Flughafen Wien will mit Gebührensenkung Reiselust ankurbeln

16. Juni 2003, 18:36
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Airlines sollen wegen Sars eingestellte Strecken bald wieder bedienen - Wachstumsträger Billigflieger

Wien - Der börsenotierte Flughafen Wien will schwächere Nachfrage und rückläufige Passagierzahlen mit Gebührensenkungen kompensieren: Bis Ende Oktober werden die Landegebühren für Langstreckenflüge um 60 Prozent abgesenkt, zusätzlich wird der Tarif je Transferpassagier von bisher rund 4 auf rund 2 Euro halbiert. "Damit wollen wir die Erholung der Luftfahrt beschleunigen", erklärte Flughafen-Vorstandssprecher Herbert Kaufmann am Montag in Wien.

Beide Maßnahmen zusammen dürften insgesamt rund 2,6 Mio. Euro ausmachen, schätzt Kaufmann. Der Flughafen will damit einen Anreiz an die Fluggesellschaften geben, ihre - hauptsächlich wegen der Lungenkrankheit Sars - eingestellten Flüge rasch wieder aufzunehmen. So hat die Eva Air Flüge nach Bangkok und Taipeh eingestellt, die Austrian Airlines fliegen vorübergehend nicht mehr nach Peking. Seit Ende des Irak-Kriegs sei es wegen der angespannten Situation im Nahen Osten zu keiner spürbaren Verbesserung gekommen, sagte Kaufmann.

123 Millionen Euro aus Tarifen

In Summe nimmt der Wiener Flughafen jährlich 123 Mio. Euro aus Tarifen ein. Insgesamt verzichtet der Vienna Airport durch Anreiz-Programme auf Einnahmen rund 30 Mio. Euro jährlich. So gibt es etwa für die Aufnahme einer neuen Destination in Osteuropa im ersten Jahr eine Ermäßigung des Landetarifs um bis zu 80 Prozent, die dann schrittweise reduziert wird. Die Flughafentarife machen zwischen 4 und 5 Prozent der Gesamtkosten einer Fluggesellschaft aus, schätzt Kaufmann.

Transferpassagiere tragen rund 35 Prozent zum gesamten Fluggastaufkommen am Vienna Airport bei, auf Langstreckenpassagiere entfallen 13 Prozent. Im April und Mai gingen die Passagierzahlen vor allem wegen Sars nach Fernost um ein Drittel zurück. Deutlich rückläufig ist auch der Verkehr auf Transatlantikstrecken.

Flughafen Wien mit weniger Passagieren

Der Flughafen Wien hat in Folge von Irak-Krieg, der Lungenkrankheit Sars und der anhaltenden Konjunkturschwäche zuletzt weniger Passagiere abgefertigt als vor einem Jahr: Im Monat Mai lag das Passagieraufkommen um 1,1 Prozent hinter jenem des Vorjahresmonats. Zum Vergleich: Die Austrian Airlines-Gruppe verzeichnete im Mai einen Passagiereinbruch um 13,1 Prozent, davon allein 9,4 Prozent auf der Linie.

Die unterschiedliche Entwicklung erklärt sich aus starken Zuwächsen bei den nach Wien drängenden Billigfluggesellschaften wie Air Berlin oder Germanwings, die in den ersten fünf Monaten 120.000 bzw. 95.000 Fluggäste nach Wien beförderten. Jetzt hat auch der deutsche Germania Express Wien ins Programm genommen. Ohne Billigflieger gäbe es bereits einen Passagierrückgang. Gespräche gibt es laut Kaufmann auch mit anderen Billig-Airlines wie Ryanair oder easyJet. Der Wiener Flughafen werde diesen Anbietern allerdings keine Sonderkonditionen einräumen: "Wir wollen einen fairen Wettbewerb", bekräftigte Kaufmann. Die so genannten "no frills"-Anbieter versuchen in der Regel günstigere Konditionen herauszuverhandeln, um ihre Kostenstruktur niedrig halten zu können.

Kumuliert haben in den ersten fünf Monaten 2003 um 3,3 Prozent mehr Passagiere den Wiener Flughafen frequentiert als vor einem Jahr. Der Vergleichszeitraum war in Folge der Anschläge vom 11. September 2001 noch immer vergleichsweise schwach. Bei den Transferpassagieren fiel das Plus mit 2,3 Prozent schwächer aus als im Vorjahr.(APA)

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