Religionslehrer an Bundesschulen kosten 72 Millionen Euro pro Jahr

Bund finanziert außerdem Lehrer an konfessionellen Schulen mit 286 Millionen Euro

Wien - An den Bundesschulen gibt es fast 3.500 Religionslehrer, 2.300 davon sind katholisch, knapp 700 evangelisch und rund 300 islamisch. An den öffentlichen AHS und BMHS haben die Personalkosten für die Religionslehrer (inklusive Abfertigungsvorsorge) 2011/12 mehr als 72 Millionen Euro betragen, wobei rund 60,7 Millionen Euro für katholische Religionslehrer reserviert waren. An den konfessionellen Privatschulen machten die Personalkosten 2011/12 rund 9,6 Millionen Euro aus, wobei die Gehälter katholischer Religionslehrer rund 8,2 Millionen Euro betrugen.

Insgesamt gab der Bund also für AHS, BMHS und konfessionelle Schulen 81,7 Millionen Euro für Personalkosten für Religionslehrer aus. Das zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ).

An den konfessionellen Privatschulen kommt noch der Kostenersatz für die Personalausgaben für die übrigen Lehrer dazu, 2011/12 haben die konfessionellen AHS und BMHS damit "Kosten von rund 286,4 Millionen Euro verursacht".

Pflichtschulen nicht inkludiert

Die Grünen wollten im Zuge der Diskussion um eine Einführung eines verpflichtenden Ethikunterrichts für Schüler, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, die Kostenstruktur des derzeitigen Religionsunterrichts hinterfragen. Aus Sicht von Verfassungssprecherin Daniela Musiol ist hier nun "eine Größenordnung da, die man so noch nicht kannte". Dabei hat das Ministerium nur Daten für die Bundesschulen geliefert, für Pflichtschulen (Volks-, Haupt-, Sonderschule) werden diese nicht zentral erfasst.

"Insgesamt müssen wir daher von einer mindestens doppelt so hohen Subvention für die Religionsgemeinschaften allein bei den Schulen ausgehen", meint Niko Alm, Sprecher des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien, in einer Aussendung. Das sei deutlich mehr, als die Volksbegehrensinitiatoren vermutet hatten.

Grüne sehen Problem bei Schulverteilung

Ein "problematisches" Ergebnis der Anfragebeantwortung ist aus Musiols Sicht, dass es in drei Bezirken (Villach-Land, Wiener Neustadt Land und Wels-Land) nur an konfessionellen Schulen die Möglichkeit zu maturieren gibt - "mit allen potenziellen Nachteilen, die das für sie haben kann", wie Musiol mit Verweis auf weite Schulwege oder das Inkaufnehmen von Schulgeld oder -uniformen sagt. Wird zusätzlich nach Schultypen differenziert, gibt es 21 Bezirke, wo nur an konfessionellen Schulen die Möglichkeit zur Matura eines bestimmten Typs besteht. "Das ist eine Geschichte, die auf Ministeriumsebene anzuschauen ist", so Musiol. In der Beantwortung wird vom Ministerium allerdings explizit auf die "mangelnde Aussagekraft und Unsachlichkeit der Abfrage" der Schulverteilung nach Bezirken hingewiesen. (APA, 2.4.2012)

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