Sesselrücken bei Palmers

18. Juni 2003, 15:33
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Ära Humer endet: Der Langzeit-Regent im Grünen Reich legt im Schatten eines Streits unter Familienaktionären die letzte Funktion zurück

Wien - Mit einem Reigen von Hauptversammlungen wird in der Wäsche- und Immobilienkette Palmers die Ära Humer beendet. Mit seinem Ausscheiden aus dem Vorstandsvorsitz der "P" Beteiligungs AG, hat der langjährige Chef und Miteigentümer Rudolf Humer (59) am Mittwoch seine letzte operative Funktion im Konzern zurückgelegt. Auch sein Vorstandskollege und Wegbegleiter Leopold Bednar schied aus dem Gremium aus. Neu einziehen werden der Neo-Vorstand in der Palmers AG Martin Neidthart sowie Palmers Textil-Finanzvorstand Walter Wölfler. Im Vorstand verblieben ist hingegen die langjährige Palmers-Managerin Monika Freiberger.

Veritabler Streit

Die heutigen Beschlüsse sind Folge eines veritablen Streits, der Ende 2002 unter den Familienaktionären über die künftige Konzernführung ausgebrochen ist. Es ging ursprünglich darum, Humer durch die langjährige Managerin Astrid Gilhofer abzulösen. Nach einem wochenlangen Nervenkrieg schied Gilhofer aus dem Konzern aus, aber auch Humer gab sukzessive alle Funktionen ab.

Nachdem sich der Streit offenbar auch dadurch nicht beilegen ließ, soll nun Familiensilber aufgeteilt werden. Die traditionell eher medienscheue Familie lässt sich über ihre konkreten Pläne noch nicht viel entlocken. In Medienberichten hieß es bisher, Humer sollte gemeinsam mit Michael Alexander Palmers die zum Konzern gehörende City-Immobiliengesellschaft Gerngross Kaufhaus AG sowie Don Gil erhalten.

CMP vor Rückzug?

Christian Michael Palmers, der im Hintergrund einer der Befürworter der Humer-Ablöse gewesen sein soll, sollte sich nach früheren Zeitungsspekulationen mit Teilen des restlichen Palmers-Immobilien-Imperiums zurückziehen und seine Schwester Elisabeth Wilhelm das Kerngeschäft, die Palmers Textil AG, bekommen.

Die Bewertung des Palmers-Imperiums soll zwar mittlerweile abgeschlossen sein, allerdings sind einige Werte strittig. Deshalb könnte sich die "Gütertrennung" im Hause Palmers noch einige Zeit ziehen.

Sonderprüfung abgeblockt

Die vom scheidenden Palmers-Boss Rudolf Humer beantragte - nicht näher definierte - Sonderprüfung wurde in der heutigen Hauptversammlung der "P" Beteiligungs AG mehrheitlich abgelehnt. Nach Medienberichten wollte Humer damit Vorwürfe entkräften, er habe bei Immobiliengeschäften zu seinem Vorteil agiert. Spekulationen gingen im Vorfeld davon aus, dass Humer im Falle einer Ablehnung versuchen wird, die Sonderprüfung auf dem Weg über die Gerichte durchzusetzen.

Neben der Umbesetzung im Vorstand ist es heute auch zu einem Wechsel im insgesamt sechsköpfigen Aufsichtsrat der Steuerungsholding gekommen: Der Schweizer Steuerberater und langjährige Konsulent der Familie Palmers, Emil Flückiger wurde durch den A.T Kearney-Österreich Geschäftsführer Robert Kremlicka abgelöst. Flückigers Aufsichtsratmandat sei plangemäß ausgelaufen, teilte das Unternehmen im Anschluss an die HV mit. Kremlicka ist am vergangenen Montag auch in den Aufsichtsrat der zum Konzern gehörenden Gerngross Kaufhaus AG bestellt worden.

Mandat zurückgelegt

Rudolf Humer habe vereinbarungsgemäß sein Mandat als Vorstandsvorsitzender zurückgelegt, hieß es weiter. Leopold Bednar scheide auf eigenen Wunsch aus und werde dem Unternehmen künftig als Konsulent zur Verfügung stehen.

Die "P" Beteiligungs AG soll laut Unternehmensangaben künftig "vorwiegend als Finanzholding innerhalb der Palmers Unternehmensgruppe" fungieren, daher sei "aus Gründen der Effizienzsteigerung" mit Walter Wölfler und Martin Neidthart je ein Vertreter aus den beiden Geschäftsfelder der Gruppe, Textilhandel und Immobilien, in den Vorstand berufen worden.

Investitionsprogramm abgesegnet

Die Hauptversammlung brachte wenig Überraschendes: Das auf die kommenden drei Jahre angelegte Investitionsprogramm des Vorstands in Höhe von 25 Mio. Euro wurde abgesegnet. Damit soll das Wäschegeschäft wieder auf Vordermann gebracht werden.

Damit sei sicher gestellt, "dass nach dem schwierigen Geschäftsjahr 2002/2003 die Neustrukturierung der größten österreichischen Textilhandelskette plangemäß von statten gehen kann", so Vorstandssprecher Walter Wölfler in einer Stellungnahme des Unternehmens.

Das abgelaufene Geschäftsjahr 2002/03 (per Ende Jänner) sei durch die Fusion mit der Gazelle AG geprägt gewesen, aber auch durch die flaue Einzelhandelskonjunktur. Der Nettoumsatz stieg - ausschließlich durch die Hineinfusion der Gazelle per 1. April 2002 - um 14 Prozent auf 159 Mio. Euro. Der Umsatz in den Palmers- und p2-Standorten sei hingegen um 4,5 Prozent zurück gegangen. Dies sei "angesichts der generell eher schlechten Umsatzentwicklung im Einzelhandel" ein "respektables Ergebnis", so Wölfler.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) der Palmers Textil AG 2002/2003 rutschte durch "diverse Einmaleffekte aus Restrukturierungen sowie durch eine vorgenommene Kapitalstärkung für die deutsche Tochtergesellschaft" mit -3 Mio. Euro in Minus. Beim Betriebsergebnis sei hingegen mit 7 Mio. Euro "ein positiver Abschluss" verzeichnet worden.(APA)

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Palmers

  • Palmers-Aufteilung: Alles eine Frage der Zeit.
    montage. derstandard.at

    Palmers-Aufteilung: Alles eine Frage der Zeit.

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    Palmers-Chef Rudolf Humer scheidet im Schatten eines veritablen Streits.

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