Anonymous Austria: "Brisante Enthüllungen" waren nur ein "Scherz"

1. April 2012, 10:22
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Keine internen Mails und Dokumente, keine Veröffentlichung - Drei Stunden nach dem Auslaufen des Countdowns kam die Erklärung

In den letzten Tagen sorgte eine Ankündigung von Anonymous Austria für kräftiges (virtuelles und nicht-virtuelles) Rauschen im österreichischen Blätterwald: Im Rahmen einer Art Gegenvorratsdatenspeicherung habe man tausende interne Mails österreichischer Parteien ergattert, die brisante interne Details über SPÖ, ÖVP, FPÖ, BZÖ und FPK aufdecken sollen. In den Tagen rund um den 1. April - also rechtzeitig zum Start der Vorratsdatenspeicherung in Österreich wolle man dieses Material veröffentlichen, hieß es in einer "Presseaussendung".

Countdown

Doch die eigens für diesen Zweck eingerichtete Countdownseite verstrich um 24:00 ohne dass sich etwas tat, statt dessen übte sich der Twitter-Account von AnonAustria in technisch wenig Sinn ergebenden Ausreden, ein DDOS-Angriff von Regierungsseite habe die eigenen Release-Server lahmgelegt, man arbeite an der Behebung des Problems. Einige Stunden später folgte dann das, was folgen musste: Das wie üblich bei Pastebin gepostete Eingeständnis, dass es sich bei der gesamten #oppitdog nur um einen Fake gehandelt habe, der angekündigte "Leak" also frei erfunden ist.

Öffentlichkeit

Als simplen Aprilscherz will man das Ganze freilich nicht verstanden wissen, viel mehr sei das Ziel gewesen, mit der Ankündigung möglichst große Öffentlichkeit für die Vorratsdatenspeicherung und die damit einhergehende, massive Beschneidung von BürgerInnenrechten zu schaffen. Insofern hoffe man auch, dass die Aktion gerade für Politikerinnen und Politiker eine Lehre sei, wie es sich anfühle, wenn man Angst davor haben müsse, dass Dritte Daten über einen besitzen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien.

Diskussionen

In der kurzen Stellungnahme verweist man zudem auf interne Meinungsverschiedenheiten bei Anonymous Austria, es habe von Anfang an Stimmen gegeben, die gegen diese Aktion aufgetreten seien, und schlussendlich das Schauspiel auch aufgelöst hätten. Ob diese Behauptung der Wahrheit entspricht, oder ob man damit nur den eigenen Glaubwürdigkeitsschaden durch einen nicht ganz geglückt aufgelösten Aprilscherz minimieren will, sei dahingestellt. 

Hereingelegt

Allerdings muss sich auch die österreichische Presselandschaft - und damit natürlich dieses Medium hier eingeschlossen - die Frage gefallen lassen, warum sich niemand den Codenamen der angekündigten Aktion genauer angesehen hat. Immerhin lässt sich "Pitdog" als "Grubenhund" übersetzen - und das ist nichts weniger als eine spezielle Form der Zeitungsente. (apo, derstandard.at, 01.04.12)

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    grafik: anonymous austria
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