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RegioPlan-GF Hanna Bomba-Wilhelmi: "So etwas war nur im Burgenland möglich. In jedem anderen Bundesland tun sich die Investoren schwer, so große Flächen zu besiedeln, denn dort sind die Raumordnungsgesetze schon viel strenger."
In den meisten Bundesländern wäre so eine große Factory-Outlet-Agglomeration niemals möglich gewesen, erklärt Hanna Bomba-Wilhelmi, CEO von RegioPlan, im Gespräch mit Wojciech Czaja.
STANDARD: Parndorf wird schon bald die größte FOC-Agglomeration Kontinentaleuropas sein. Ist Österreich ein Diskontland?
Bomba: Nein, der österreichische Markt ist dafür viel zu klein. Man darf nicht vergessen, dass das Einzugsgebiet von Parndorf sehr groß ist. Der Standort im Dreiländereck ist sehr günstig. Der Großteil der Schnäppchenkunden kommt aus dem Ausland. Auch das zweite FOC von McArthur Glen befindet sich in der Nähe einer Staatsgrenze, und zwar in Salzburg. Das ist kein Zufall.
STANDARD: Warum steht das FOC Parndorf ausgerechnet auf der grünen Wiese?
Bomba: Die wichtigste Grundregel ist: Ein Outlet-Center muss weit genug von einer Stadt entfernt sein, aber immer noch nah genug an großen Ballungsräumen. Um auf die nötige Kundenfrequenz zu kommen, muss man generell mit rund 2,5 bis drei Millionen Einwohnern in einem Einzugsgebiet von 60 bis 90 Minuten Fahrtzeit rechnen.
STANDARD: Und warum dann nicht gleich am Stadtrand?
Bomba: Die abgelegene Lage signalisiert dem Kunden: "Aha, ich fahre so weit, um etwas ganz Besonderes zu erleben." Die Fahrt ins Schnäppchenparadies ist ein begehrtes Ausflugsziel. Eine zu große Nähe zur Großstadt hätte fatale Folgen. Wenn hier ein Esprit-Flagship-Store ist und ein paar Kilometer weiter bereits der Outlet-Shop steht, dann würde sich das System selbst kannibalisieren.
STANDARD: Ein FOC auf der grünen Wiese trägt zur Zersiedlung und zu steigendem Individualverkehr bei. Was kann man dagegen tun?
Bomba: So etwas war nur im Burgenland möglich. In jedem anderen Bundesland tun sich die Investoren schwer, so große Flächen zu besiedeln, denn dort sind die Raumordnungsgesetze schon viel strenger.
STANDARD: Wie erklären Sie sich die starken Unterschiede?
Bomba: Laut RegioData ist das Burgenland gemeinsam mit Kärnten das schwächste Bundesland, was die Kaufkraft betrifft. Es gibt nicht viele Standortzonen, die sich für überregionalen Handel eignen. Parndorf eignet sich wunderbar. Es liegt auf der Hand, dass man an solchen Standorten mit aller Kraft versucht, die Steuereinnahmen für die Gemeinden im Bundesland zu halten.
STANDARD: Wie wird die Entwicklung in den nächsten Jahren sein?
Bomba: Passieren kann viel, aber ich glaube nicht, dass es in Österreich so bald ein weiteres Factory-Outlet-Center geben wird. Der Markt ist bereits erschöpft. (DER STANDARD, 31.3./1.4.2012)
Hanna Bomba-Wilhelmi (33) studierte Dolmetsch und Übersetzung und ist seit 1999 bei RegioPlan tätig. Seit 2007 ist sie Geschäftsführerin der RegioPlan Consulting GmbH.
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