Männersache

16. Juni 2003, 18:17
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Am runden Tisch saßen sechs Herren, keiner unter 54 Jahren - von Lisa Nimmervoll

Lasst mal, Mädels, wir regeln das schon für euch, lautete wohl ein Motto der schwarz-blauen Regierungsmannschaft bei der Pensionsreform. Die Hauptakteure waren fast ausschließlich - bis auf die Familienministerin und die Sozialstaatssekretärin - Männer. Mittelalte, mit Verlaub. Dementsprechend sieht das Machwerk auch aus. Für unter 35-Jährige heißt es, bitte warten und keine zu großen Hoffnungen machen. Auf eigenständige Frauenpensionen muss weiter gepocht werden. Dienst an der Waffe ist der entscheidungsmächtigen Männerrunde noch immer mehr wert als Dienst am Wickeltisch.

Am runden Tisch saßen sechs Herren (auch die Sozialpartner sind rein männlich vertreten), keiner unter 54 Jahren. Auch "der Experte" ist nach schwarz-blauer Meinung noch immer eine männliche Spezies, oft verbeamtet - und im gesetzten Alter. Das zeitigt mitunter seltsam anmutende Meinungen mit geschlechtsspezifischen Schieflagen. So wähnt der Vorsitzende der Pensionsreformkommission, Theodor Tomandl, Frauen vom Sozialversicherungssystem "bevorzugt": Sie leben ja länger als Männer. Konsumieren also die Pension länger. Die ist aber im Durchschnitt 45 Prozent niedriger als die Männerpension.

Pensionsexperte Wolfgang Mazal wiederum fragt zum Thema Frauenpension: "Wer soll das zahlen?" Wirtschaft, Länder oder - horribile dictu - "die Partner"? Gegenfrage als Test: Hat schon jemand einen Experten fragen gehört: "Wer soll die hohen Beamtenpensionen zahlen?" Oder die Politikerpensionen? Nein. Und das ist kein Zufall. Es hat mit Bewusstsein und dem Wissen über unterschiedliche Betroffenheiten zu tun. Geschlechtsspezifische Betroffenheiten, die Expertinnen wohl eher erkannt und als wichtig befunden hätten. Bloß, sie wurden nicht gefragt. Geben tut es genügend. Mann muss sie nur finden wollen. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.6.2003)

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