Ultimatum für Putschisten läuft aus

2. April 2012, 11:17

ECOWAS-Staatschefs beraten in Dakar über weiteres Vorgehen - Tuareg-Rebellen rücken im Norden des Landes immer weiter vor und nehmen Timbuktu ein

Bamako - Rund eineinhalb Wochen nach dem Staatsstreich in Mali wird die Lage in dem westafrikanischen Land immer brisanter: Am Montag läuft ein Ultimatum aus, das die Nachbarländer den Putschisten gestellt hatten. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) hatte den Anführern des Coups Ende vergangener Woche mit scharfen Sanktionen gedroht, sollte die Macht im Land nicht innerhalb von 72 Stunden an eine zivile Regierung zurückgegeben und die verfassungsmäßige Ordnung wiederhergestellt werden.

Die ECOWAS-Staatschefs wollten am Montag in der senegalesischen Hauptstadt Dakar über das weitere Vorgehen beraten, berichtete der Sender Radio France International (RFI). Eine Delegation der Putschisten war am Wochenende ins angrenzende Burkina Faso gereist, um Gespräche mit Präsident Blaise Campaore zu führen, der von der ECOWAS als Vermittler eingesetzt worden war.

Tuareg-Rebellen hissen Flagge in Timbuktu

Nach der Einnahme der Städte Gao und Kidal im Nordosten von Mali haben die Tuareg-Rebellen am Sonntag die Oasenstadt Timbuktu eingenommen. Sie hätten auf mehreren Gebäuden ihre Flagge gehisst, nachdem Regierungskräfte die Stadt verlassen hätten, sagten zwei Bewohner der Nachrichtenagentur Reuters. Die seit ihrem Putsch vor eineinhalb Wochen herrschende Militärjunta erklärte indes die außer Kraft gesetzte Verfassung wieder für gültig und versprach Neuwahlen, bei denen sie selbst nicht antreten will.

"Sie haben die Stadt erreicht. Sie haben ihre Flagge gehisst", sagte El Hadj Baba Haidara, ein lokaler Parlamentsabgeordneter, am Telefon. Ein Hotelangestellter bestätigte die Anwesenheit der Tuareg und sagte, sie seien gemeinsam mit einem "früheren malischen Minister" gekommen. Ein Augenzeuge berichtete, dass die Rebellen der Nationalen Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) ihre Flagge bei den Büros des Gouverneurs und des Bürgermeisters sowie auf dem Gelände des Militärcamps gehisst hätten. Weitere Bewohner berichteten von Schüssen und Plünderungen. Dem Direktor einer Privatschule zufolge wurde ein junger Mann durch einen Granatsplitter im Bauch getötet.

Die Tuareg-Rebellen hatten die Eroberung Timbuktus angekündigt. Timbuktu werde eingekreist, um die in der Stadt verbliebene "politische und militärische Verwaltung" der malischen Regierung zu "vertreiben", erklärte die MNLA in einer im Internet veröffentlichten Erklärung. Übereinstimmenden Angaben zufolge arbeiteten die Rebellen dabei mit einer islamistischen Gruppe zusammen. Die Rebellen kämpfen für die Unabhängigkeit ihrer Region Azawad.

Juntachef erklärt Verfassung wieder für gültig

Juntachef Amadou Sanogo erklärte am Sonntag die Verfassung und sämtliche staatlichen Institutionen wieder für gültig. Die derzeitige "Krise" im Land müsse beigelegt werden. Sanogo kündigte eine Übergangsphase mit "freien, offenen und demokratischen Wahlen" an, "an denen wir nicht teilnehmen werden".

Mit dem Staatsstreich gegen den bisherigen Präsidenten Amadou Toumani Toure am 22. März wollten die Putschisten eigentlich den Kampf gegen den Tuareg-Aufstand vorantreiben. Doch der Putsch hat die Rebellen in ihrem Kampf noch ermutigt: Bereits am Freitag eroberten sie die Stadt Kidal, am Samstag fiel die Garnisonsstadt Gao. Die Tuareg kämpfen für einen eigenen Wüstenstaat in einem Gebiet, das größer als Frankreich ist. (APA/Reuters, 1.4.2012)

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"[...] Muammar Gaddafi, facilitated talks between the governments of Niger and Mali and the Tuareg, while at the same time pursuing strong aspirations of his own for regional hegemony [...]"

"Gaddafi’s approach, including a variety of traditional actors […] failed due to a lack of commitment to the signed agreement from all sides."

http://www.swisspeace.ch/fileadmin... cesses.pdf

http://www.interet-general.info/spip.php?... ticle11337

http://www.rfi.fr/actufr/ar... _71015.asp

-- Problematisch ist, vermute ich, weniger der Wegfall eines im peace-brokering nur mäßig erfolgreichen G., sondern der Zustand des Nachbarstaates Libyen. --

Korrektur:

"Nachbarstaat" > (Sahel-)Sahara-Staat

Kampf um Land, Wasser und um die Verteilung der zukünftigen Gewinne aus Rohstoffabbau, und dazu ein alt/neuer ethnischer und diesmal gut bewaffneter Faktor im Spiel

Niger liegt dazwischen. aber worauf noch überhaupt nicht hingewiesen worden ist, dass auch Libyen in Niger und Mali als 'landgrabber' und/oder Investor
tätig ist, neben anderen.
Wasserentnahme und Erosion, Klima, Landflucht, und Kleinbauernschwund
http://www.oaklandinstitute.org/land-deal... libya-mali
http://viacampesina.org/en/index.... &Itemid=36
http://farmlandgrab.org/post/view/19206
http://mali-infos.blog.de/2012/03/0... -13062412/
http://dailyreckoning.com/the-surpr... land-grab/
http://www.wise-uranium.org/upne.html

es ist das ein dilemma, in das afrika, seine regierungen und seine völker momentan getrieben sind.

unruhen, unsicherheiten und chaos spielen dabei aber den landgrabbern alter und neuer prägung in die hände, sofern es sich tatsächlich um "landgrabbing" und nicht auf ordnungsgemäßen verträgen der jeweiligen regierungen (die mit unterschiedlicher intensität auf ihre bevölkerungen rücksicht nehmen) mit den firmen und staaten handelt.
die lösung wird nicht darin liegen, die geschädigten menschen, von denen manche nichts zum essen haben oder aus ihren wohngebieten vertrieben sind, zum globalen aufstand zu bewegen und den terroristischen und korrupten glücksrittern das feld weiterhin zu überlassen.
es geht um aufbau der länder und strukturen - das verstehen die menschen immer besser.

Nach dem Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes

war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, wann diese Büchse geöffnet würde.
Kenne die Gegend Timbuktu und Gao recht gut. Der Konflikt zwischen den Touaregs und der Hauptstadt besteht schon seit den grossen Hungerkrisen im Norden in den 70er und 80er Jahren und beruht nun vorwiegend auf die Nichtumsetzung des Friedensabkommen von Algier 2009.
Aktuell äußerst beunruhigend finde ich die Rückkehr der jungen Touaregs mit zT schweren Waffen, aber ohne sonstiger Perspektive in eine Region, in der die radikalen Islamisten der AQMI das Sagen haben.

In der Vergangenheit fielen Tuaregs

in der Umgebung von Timbuktu immer wieder durch Überfälle auf, waren weniger politisch motiviert als kriminieller Natur.
War am 26.10.2001 davon betroffen (Überfall auf der Piste zwischen Duentza und Timbuktu).
Sicher war die Gegend nie, alles nördlich/östlich von Timbuktu war ohnehin nie in Hand irgendeiner Regierung in Bamako.
Der mögliche Aktionsradius der Tuareg ist limitiert. Sie können die Region um Timbuktu/Gao dominieren, Regionen die sie immer schon beherrscht haben, sie können sich nach Norden/Osten frei bewegen.
Alles was westich von Timbuktu ist, ist für sie tabu. Deshalb sind sie auch keine Bedrohung für eine Regierung.
Ein

Das Auto ist schon ein Hund

auch wenn man es sich nicht mehr ohne vorstellen kann. Selbst dann nicht, wenn es im Dreieck Duentza, Timbuktu, Gao aus obigem Grund mehr als nur hinderlich ist.

Dabei ist Dogon zu Fuß, Timbuktu im Reisboot und Gao auch am Pick-up erreichbar. Sahara mit Packkamel lässt jeden 4x4 Lenker alt aussehen.

Aber auch ich bin schon zum faulen Hund geworden. Mal kurz 30 km abseits sich etwas zeigen lassen, sind kein Aufwand und mit Auto ist man ja sowieso Chief. Das will man nicht so gerne downsizen.

Anyway, im Sommer geht sich nur Fliegen aus, weil ich das Land endlich einmal grün sehen will und dann sind off road Touren eben mit dem Motorrad angesagt.

Weil ich hier ja immer geprügelt werden, weil ich die "Moslems" immer in einen Topf werfe, die Frage: Gibt es "die Tuaregs" eigentlich oder gibt es da auch "Gruppen" die sich untereinander uneins sind?

Übrigens die Frage ist ernst gemeint - Wikipedia nennt wohl die "verbindenden Elemente" dieser Kultur - aber irgendwie glaube ich das nicht ganz (Kalr May geschädigt) :-)

Also, wenn wer Literatur o.äh. nennen könnte - das wäre nett und hilfreich.

politisch:
http://www.opendemocracy.net/hugh-brod... -of-desert
enzyklopädie:
http://www.britannica.com/EBchecked... 089/Tuareg
kultur und leben:
http://www.djansa.be/Home/inde... &locale=nl
tuareg-diaspora - musik
http://www.tamasheq.net/
tuareg - literatur
http://www.unibas-ethno.ch/redakteur... r_GS07.pdf

für's gemüt:
http://www.youtube.com/watch?v=M... re=related

und ansonsten ist mali sozusagen das historiografische zentrum westafrikas: mit mehren alten kulturen und einer riesensammlung arabisch-islamischer schriften aus 8 jahrhunderten.

Na bum. Danke :-)

es geht hier um Waffenverkauf (wie bei allen

neueren Revolutionen) und in diesem speziellen Fall auch um Gold...

Bitte einen Satz mit Timbuktu !

When my friend Tim and me arrived in the city we met some nice girls. I booked one and Tim booked two.

dann ist es jetzt wohl wieder sicherer für die tuareg dort unten? wird wohl bald zeit meinen wieder in seine heimat zurückzuschicken, hat mir eh zuviel treibstoff verbraucht.

Hies es im Libyen-Krieg nicht immer, dass die vielen Waffen der Rebellen im Gaza-Streifen oder bei Terroristen landen werden ? Und jetzt hören wir, dass die Tuareg - damals von Gaddafi bewaffnet, um Libyer zu massakrieren - nach dem Ende des libyschen Schlächters mit den Tuareg-Söldner nach Mali gekommen sind.

In Libyen gibt es eine Tuareg Minderheit so wie bei uns Kroaten

im Burgenland, diese genossen alle Bürgerrechte. Inwieweit die Tuareg im Zuge des Bürgerkriegs im besonderen bewaffnet wurden entzieht sich meiner Kenntnis. Warum diskreditieren Sie eine Ethnie nur aus Abneigung gegen Gaddafi? Wenn Ihnen Saif die Freundin ausgespannt hat gehen Sie zurück auf ihre Islamisteninsel in der Sulusee.

na und unter g. gab es die hoffnung auf ein vereintes afrika, in dem sich diese fragen wohl regeln würden. da wurde der kampf nicht gegen die staaten geführt. und auch jetzt ist es ja der große unterschied zu den islamistischen destabilisierungsterroristen - die ja auf lokale bevölkerungen und deren bedürfnisse keinerlei rücksicht nehmen - dass die gruppe sagt: hier ist schluss.

ich denke, sie wären gute und für manche europäischen länder (z.b. frankreich) auch bewährte partner und ich würde ihnen die politische lenkung ihrer gebiete und nach ihren vorstellungen wünschen.

Ein vereintes Afrika ist noch weiter entfernt als ein vereintes Europa.

vereint ist vielleicht zuviel: union - die es ja in ansätzen schon gibt und ganz gute plattformen bildet.

und es gibt vier wirtschaftliche zusammenschlüsse für westafrika, ostafrika, zentralafrika, südliches afrika - z.b. die westafrikanische union ecowas.
(dementsprechend vielfältig und im grunde völlig unübersichtlich ist z.b. die abkommens-situation der eu und ihrer mitgliedstaaten mit afrikanischen ländern, die sich auf europeaid und internationale wirtschaftsabkommen (akp-länder) teils bilateral - teils eu stützt und letztlich alles unterstützt, außer waffen- und drogenhandel)
so gesehen können von den menschen anerkannte überregionale, transparente unionen als partner viel besser zum aufbau eigener (sic!!) strukturen nützen.

Meine Meinung?

Wenn sie ihren Wüstenstaat haben wollen, warum sollen sie ihn dann nicht bekommen?

Wenn schon die Kosovoalbaner, Ost-Timoraner und Naurer ihren eigenen Staat bekommen haben, dann haben die Tuareg auch das Recht darauf.

Nauru im Kontext hier ist vollkommener Blödsinn.

jep, ich bin auch dafür, dass jede terroristengruppe ihren eigenen staat gründet.

nur gegen wen wollen sie dann terror führen?
ach ja, es gibt ja dann noch nachbarn.

Spannend, wen sie nicht alles als Terroristengruppen identifizieren. Zum Beispiel eine ganze Ethnie, ein Terrorvolk sozusagen.
Aber wer weiß, vielleicht haben sie ja recht. Bei den Kärntnern ist mir auch schon manchmal ein ähnlicher Gedanke gekommen ..

Gott sei dank sind die Faschingsgilden nicht bewaffnet!

Waffen aus Libyen-->The Tuaregs in Ghadames are also paying the price for the actions of other Tuaregs from Niger and M a l i , who become mercenaries for the Gaddafi regime. Many of these Tuareg

mercenaries have reportedly left Libya, presumably to return to their
respective countries, but their reputation for violence has left its mark, fostering tensions between local Tuaregs and former rebels.

http://observers.france24.com/content/2... ercenaries

The Tuareg separatists from the National Movement for the Liberation of Azawad (MNLA) are well equipped with weapons looted from Libya and have the support of Ansar Edine, an Islamic group that wants to impose shariah law on secular Mali.

Read more: http://digitaljournal.com/article/3... z1qpkUegoP

Gaddafi recruits 800 Tuareg mercenaries/Mali
http://tinyurl.com/d8jo6em

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