Selbstständigkeit: Zwei Welten

Günther Oswald, 1. April 2012, 17:43

Viele denken an Mateschitz und Wlaschek. Unternehmer zu sein kann aber auch etwas ganz anderes bedeuten: 10.000 Euro im Jahr zu verdienen

Wenn wir das Wort "Unternehmer" hören, denken wir an Dietrich Mateschitz und seinen Red-Bull-Konzern, der jedes Jahr mehrere Milliarden an Dosen verkauft. An Hans Peter Haselsteiner, der mit Strabag in ganz Europa Autobahnen baut, oder an Billa-Gründer Karl Wlaschek, der ebenfalls regelmäßig in den Rankings der reichsten Österreich auftaucht.

Unternehmer zu sein kann aber auch etwas ganz anderes bedeuten: 10.000 Euro im Jahr zu verdienen. Vorne und hinten nicht mit den Zahlungen an die Finanz und die Krankenkasse zurechtzukommen. Keine Ahnung von Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder Businessplänen zu haben, weil man nur in die Selbstständigkeit reingerutscht ist (oder gedrängt wurde) und eigentlich viel lieber ein ganz ordinäres Angestelltenverhältnis hätte.

Dass diese beiden Gruppen wenig miteinander zu tun haben, hat sich mittlerweile herumgesprochen - auch in der Politik und bei den Krankenkassen. Die Realität entwickelt sich aber um einiges schneller als die Gesetze. Wenn die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft nun eine Befragung unter ihren Mitgliedern über deren Wünsche durchführen will, ist das gut. Das Problem ist nur: Jene Akteure, die in der Praxis für die Interessenvertretung verantwortlich sind, kommen aus einer Unternehmer-Welt, die wenig gemein hat mit jener, in der die Mehrheit aller Selbstständigen lebt. (Günther Oswald, DER STANDARD, 2.4.2012)

Kommentar posten
10 Postings
Der Artikel geht schon in die richtige Richtung,

aber wer als über 14jähriger ein Problem mit Einnahme- Ausgabe-Rechnung hat, sollte sowieso besachwaltert werden ...

Sie sind Beamter, stimmst?

Glaube nicht ...

... eher einer der millionen ahnungslosen BW-Student, die nach Studienabschluss nicht einmal einen Geschäftsbrief schreiben können, aber dafür die 10 Sätze aufsagen können, die sie zum Thema "Einnahmen-Ausgaben-Rechnung" mal mühsam auswendig gelernt haben.

Ich glaube nicht, dass sie wissen, was bedeutet ...

unter dem Titel Einnahmen-/Ausgabenrechnung dem Finanzamt und der SVA zu DIENEN, mit welchen Hürden Herr und Frau Kleinunternehmer zu kämpfen hat und was es bedeutet, wenn man zu aller erst den aller größten Teil seiner Einnahmen an SVA und FA abführen muss um anschließend weniger in der Tasche zu haben, als jeder arbeitslose Maurer oder Sozialhilfeempfänger.

Es gibt "Unternehmern" in Österreich, die zwar 60 Stunden die Woche ARBEITEN, dafür aber (a) 1.000nede Euro an Finanzamt und SVA überweisen um im Montag mit vielleicht 500, 600 Euro selbst über die Runden zu kommen.

OHNE(!) Urlaub und anschl. noch bei Arzt und Apotheke Selbstbehalte bezahlen.

es geht ja vielfach nicht um die EA Rechnung

sondern um Sozialversicherungsbeiträge, die für kleine Einkommen unzumutbar sind.
Und es geht weiters auch darum, dass Beitragsvorauszahlungen vielfach nicht transparent sind und zudem auch auf der Annahme stegig steigender Gewinne beruhen.
Sowie: was für eine arrogante Einstellung...
Sachwalterschaft: dazu macht man keine Witze, jeder, der einen pflegebedüftigen, dementen Angehörigen hat, versteht da keinen Spass.

das ist eben der punkt. insofern unverständlich, daß so viele unternehmerInnen övp wählen, wo sich die övp sicher nicht für die kleinen unternehmerInnen einsetzt, sondern nur für die ganz großen.

Als Unternehmer sollte man diese Personen nicht bezeichnen.

Unternehmer sind für jede Gesellschaft von enormen Wert. Es gibt ja viele gebildete, geschulte, qualifizierte und kluge Leute aber nur sehr wenige, die in der Lage sind etwas zu "unternehmen".
Es liegt an Unternehmern das vorhandene finanzielle und personelle Potential zu organisieren und neues zu gestalten.
Allerdings wenn immer mehr Personen an den Rand gedrängt als letzten Ausweg gezwungen werden als sogenannte "Unternehmer" auf Einkommen und Sozialleitung zu verzichten dann ist die Bezeichnung Unternehmer komplett irreführend.
Der Begriff "Ausgegrenzter" wäre sicher zutreffender.

Werden sie aber per Gesetz, per Sozialversicherung.

Darum schreien die Betroffen ja auch derzeit laut auf, weil die Schublade aus dem vorigen Jahrhundert nicht paßt!

so werden sie genannt, wenn's passt

oder warum dürfen diese "unternehmer" (wenn sie nicht zu den mehr- oder vielpersonenunternehmen gehören) gewisse aufträge nicht durchführen, sind quasi ausgeschlossen, werden diskriminiert. weil sie sind - wenn sie einen größeren, länger dauernden, beim kunden umzusetzenden auftrag haben, nämlich nicht mehr unternehmer, sondern "scheinselbstständige".

vorschlag unabhaengige fragen

wo sollen wir stehlen (ankreuzen): hinten, vorne, oben, unten
wo sollen wir blind sein (ankreuzen): hinten, vorne, oben, unten
wo sollen wir uns dumm und blind stellen: hinten, vorne, oben, unten
in welchem ausland lassen sie sich statt bei uns versichenr (ankreuzen)n: deutschland, gb, schweiz, tschechoslowakei

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.