Das "geistige Eigentum" ist eine Chimäre

Kommentar der anderen | 1. April 2012, 23:44

Eine Replik von 51 Mitarbeitern des Hacker-Forums "Chaos Computer Club" (CCC)

Kaum war der "Tatort"-Brief am Wochenende online, hagelte es umgehend Proteste aus der "Netzgemeinde" ("indiskutables Pamphlet", "Schmähschrift" ...). Hier einige Passagen aus einer vergleichsweise moderaten Replik von 51 Mitarbeitern des Hacker-Forums Chaos Computer Club (CCC):

Liebe "Tatort"-Autoren! Das Tragische (im griechischen Sinne) ist doch, dass wir beide Opfer des Verwertungssystems sind. Ihr schuftet Euch seit Jahren für die Verwertungsindustrie ab und habt so viele Eurer Rechte weggegeben, dass weder Ihr noch Eure Nachfahren von der verlängerten Urheberrechtsschutzfrist etwas haben. Das ist bloß ein Verhandlungsmittel, mit dem Ihr zu reduzieren hofft, wie doll Euch die Verwertungsindustrie abzockt.

Wir kämpfen eigentlich auf derselben Seite, aber Ihr merkt es nicht einmal.

Bei uns ist das ganz ähnlich. Viel Software wird inzwischen gar nicht mehr für Profit geschrieben, sondern frei ins Netz gestellt oder als Selbstvermarkter-Shareware, weil den Autoren klar ist, dass sie nie einen müden Cent sehen werden für ihr Werk. Für Software gibt es keine Verwertungsgesellschaften, mangels historischen Präzedenzfalls. Wenn Ihr Euch mal umschaut, werdet Ihr sehen, dass auch kein einziger von uns Software-Autoren eine GEMA für Software fordert. Wir nehmen Euch nichts weg, das wir für uns fordern. Wir haben uns nur von der Idee verabschiedet, dass dieses Modell in zehn Jahren noch existieren wird.

Sir Arthur Conan Doyle schrieb dazu: "Wenn jeder Autor, der ein Honorar für eine Geschichte erhält, die ihre Entstehung Poe verdankt, den Zehnten für ein Monument des Meisters abgeben müsste, dann ergäbe das eine Pyramide so hoch wie die von Cheops."

Das von Euch als gottgegeben hingestellte sogenannte "geistige Eigentum" ist bei näherem Hinsehen eine Chimäre jüngeren Datums, gerne als unsachlicher Kampfbegriff angeführt, um gewisse grundsätzliche Diskussionen zu vermeiden

Gerade Ihr als "Tatort"-Autoren, deren Brötchen zum großen Teil über die Rundfunkgebühren bezahlt werden, solltet wissen, wie sich eine Kultur-Flatrate anfühlt. Hier hungern Urheber nicht. Aber gerade diese Verwertungsgesellschaft, die Eure "Tatort"-Drehbücher entlohnt, ist das beste Beispiel, wie sich ein verselbstständigter Wasserkopf mehr und mehr der eigentlich Euch zustehenden Anteile am ausgestrahlten Werk einverleibt. Hand hoch, wie viele von Euch sind fest angestellt? Wie viele wurden in den letzten Jahren durch Vertragsveränderungen bei den Landesmedienanstalten auch noch der Zweitverwertungsrechte im Netz beraubt? Na, und wie fühlt sich der Blick in Eure Buy-out-Verträge an, wenn Ihr ehrlich seid? Stockholmsyndrom? (DER STANDARD, 1.4.2012)

Link

Langfassung auf der Website des Chaos Computer Clubs

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Interessant ist ja, dass

Open Source Software deshalb rechtlich "funktioniert" weil es ein Urheberrecht in der jetzigen Form gibt. Der Copyleft Grundsatz lässt sich nur durchsetzen, weil es möglich ist, Nutzungsrechte für Software zu beschränken und Verstöße dagegen zu verfolgen. Gäbe es das nicht dann könnte niemand gezwungen werden den Quellcode einer Software im Falle der Veränderung wieder offenzulegen.

Bitte nicht ständig die GPL mit Open Source verwechseln...

Das ist zwar grundsätzlich richtig, was du schreibst, allerdings braucht es gar kein "Copyleft" mehr, wenn es das Urheberrecht in der jetzigen Form irgendwann nicht mehr geben sollte. ;)

EINLADUNG - Welches Urheberrecht brauchen wir?

Die Debatte um ACTA hat gezeigt, dass wir dringend einen konstruktiven Reformdialog über das Urheberrecht benötigen. Aus diesem Grunde lädt der fraktionsfreie EU-Abgeordnete Martin Ehrenhauser alle Interessierten und Medienvertreter zu einer Diskussionsrunde ein.

Datum: 3. April 2012, 19.00 Uhr

Ort: Bürgerbüro Ehrenhauser, Garnisongasse 22, 1090 Wien

Teilnehmer:
Markus Stoff, Initiative für Netzfreiheit (IFNF)
Franz Medwenitsch, Verband der Österreichischen Musikwirtschaft (ifpi)
Michael Bauer, Verein der Internet-Benutzer Österreichs (Vibe!at)
Ferdinand Morawetz, Verein Anti-Piraterie der Film- und Videobranche (VAP)
Martin Ehrenhauser, (Moderation)

Begrenzte Teilnehmer: bitte unter office@ehrenhauser.at anmelden

WOW

Großartiger Kommentar, gut argumentiert.

IT-Branche != geistiges Eigentum

Big capitalistic player, wie Microsoft und Google setzen vermehrt auch auf OpenSource oder offene Dokumentation mit gratis Codeteilen als Beispielen.
Angenommen jede Suchmaschinenabfrage kostet 0,1 Cent, jeder Lösungsansatz im Netz darf nur gegen Entgeld verwendet werden, für jedes Codesnipplet, CodeIdee oder Prototyp fallen Gebühren für die Abtretung von Rechten und Verwendung an,
dann würde fast gar kein Projekt in der IT-Branche finanzierbar sein. Jammern viele Auftraggeber jetzt schon über zu hohe Kosten, dann wäre eine ultimative Restriktion auf Geistiges Eigentum in der IT das Ende aller Klein- bis Mittelunternehmer in der IT, die dann einmal mittelfristig die Riesen mitreisen könnte => das brächte eine schönen fetten black Friday.

IPR bzw. Patent- & Urheberrecht kann man nur abschaffen...

... in einer geeinten Weltwo es ausschließlich brüderliche und selbstlose Liebe untereinander gibt!

Vorher gehts (leider..) deshalb nicht, weil das IPR (Patent & Copyright) die BASIS des derz. Systems überhaupt darstellt. Das glauben viele Anti-IPR-Propenenten nicht, es ist aber so. Entzieht man dem System das IPR-Wesen, bricht es wie vom Blitz getroffen zusammen. Jeder ist jeglicher in- und ausländischer Konkurrenz ausgeliefert; es wird dir KEIN Bankinstitut mehr einen Kredit für eine Produktion geben; es gibt KEINE Börsengänge privater AG.`s mehr usw.

Anmkg: Ein KAPUTTES Patentwesen (wie dz.) nutzt aber auch nix mehr. Es hat ein Ablaufdatum...

Diese Enteignungspropaganda des CCC ist peinlich. Softwareautoren leben eben von ihren Produkten - und jammern auch in der Regel nicht dass ihr Arbeitgeber, der Vertrieb, usw. (die superböse "Verwertungsindustrie") mitverdienen, weil sie kapieren dass diese den Erfolg erst ermöglichen. Warum wollen sie denselben Erfolg den Fernsehautoren vorenthalten? Der CCC ist abstoßend in seiner unendlichen Arroganz in der er glaubt anderen vorschreiben zu können was richtig und gut für sie ist. Ich stehe auf der Seite der Autoren - nicht auf der Seite der Gauner und Gratislobbyisten!

schöner standpunkt

microsoft verlegt standpunkt wegen unbefriedigender patentsituation

http://www.spiegel.de/wirtschaf... 52,00.html

sind sicher alles gauner und gratislobbyisten bei microsoft - fast schon kommunisten ;-)

eh jeder Reiche läuft Gefahr Kommunist zu sein

Steve Jobs war nicht so reich und erfolgreich, daher dieses interne Dossier:
Er experimentierte mit Drogen, war aber zumindest kein Kommunist.
Bei Bill G. kann man sich nicht so sicher sein, der ist scho wieder der reichste Mann der Welt und kapitalstarke Länder, wie China sind ja kommunistisch.

mahhh bitte

legalisiert endlich das fladern, wenn es eh schon alle machen ;-)

Nehmen wir an, ein Arzt heilt jemanden mit seinem Wissen!

Sagen wir weiters, der Arzt hat sich seit 20 Jahren auf dieses Gebiet spezialisiert und macht nur mehr das. Das Gespräch mit dem Patienten dauert 5 Minuten und kostet 9,99 EUR.

Nach der Heilung ist das komplette Wissen noch immer vollständig im Kopf des Arztes, kein Gramm Hirn wurde entnommen. Der Patient hat das nötige Wissen nur durch bloßes Zuhören in sein Langzeitgedächtnis kopiert.

Darf der Patient jetzt dieses immaterielle Knowhow an andere weiterschenken, tauschen oder verkaufen? Was macht der Arzt künftig ohne die 9,99 pro Patient?

Was bitte, ist an der Problemstellung einer digitalen Kopie prinzipiell denn nun so neu und so anders, dass wir vorsintflutlichen Künstler, das nicht und nicht verstehen?

Ich würde dringend den Arzt wechseln

Wenn der jedem seiner Patienten in 5 Minuten dasselbe erzählt ...

selbstverständlich darf der patient dieses know-how weiterschenken, tauschen oder verkaufen ...

... oder ist ihnen noch nicht aufgefallen, dass die menschen laufend von ihren medizinischen behandlungen erzählen?

Das ist lieb von Ihnen, dass sie mich auf allgemein-menschliche Verhaltensweisen hinweisen! Wie stehts mit den anderen beiden Fragen?

sehen sie, ärzte haben eben ein geschäftsmodell gefunden, das dazu führt, dass sie gut verdienen, obwohl ihr know-how frei zugänglich ist ... dies beantwortet wohl auch gleich ihre dritte frage, nicht?

dieses "geschäftsmodell" heißt ausbildung und erfahrung. deswegen können z.b Sie, trotz internet und facebook und piraten und anon, keine gehirnoperation durchführen. ein neurochirurg allerdings schon.
und ein bild eines "ausgebildeten" malers sieht aufgrund der handwerklichen kenntnisse, die er erworben hat und aufgrund der möglichkeit, seine ur-eigenen ideen in eben dieses bild einfließen zu lassen, eben anders aus, als wenn Sie "malen nach zahlen" betreiben...
dasselbe gilt für musik, literatur, architektur, kfz-mechanik und fast alle anderen berufe genau so. sonst würden wir ja alle mit hilfe des internets alles selbst erledigen, oder?
nur weil Sie einen browser bedienen können, heißt nicht, dass Sie z.b. johann sebastian bach sind.

geniale antwort.
genaus so ist es!

Wenn Einbrecher und Diebe

über Eigentumsfragen dozieren, wird's allerdings lachhaft...!

.

vielen dank für diese sehr gute entgegnung!

was ist daran sehr gut? und inwieweit hilft es menschen, die mit schreiben ihr geld verdienen? wie funktioniert das eigentlich mit bildender kunst? gehört in zukunft jedes bild eines künstlers zuallererst mal der internet-community? darf der künstler über sein werk noch entscheiden? darf er es verkaufen, wem er möchte? mit welchem recht wird menschen, die viel zeit darauf verwenden, etwas zu erschaffen, der wert ihres schaffens aberkannt?

ganz wichtig erscheint mir, daß der name der person, die das werk erschaffen hat, dabei steht. daß wer ein fremdes buch oder ein bild als sein eigenes ausgibt - das gilt es unter allen umständen zu verhindern.
aber es entscheidet ja auch heute niemand, wer seine bücher kauft (außer, er/sie verkauft sie ausschließlich persönlich und nicht über buchhandlungen).
ich sehe darin keine aberkennung künstlerischen schaffens. und das sage ich nicht als konsument, sondern als jemand, der selber schreibt.

wer gut ist verkauft sich auch

so - um den rest ists nicht wirklich schade..

ich geh jetzt zum libro und kauf mir eine cd um 15 euro - nicht mal EIN euro kommt beim künstler an.

deshalb: musik gratis saugen. wenns gefällt folgen eintritte und fanartikel die gekauft werden.

10-20% pro Buch z.b.

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