"Gute gehen, Wissenslücken bleiben"

20. Juni 2003, 09:00
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Viel zu viel werde in Unternehmen derzeit gekündigt, statt auf die Weiterentwicklung des bestehenden Personals zu setzen, konstatiert ISG-Gründer Guido Leissinger, dessen Personalberatung auf Trainings à la carte setzt

"Unternehmen werden immer kritischer bei der Auswahl von Weiterbildungsmaßnahmen. Sie fordern zielorientierte Trainings und setzen auch bereits Bildungscontrolling ein", konstatiert Guido Leissinger.

"Die vermittelten Inhalte müssen in der täglichen Unternehmenspraxis umgesetzt werden. Oberste Prämisse unserer Trainings ist daher der Transfer des Gelernten in den Unternehmenskontext", so der Gründer der Personalberatung ISG zum auf den von der notwendigen Bemühung um Effizienz geprägten Trend. Die Teilnehmer der Trainings würden bereits in die Konzeptionsphase einbezogen, in Workshops und Kick-off-Meetings würden die Erwartungen und Wünsche der Teilnehmer erfragt und anschließend mit der Unternehmensleitung abgestimmt. Am Ende jeden Trainings stünde ein Aktionsplan, in dem festgelegt wird, wer was wann wie macht.

Ein Spiegel für den Manager

ISG-Personal-Entwicklungsexpertin Doris Brunner versteht die Aufgabe der Trainer und -coaches als Vermittlerrolle zwischen Geschäftsführern und Mitarbeitern. Individuelle Führungsstile werden optimiert, indem den Managern ein symbolischer Spiegel vorgehalten werde. Etwa mittels des Johari-Fensters, einer Methode, die regelmäßig zu wertvollen Ahaerlebnissen führe.

"Oft sind es nicht Kommunikations-, sondern Strukturprobleme, die Organisationen bremsen", analysiert die Betriebswirtin. Als die drei größten Performancekiller ortet Brunner bei internationalen Organisationen eine aufgesetzte Kultur, die lokale Märkte zu wenig berücksichtige, auf nationaler Ebene über- nähmen Führungskräfte der 2. und 3. Ebene zu wenig Verantwortung, und drittens werde zu viel Energie ins Tagesgeschäft gelegt, worunter strategische Entscheidungen litten.

Auch das Hire-&-Fire-Denken sei nur kurzfristig gewinnorientiert, führe zu ungewollten Fluktuationen, die keinem Unternehmen gut täten. "Die Guten gehen, die Wissenslücken bleiben", resümiert Leissinger und attestiert: "Es wird viel zu oft und unnötig gekündigt. Es wäre sinnvoller, Leute zu verändern, als durch neue zu ersetzen."

Keine Jobnomaden

"Arbeitskräfte in den USA sind viel flexibler. In Österreich sehe ich den Jobnomaden nicht kommen. Die Leute hier sind individuelle Kollektivisten, suchen Heimaten, Umgebungen, in denen sie sich wohl fühlen. Und für diese Vorteile sind sie bereit zu kämpfen", so Brunner.

Ein angesichts des angespannten Arbeitsmarktes paradox anmutendes Phänomen hat Leissinger im Recruiting beobachtet: "Es ist heute viel schwieriger, hoch qualifizierte Personen aus ihren Sesseln zu bewegen, als noch vor drei Jahren."

Die ISG, zu deren Dienstleistungspalette neben der Personalsuche und -auswahl auch Personalentwicklung, Training und Outplacement zählen, startete 1999 mit drei Mitarbeitern. Vier Jahre später ist das Beratungsunternehmen als Komplettanbieter in Personalfragen in Österreich mit 21 Beratern beziehungsweise Trainern und vier Verwaltungskräften in Wien, Salzburg, St. Pölten und Wr. Neustadt, sowie in Tschechien, Slowakei, Slowenien und Rumänien präsent. (DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.6.2003, zug)

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ISG

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    Sind Gute gegangen (worden), entsteht oftmals ein Kompetenzvakuum im Unternehmen, das der Wettbewerbsfähigkeit nicht gerade förderlich ist

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