Kuba übernimmt Kontrolle über spanisches Kulturzentrum in Havanna

16. Juni 2003, 16:22
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Fidel Castro hat Aznar im Visier - Kontroverse mit EU wegen Dissidenten-Abstrafung

Madrid/Havanna - Kuba hat die Entscheidung von Staatschef Fidel Castro bekräftigt, das spanische Kulturzentrum in Havanna kubanischer Kontrolle zu unterstellen. Die Regierung in Havanna habe das Abkommen von 1995 mit Spanien über die Einrichtung des Zentrums aufgekündigt, erläuterte die kubanische Botschafterin Isabel Allende am Montag in Madrid. Sie warf den Spaniern indirekt vor, das Zentrum für Aktivitäten der verbotenen Dissidentengruppen zur Verfügung gestellt zu haben.

Die Einrichtung sei zu Zwecken benutzt worden, die nicht durch das Übereinkommen gedeckt gewesen seien. Außerdem sei in Spanien kein kubanisches Kulturzentrum eröffnet worden, wie dies in dem Vertrag in Aussicht gestellt worden sei, so die Diplomatin. Das spanische Zentrum in Havanna werde künftig unter kubanischer Leitung die spanische Kultur auf der Karibik-Insel verbreiten und nach dem 1936 ermordeten Dichter Federico García Lorca benannt werden.

Treibende Kraft

Kuba sieht in der spanischen Regierung neben Italien die treibende Kraft hinter den jüngst von der Europäischen Union beschlossenen diplomatischen Sanktionen gegen die Karibik-insel. Am vergangenen Donnerstag waren Hunderttausende von Demonstranten vor der spanischen Botschaft in Havanna aufmarschiert. Auf Plakaten wurde Ministerpräsident José María Aznar mit Hakenkreuzen dargestellt, nachdem ihn Castro - in Anspielung auf Adolf Hitler - als "Fuehrercito" (Führerchen) tituliert hatte.

Die EU hatte am 5. Juni beschlossen, die politischen Besuche in Kuba und den kulturellen Austausch mit der Insel stark einzuschränken. Sie reagierte damit auf die seit Jahrzehnten heftigste Repressionswelle gegen kubanische Dissidenten. Im April waren 75 Regimekritiker zu Freiheitsstrafen von im Durchschnitt 20 Jahren verurteilt worden. Sie wurden in weit von ihren Heimatorten entfernte Gefängnisse gebracht und dürfen dort von ihren Angehörigen nur selten besucht werden. Außerdem waren im April drei Männer, die versucht hatten, eine Passagierfähre in die USA zu entführen, im Schnellverfahren zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet worden. (APA/dpa)

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