Weiteres Indiz für Freitod Möllemanns

17. Juni 2003, 12:40
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Hinweis auf Selbstmordabsicht - Öffnungsautomatik hätte Reserveschirm auslösen sollen - Staatsanwaltschaft: Ermittlungen weiter offen

Essen - Die Hinweise für einen Freitod des ehemaligen FDP-Spitzenpolitikers Jürgen Möllemann verdichten sich weiter. Laut Obduktionsbefund tötete sich der 57-Jährige bei seinem Fallschirm-Absprung mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst. Wie die Staatsanwaltschaft Essen heute, Dienstag, bestätigte, war Möllemann den Verletzungen nach zu urteilen bis zum Aufschlag am Boden bei Bewusstsein und absichtlich in der stabilen "Freifaller-Position". Dennoch gibt sich die Staatsanwaltschaft offiziell weiter sehr zurückhaltend bei der Beurteilung der Todesumstände Möllemanns.

Die Ermittlungen dauerten weiter an, sagte der Essener Oberstaatsanwalt Wolfgang Reinicke. Der Obduktionsbericht, der bereits länger vorliege, lasse keine Rückschlüsse auf die Umstände des Todes zu. Auch ein Sachverständiger, ein Fachmann der Spezialeinheit GSG 9, habe noch keine neuen Ergebnisse seiner Untersuchung des Fallschirms Möllemanns vorlegt.

Gerichtsmediziner schließen Fremdverschulden aus

Ein Fremdverschulden hatten die Gerichtsmediziner bereits ausgeschlossen. Auch Hinweise auf technisches Versagen fanden sich nicht. Der "Tagesspiegel" meldete unter Berufung auf Gutachter, Möllemann habe das automatische Rettungssystem nicht aktiviert.

Der Politiker war am 5. Juni bei einem Fallschirm-Absprung umgekommen. Zunächst hatte sich sein Schirm normal geöffnet. Gegen Möllemann liefen Ermittlungen wegen Steuer-Hinterziehung und Verstoß gegen das Parteiengesetz. Unmittelbar vor seinem Todessturz hatte die Staatsanwaltschaft eine Großrazzia gegen ihn gestartet.(APA/dpa/Reuters)

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