzeptiert. Kurz: Meshaal zeige "seine Bereitschaft zur politischen Mäßigung". Der Westen müsse jetzt "die Chance nutzen", um "den zukünftigen Kurs der Hamas zu beeinflussen", und "gemäßigte Islamisten in den palästinensischen Autonomiegebieten als legitime politische Kraft" in den politischen Prozess einbinden.

Um zu solchen Ergebnissen zu kommen, muss Bröning gelegentlich die Regeln logischen Argumentierens ignorieren. So schreibt er über die politischen Optionen seines "Hoffnungsträgers": "Er könnte als Anführer eines neu gegründeten palästinensischen Ablegers der Muslimbruderschaft wieder auftauchen oder als Chef einer neuen islamistischen Partei unter dem Dach der Palästinensischen Befreiungsorganisation. Eine solche Fusion der Hamas mit etablierten palästinensischen Organisationen würde die formelle Akzeptanz der Hamas für eine Zweistaatenlösung bedeuten". Weshalb eine Partei unter Meshaals Führung, die eben nur als Neugründung oder Abspaltung von der Hamas geschaffen werden könnte, eine "Fusion" der Hamas mit anderen Kräften sein sollte, ist rational ebenso wenig nachvollziehbar wie Brönings Behauptung, dass eine solche neue Partei die Akzeptanz der Hamas für eine Zweistaatenlösung bedeuten würde.

Das wirkliche Problem ist aber, dass Bröning der erstaunten Öffentlichkeit nicht zum ersten Mal die Nachricht überbringt, dass die Hamas sich "gemäßigt" habe. Bereits 2009 veröffentlichte er in der Zeitschrift "Internationale Politik" (9/10, September/Oktober 2009) einen Artikel, in dem er darzustellen versuchte, wie die "Hamas sich zur staatstragenden Organisation entwickelt". Demnach habe mit "der Übernahme politischer Verantwortung" ein "Transformationsprozess der Organisation von einer terroristisch agierenden politisch-sozialen Bewegung hin zu einem pragmatischen Akteur von Staatlichkeit" begonnen. Deshalb sei, wer hätte es gedacht, ein Wechsel der Haltung des Westens zur Hamas erforderlich. - Dummerweise bezog sich Bröning damals aber als Beleg seiner Argumentation auf genau den Ismail Haniyeh, der ihm heute als Verkörperung des "konservativen", unversöhnlichen, radikal-islamistischen Flügels der Hamas gilt.

Das lässt aber nur zwei Möglichkeiten offen: Entweder wir haben es mit dem Phänomen zu tun, dass sich Haniyeh seit seinem Machtantritt im Gazastreifen nicht "gemäßigt", sondern radikalisiert hat - damit wäre freilich schlicht das Gegenteil von Brönings Analyse von 2009 eingetreten. Oder seine damalige Einschätzung Haniyehs war einfach falsch und er hat sich durch den sanfteren Tonfall, den die Hamas vor den palästinensischen Wahlen 2006 angeschlagen hat, hinters Licht führen lassen. Aber warum sollte man ihm dann heute Glauben schenken, wenn er dieses Mal einen radikalen Antisemiten wie Meshaal als "Hoffnungsträger" preist? (Florian Markl, DER STANDARD, 3.4.2012)

Florian Markl ist Politologe und Mitarbeiter der Medienbeobachtungsstelle Naher Osten (MENA).

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grigats hilfssheriff darf also auch für den "standard" schreiben..

Nach Jahrzehnten der Besatzung wird man sich schwer tun dort jemanden zu finden, der gut auf die Besatzer zu sprechen ist

Das sollte ein Politologe und Mitarbeiter der Medienbeobachtungsstelle Naher Osten (MENA) eigentlich wissen

Folglich warten wir auf den Messias, der als Palästinenser im Flüchtlingslager aufwächst und keinen Grant hat

und wer nicht mit uns warten will, den tadeln wir von der hohen Warte einer selbsternannten Beobachtungsstelle aus

ein süperschlaues Konzept^^

ich würde palästinenser

nicht als antisemiten bezeichnen, ich glaube das passt nicht ganz. wenn, dann schon eher als antizionisten, oder?wie auch immer, aber glaubt denn der verfasser dieses artikels, dass es judenfreundliche palästinenser gibt oder überhaupt geben kann?
seine feinde zu lieben und auch die andere backe hinzuhalten ist weder jüdisch noch muslimisch. wie soll einer von beiden neutral sein, nachdem man sich gegenseitig so viel leid zugefügt hat?

Warum sollte das nicht passen?
Antisemitische Araber gibt es etwa seit Anfang des 20. Jahrhunderts, als Romantik und Nationalismus von der Bildungsschicht rezipiert wurden und in arabischen Versionen popularisiert wurden.
Vor allem christliche AraberInnen waren hier wichtige VermittlerInnen, um Ihr Watschenbild in den richtigen Kontext zu stellen.
Dass in der Hamas-Charta Bezug auf die Protokolle genomen wird, ist selbsterklärend, die palästinenische Betbruderschaft war von Anfang an eine antisemitische Organisation.

Also ich habe mir Ihr posting jetzt mehrere Male durchgelesen und werde einfach nicht daraus klug.

Was meinen Sie eigentlich?
Hat es in Europa nicht auch Frieden mit Dtl. letztlich gegeben, trotzdem dieses doch den anderen Staaten in Europa viel Leid zugefügt hat?

Es geht hier doch wirklich nicht darum, dass sich beide Seiten gleich um den Hals fallen müssen. Ein Friedensschluss wie zw. Isr. und Jord. z.B. würde doch vollkommen reichen, meinen Sie nicht auch?
Er lässt zumindest die theoretische Möglichkeit offen, dass es mit den Generationen sogar zu einer Annäherung kommen könnte, besonders, wenn beide Völker, wie im Falle Isr. und Pal., drauf kämen, dass sie eigentlich gar nicht wenige gemeinsame Interessen haben und sich kulturell vielleicht gar nicht so drastisch unterscheiden.

2/2

endweder müssten also die siedler die städte wieder räumen (was nicht realistisch scheint), oder sie müssten mit gewalt vertrieben werden (was ebenso wenig realistisch scheint und so garnicht wünschenswert ist).

die einzige möglichkeit, die bliebe, wäre 1 gemeinsamer isrealo-palästinensischer staat.
doch auch dies ist zurzeit nicht möglich, da europäische und die amerikanische regierung israel in fast allem unterstützen. die israelische regierung ist weit weit rechts, die gesetze sind rassistisch, das militär ist allgegenwärtig...und trotzdem unterstützung...
mittlerweile wächst selbst in israel eine bewegung, sozialliberale, linke, gemäßigte, die eine solche gesellschaft nicht zulassen will.

1/2 ein friedensschluss zwischen israel und palästina

müsste aber einiges beinhalten.
friede kann es nur geben, wenn beiden bevölkerungen gleiches recht zugestanden würde.
sie wissen wahrscheinlich, dass für jüdische und arabische israelis ziviles recht gilt, für palästinenser aber kriegsrecht.
gleiches recht müsste dann in entweder zwei staaten oder einem gemeinsamen implementiert werden.
das problem bei einer 2-staaten-lösung ist jedoch, dass den palästinensern im westjordanland (gaza hat nur 400 km2) kein zusammenhängendes gebiet mehr gelassen wurde, es die physische vorraussetzung für einen staat also nicht mehr gibt, da isreal und die siedler (sogar gegen geltendes israelisches recht) siedlungen und städte mit insgesamt 0.5 mio menschen im westjord. verstreut gebaut haben.

Leider besteht in diesem Forum die 750 Zeilengrenze

und das ist schade, denn Sie werfen in der Tat zentrale Themen auf.
Es ist eine angenehme Überraschung, dass in diesem Forum auch Poster auftauchen, die an einer konstruktiven Diskussion über Israel interessiert sind.

Die Situation der Pal. in den besetzten Gebieten ist eine loose-loose-Situation. Da sie Bewohner eines besetzten Gebietes sind, gilt für sie die Gesetzeshoheit der Militärverwaltung (gemeint sind die B- und C-Gebiete). Die Siedler wiederum sind isr. Staatsbürger, weshalb auf sie isr. Gesetze angewendet werden müssen. Würde auf die Pal. isr. Gesetze angewendet werden, würde das defacto bedeuten, dass die besetzen Gebiete dem isr. Staatsgebiet einverleibt worden sind, was aber natürlich nicht akzeptiert werden kann.

dass das so sein sollte, das wissen ja eh alle

und wünschen es uns auch. das ist das "SOLLTE". aber das "IST" schaut ja ganz anders aus...
wenn die einen ruhe geben, bauen die anderen wieder ihre siedlungen hin, wo immer sie wollen und provozieren die anderen. geben die anderen nach und halten frieden, feuern die einen wieder raketen in die siedlungen. friede ist erstrebenswert aber völlig illusorisch von beiden seiten.

naja - die pal haben bei den wahlen 2006 der erklärt antisemitischen hamas eine bequeme absolute parlamentarische mehrheit verschafft.

wohlgemerkt NACH dem vollständigen abzug der isr aus gaza '05 und VOR der etablierung der blockade durch ägypten und isr '07.

Wenn ich mir die Auslöschung aller Juden auf die Fahnen schreibe, dann bin ich ein Antisemit, kein Antizionist.

Und zum Thema "andere Backe": In Israel gibt es eine erstaunlich große Peace now-Bewegung.
Auf der anderen Seite des Zauns ist mir vergleichbares allerdings nicht bekannt.

gibts auf der anderen seite auch, das können sie mir glauben.
vergessen sie aber nicht, dass die ausgangslage frieden zu wollen für beide nicht die gleiche ist.

reisen sie nach israel, ins westjordanland, sie werden sehen, dass es auf beiden seiten leute gibt, die frieden wollen (noch mehr sogar unter den palästinensern, da sie unverhältnismäßig mehr unter der gegebenen situation leiden und die meisten israelis keine ahnung haben, was da eigentllich passiert, bzw. wollen sie keine ahnung haben).

sie glauben tatsächlich, dass

es einen unterschied macht macht, ob eine der beiden parteien "schuldiger" ist als die andere??

2Ein Antisemit als "Hoffnungsträger" im Nahost-Konflikt?2

Eigentlich sollte man annehmen, dass die Palästinenser selbst Semiten sind.

genau, auf die selbe weise fragt man sich was die sozialisten gegen die nationalsozialisten haben. lauter sozialisten ;)

Weder bei Juden noch bei Arabern würde ich mich für die Abstammung von der Bibelgestalt Sem verbürgen

Bei anderen Menschen genausowenig. Insofern ist jede Diskussion, ob irgendwelche Menchen "Semiten" sind, bestenfalls Zeitverschwendung.

Fakt ist aber, dass "Antisemitismus" als Bezeichnung für Judenfeindlichkeit seit dem späten 19. Jahrhundert üblich ist und in dieser Bedeutung bis heute gebraucht wird. Sprache ist nun mal nicht immer logisch, so what? "Gymnasium" kommt auch von "gymnos" (nackt) - trotzdem rennt da keiner nackt rum.

Und dass es gerade auch unter den Palästinensern nicht wenige Antisemiten (= Judenfeinde) gibt, ist leider traurige Wahrheit. In diesem Kontext das Argument "Araber sind auch Semiten" zu bringen, ist nichts als Rabulistik.

Ahm... Ist Ihnen bewusst, dass Sie bei Ihrer Annahme, dass zwei "Völker" sich ja eigentlich vertragen sollten, weil sie "verwandt" sind, einer naturalistisch-rassistisch-völkischen Logik folgen?

Völlig richtig

Israelis und Palästinenser sind beide semitische Völker, ein palästinensischer Antisemit wäre daher ein Paradoxon.
Das haben die Nationalsozialisten aufgebracht, die die Araber von den semitischen Völkern ausnehmen wollten. Nach heutiger Auffassung sind Araber, Israelis und Malteser Semiten.

Unsinn

Araber, Israelis und Malteser sprechen semitische Sprachen. Aber davon abgesehen ist die "heutige Auffassung", dass es grober Unfug ist, Nationen bzw. Ethnien in irgendwelche Abstammungskategorien einzuteilen.

Nur Rassisten nehmen das an.

man sollte auch annehmen, dass teilnehmer eines diskurses über antisemitismus sich der bedeutung dieses begriffes bewusst sind:

http://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus

Ganz so wie es früher war

http://de.wikipedia.org/wiki/Moha... l-Husseini
Al-Husseini starb 1974 in Beirut. Er wollte in Jerusalem begraben werden, aber die israelische Regierung verweigerte dies. Al-Husseini war der politische Mentor der von Jassir Arafat befehligten palästinensischen Organisationen. Noch im Jahre 2002 sprach Arafat nach Angaben von Palestinian Media Watch in einem Interview von „unserem Helden al-Husseini“. Arafat war jedoch nicht – wie vielfach angenommen – ein Neffe al-Husseinis, sondern lediglich ein entfernter Verwandter

Wie kommen Sie auf Antisemitismus bei den Palästinensern?

3ter versuch...

auf die gefahr hin, eine ironie nicht erkannt zu haben:

die pal haben bei den wahlen 2006 - NACH dem vollständigen abzug der isr aus gaza '05 und VOR der etablierung der blockade durch ägypten und isr '07 - der erklärt antisemitischen hamas eine bequeme absolute parlamentarische mehrheit verschafft.

-> wie kommt der autor wohl darauf?

uebersetzung

es gibt keine worte fuer die bedrohungen die sich die islamische welt durch den westen ausgesetzt sieht, weil die wissenschafter sich durch ihre verbrecherische produktion distanzlich weit vermittelt an diesen gruppen absichern indem sie deren (historisches) wissen anwenden, ausprogrammieren. gerne will ich technikfolgenabschaetzung so gut beherrschen, dass ich diese gaps und den flow der mit koerpern von leuten aufgefuellt wird sichbar machen und vorhersagen kann, wie dieser einfach brilliante artikel.

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