US-Pläne für Drohnen mit Atomantrieb

Eine Anwendung der Ergebnisse eines Forschungsprojekts scheitert derzeit aber am "politischen Willen"

Ein neues Papier aus den US-amerikanischen Sandia National Laboratories hat es in sich: Die Nuklear-Forschungseinrichtung des Energieministeriums hat in Zusammenarbeit mit Northrop Grumman (dem Erbauer der Global Hawk-Drohne) eine Technologie entwickelt, die die Leistungsfähigkeit von Drohnen mithilfe eines Nuklearantriebs um ein Vielfaches verbessern soll. 

Das Projektziel (hier der Abschlussbericht als PDF) war es, die "größten Defizite" im Betrieb von Drohnen auszumerzen. Als Defizite wurden die mangelnde Langlebigkeit im Betrieb, die zu geringe Energieversorgung für eine bessere Bordelektronik (was für ein verbessertes Überwachungs- und Waffensystem notwendig ist) sowie die mangelhafte Bandbreite der Kommunikation ausgemacht. 

Sandia bestätigte gegenüber dem Guardian den Projektabschluss: "Die Forschung zu diesem Thema war sehr theoretisch und konzeptionell. Das Ergebnis war lediglich die Vorbereitung einer Machtbarkeitsstudie, keine Hardware wurde gebaut oder getestet." Wie in dem oben verlinkten Projektpapier zu lesen ist, wurden die technischen Ziele erreicht. Northrop Grumman zeigte sich von den Ergebnissen des Projekts beeindruckt.

Gefährliche Nebenwirkungen

Im Betrieb von nuklearbetriebenen Drohnen ergeben sich zwei Probleme, schreibt etwa der Sicherheits-Blog "Dangerroom": Drohnen stürzen oft ab. Der Watchblog "Drone Wars UK" zählte 28 abgestürzte Drohnen im Jahr 2011 und fünf im Jahr 2012, die Vermutung liegt jedoch nahe, dass hier nicht alle Drohnenabstürze erfasst sind. Da Drohnen im Vergleich zu Kampfflugzeugen relativ günstig in der Herstellung und im Betrieb sind, ist ein Absturz ein eher geringer Verlust - werden sie nuklear betrieben, kann der Absturz aber schwerwiegende Konsequenzen haben. Der Guardian weist auch darauf hin, dass eine solche Drohne Terroristen in die Hände fallen könnte, was ihnen Zugang zu nuklearer Technologie verschaffen könnte.

Eines macht den Plänen der Waffenbauer jedoch einen Strich durch die Rechnung - wie es im Sandia-Papier heißt, stehe aufgrund der "politischen Realitäten" der Gebrauch von Drohnen mit Nuklearbetrieb derzeit nicht zur Debatte, "leider" würden die Resultate kurz- oder mittelfristig keine Verwendung finden. Es darf aber wohl davon ausgegangen werden, dass die Lobbyisten der Waffenindustrie versuchen werden, den politischen Willen zu verändern. (Florian Gossy, derStandard.at, 02.04.2012)

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