Tschetschenien: Oberkommando soll auf Polizei übergehen

16. Juni 2003, 14:04
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Russische Polizei soll zukünftig Tschetschenien-Einsatz führen - Moskau schätzt Zahl aktiver Rebellen auf 700

Moskau - Ungeachtet andauernder Konflikte in Tschetschenien soll das Oberkommando der russischen Truppen vom Geheimdienst auf die Polizei übergehen. "Es wurde beschlossen, vom Anti-Terror-Kampf zur Sicherung von Recht und Ordnung durch die Polizei überzugehen", teilte die russische Militärführung am Montag in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny mit.

Vor zwei Jahren hatte Präsident Wladimir Putin dem Inlandsgeheimdienst FSB das Oberkommando über den Feldzug in Tschetschenien übertragen. Der neue Wechsel werde im Juli eingeleitet und im September vollzogen, kündigte Generalleutnant Jewgeni Abraschin an.

Keine Entspannung

Seit der Anfang Juni in Kraft getretenen Amnestie für Rebellen in Tschetschenen hätten sich bisher etwa 60 Freischärler ergeben, teilte das Militär mit. Zu einer Entspannung des blutigen Konfliktes habe dies nicht geführt. Allein in der Vorwoche hätten Rebellen 19 russische Fahrzeuge, darunter auch gepanzerte Armeetransporter, bei Anschlägen gesprengt. Über die Zahl der Toten wurden keine Angaben gemacht.

Nach russischen Angaben kämpfen derzeit noch 700 Freischärler in Tschetschenien. Ihnen steht ein Heer aus Soldaten, Polizisten und Geheimdienstkräften mit einer Stärke von etwa 80.000 Mann gegenüber. Im Durchschnitt sterben nach Moskauer Statistiken pro Tag drei russische Uniformierte in dem Konfliktgebiet. Auf Anordnung Putins hatte die tschetschenische Bevölkerung im März einer neuen Verfassung zugestimmt, die nach dem Willen Moskaus eine politische Lösung des Konfliktes beschleunigen soll.(APA/dpa)

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    Die russischen Sicherheitskräfte sollen in Zukunft in Tschetschenien für die Sicherheit allein verantwortlich sein.

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