Drei Modellkliniken für Psychosomatik werden eröffnet

18. Juni 2003, 14:24
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Pilotprojekt dauert bis 2008

Wien - Psychosomatische Erkrankungen sind immer mehr am Steigen. In Österreich sind etwa zehn Prozent von diesem Problem betroffen. Das Erkennen und Behandeln ist aber laut dem Grazer Internisten Univ. Prof. Dr. Karl Harnoncourt in der modernen Medizin nicht ausreichend verankert. Jetzt werden drei Modellkliniken in Österreich eröffnet, die sich speziell der Psychosomatik widmen wollen.

Die drei Krankenhäuser befinden sich in Eggenburg in Niederösterreich, in Bad Aussee in der Steiermark und in Spittal in Kärnten. Insgesamt werden 350 Betten angeboten, 3.600 Patienten können laut Schätzung pro Jahr wegen psychosomatische Erkrankungen behandelt werden. Das Pilotprojekt soll bis 2008 laufen.

Klare Trennung von der Psychiatrie

Bei der Behandlung dieser Patienten soll es jedoch eine klare Trennung von der Psychiatrie geben. Indikationen sind etwa neurotische Störungen, Belastungs- und Erschöpfungszustände, Ess- oder Persönlichkeitsstörungen.

Den Versorgungsauftrag nehmen Universitätskliniken wie das Wiener AKH und spezialisierte Kliniken sowie Departments wie das Krankenhaus Baden oder Schwerpunktstationen wie das Landeskrankenhaus Klagenfurt wahr. Insgesamt will man damit auf 700 Betten kommen. Nach dem Projekt werde man sehen, ob die 700 Betten das Problem der Versorgung lösen, erklärte Harnoncourt.

"Revolutionen im Gesundheitswesen"

Die Investitionskosten betragen 33,8 Millionen Euro. Die jährliche Leistungsfinanzierung beläuft sich auf 13,8 Millionen Euro. In den ersten Jahren wird der Hauptverband der Sozialversicherungsträger zur Realisierung 34,5 Millionen Euro beitragen. Ab 2008 erfolgt die Übernahme in die leistungsorientierte Krankenhausfinanzierung (LKF).

Bisher habe es bei psychosomatische Störungen eine zu geringere Kapazität bei der Behandlung gegeben, sagte Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V). "Deshalb sind viele Patienten nach Deutschland gefahren." Diese Modellkliniken seien eine Revolution im Gesundheitswesen, meinte Harnoncourt. "Es muss uns bewusst werden, wie Leib und Seele miteinander zusammenhängen." Psychosomatik müsse von der Bevölkerung definiert und verstanden werden, sagte der Internist. (APA)

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