Euro-Angst quält griechische Unternehmer

2. April 2012, 18:25
25 Postings

Zweifel an der Machbarkeit des Sparprogramms und endlose Kreditklemme in Griechenland

Istanbul/Athen - Als Yiannis Papoutsas an einem Sonntagabend die Geldautomaten im schicken Athener Vorort Kifissia abfuhr und keine Euros in den Maschinen fand, wurde er unruhig. Griechenlands Hinauswurf aus der Eurozone hängt weiter als Drohung über den Griechen.

"Es gibt keinen Raum für Fehler", warnten Vertreter des Internationalen Währungsfonds, als sie ihre 28 Mrd. Euro in den zweiten großen 130-Milliarden-Rettungskredit für Hellas steckten: Jede Verzögerung bei Reformen und Sparmaßnahmen würde zu tieferer Rezession, mehr Schulden und - ohne neuerliche Hilfe der Kreditgeber - unvermeidbar zum Zusammenbruch führen.

Schwierige Aussichten für Papoutsas, der zusammen mit seiner Frau Elisabeth Daravelis Kosmetika entwickelt und vertreibt. "Wir wollen wachsen. Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir etwas unternehmen müssen", sagt Daravelis, eine Chemikerin, über die gemeinsame Firma, die sich erstaunlich gut in der Finanzkrise hält. "Wir machen uns ziemliche Sorgen. Die Zukunft ist unsicher."

Die Entscheidung für ein neues, größeres Labor ist gleichwohl gefallen. "Beautylab" expandiert, zwei Techniker werden eingestellt. "Die Kosmetikbranche ist immer noch ein Markt, der in Griechenland nach vorn geht", sagt Papoutsas, auch er ein Chemiker. Zu seinen neuen Kunden zählen griechische Unternehmer, die Kapital auf die Seite geschafft haben, aber in ihrer eigenen Branche - im Bausektor etwa oder als Zulieferer für Krankenhäuser - kaum noch Geschäft machen. Sie verlegen sich mitunter auf die Herstellung von Kosmetika und Pharmaka, brauchen dazu aber die Formeln sowie Beratung. Die Krise macht erfinderisch.

Eine ganze Reihe internationaler Ökonomen, allen voran Nouriel Roubini, hält den Ausstieg aus dem Euro und die Rückkehr zur Drachme für einen gangbaren Weg. Eine radikale Abwertung der Währung und damit verbunden die Verbilligung eigener Produkte würde Griechenland mit einem Schlag wieder wettbewerbsfähig machen. Das Land könnte sich selbst aus dem Sumpf ziehen.

Für das griechische Unternehmerpaar von "Beautylab" sähe der Euro-Ausstieg in der Praxis anders aus. "Eine Katastrophe", sagt Papoutsas. Den Großteil der Rohstoffe für die Kosmetikentwicklung sowie die Verpackungen kauft das Ehepaar im EU-Ausland. Mit einer Drachme, die vielleicht den halben Wert des Euro hätte, würde sich ihre Arbeit unmöglich rechnen. In Athen trifft man in diesen Tagen deshalb auch eher auf Wirtschaftswissenschaftler, die nach dem erfolgreichen Schuldenschnitt und dem neuen Hilfskredit nicht an den Hinauswurf aus der Eurozone glauben wollen. "Das Währungsrisiko ist für einige Jahre verschwunden", sagt etwa Aggelos Tsakanikas vom Institut für Wirtschafts- und Industrieforschung.

Papoutsas, der Kosmetik-Entwickler, erwartet erst gegen September die Versorgung der Banken mit neuem Geld. Bis dahin müssen sich Geschäftsleute irgendwie über die Runden retten. (Markus Bernath, DER STANDARD, 3.4.2012)

  • Unternehmerehepaar Elisabeth Daravelis und Yiannis  Papoutsas.
    foto: standard/markus bernath

    Unternehmerehepaar Elisabeth Daravelis und Yiannis Papoutsas.

Share if you care.