Chirurgen-Kongress in Bregenz

16. Juni 2003, 13:25
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Wien - High-Tech-Implantate, körpereigener Gewebsersatz, "Roboter mit Skalpell" und minimal-invasive Operationen - die Innovationen in der Chirurgie kommen in immer schnellerem Takt. Deshalb haben die österreichischen Chirurgen ihren Jahreskongress (19. bis 21. Juni in Bregenz) unter das Motto "Neue Techniken - Alte Qualitäten" gestellt.

"Wir haben ein hohes High-Tech-Interesse. Neue Techniken müssen aber die alten Standards erfüllen. Was wir tun, ist vor allem, Ersatz (für verloren gegangene Organfunktionen, Anm.) zu schaffen", erklärte der Vorarlberger Präsident der Fachgesellschaft, Univ.-Prof. Dr. Gerhard Szinicz.

Besonders entwickelt hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten die Implantattechnik. Einen wesentlichen Anteil haben daran österreichische Ärzte gehabt. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Schiessel, Leiter der chirurgischen Abteilung am SMZ-Ost in Wien: "1927 hat es Lorenz Böhler erstmals gewagt, einen gebrochenen Oberschenkelhals mit einem Nagel zu versorgen. Ein Schenkelhalsbruch war zuvor oft ein Todesurteil. Der Wiener Orthopäde Karl Zweymüller hat die Titanprothese für das Hüftgelenk entwickelt. Univ.-Prof. Dr. Rainer Kotz (Orthopädie/AKH-Wien) hat es gewagt, einen ganzen Oberschenkel und das Knie zu ersetzen. Dadurch konnte eine Amputation wegen Krebs vermieden werden. 1974 gab es in Wien bereits das erste Kunstherz mit dem Kalb Esmeralda (Navratil, Beteiligung: Ernst Wolner). 1976 wurde die erste Innenohr-Prothese (Burian-Hochmaier, Anm.) implantiert." Was in der nächsten Zukunft kommen wird: Verbesserte Methoden mit Gewebeimplantaten, die im Labor gezüchtet werden, bessere künstliche Schulter- und Sprunggelenke. Diskutiert wird derzeit noch der Wert der Roboterchirurgie.

In Bregenz in die österreichische Chirurgengesellschaft aufgenommen werden soll als weitere Teilorganisation die "Gesellschaft für Implantologie und Gewebeintegrierte Prothetik" (GIPIP), deren federführender Proponent der Wiener Kieferchirurg Univ.-Prof. DDr. Kurt Vinzenz ist. Vinzenz hat in den vergangenen Jahren mehrere Studien über den körpereigenen Ersatz von Knochen für den Mund- und Kieferbereich mit "Vorfertigung" der entsprechenden Teile im Körper des Patienten publiziert. (APA)

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