Osteoporose braucht rasche Behandlung

16. Juni 2003, 13:28
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Frauen ab 65 gehören zur größten Risikogruppe - Oberschenkelhalsbrücke belasten Gesundheitswesen

Wien - 750.000 Betroffene in Österreich, und nur zehn Prozent davon laut Aussagen von ExpertInnen adäquat behandelt: Der krankhafte Knochenschwund (Osteoporose) lässt viele PatientInnen - speziell durch Oberschenkelhals- oder Wirbelbrüche - invalid werden.

Das Problem laut Univ.-Prof. Dr. Harald Dobnig, stellvertretender Leiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Nuklearmedizin der Medizinischen Universitätsklinik Graz bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien: "Eine Osteoporose kann völlig asymptomatisch sein, sie kann aber auch von ausgeprägten Schmerzsyndromen begleitet sein, zu einer Rückenrundbildung ("Witwenbuckel") führen und mit einer oft beträchtlichen Körpergrößenabnahme verbunden sein."

Risikogruppe 65 aufwärts

Besonders betroffen sind Frauen nach der Menopause. Im Alter von 65 Jahren leiden 18 Prozent der Frauen an Osteoporose, in der Altersgruppe "80plus" gar schon 35 Prozent. Eine Knochenfraktur - Wirbeleinbrüche, Hüftgelenksbruch oder Unterarmfrakturen - sind dann oft die ersten, aber schon sehr späten Symptome.

Im Fall des Falles ist jedenfalls eine schnelle Behandlung erforderlich. 20 Prozent der Frauen, die eine Wirbelkörperfraktur erleiden, haben im selben Jahr auch noch eine zweite. Trotzdem gibt es Zahlen aus wissenschaftlichen Studien, wonach nur zehn Prozent der Betroffenen eine wirksame Therapie erhalten: Vor allem so genannte Bisphosphonate, welche den Knochenabbau bremsen, Kalzium und Vitamin D sowie bestimmte Östrogen-Rezeptor-Modulatoren. Wegen potenzieller Nebenwirkungen derzeit eher "out" ist laut Dobnig die herkömmliche Östrogen-Gestagen-Hormonsubstitution.

Vererbbar

An der Osteoporose "schuld" ist zumeist die individuelle Erbanlage, welch die Stärke des Knochens bestimmt. "80 Prozent unserer Knochenmasse sind genetisch determiniert. Frauen, die eine geringere maximale Knochendichte haben, tauchen früher in den Bereich der Osteoporose ein", sagte Univ.-Prof. Dobnig. Daneben gibt es auch chronische Erkrankungen mit einem hohen Knochenumsatz, welche zum Knochenschwund führen können. Schließlich schädigen manche Medikamente (Cortison) den Knochen.

Ein sehr schnell wirkendes Bisphosphonat zur Hemmung des Knochenabbaus ist offenbar der vom Pharmakonzern Aventis vor einigen Jahren entwickelte Wirkstoff Risedronat ("Actonel"). Die Einnahme von fünf Milligramm pro Tag brachte einen positiven Effekt schon nach sechs Monaten. Nach zwölf Monaten zeigten behandelte Frauen ein um 69 Prozent verringertes Wirbelkörperfraktur-Risiko. Bei Schenkelhals-, Handgelenks-, Becken- und Beinbrüchen wurde eine Verringerung der Gefährdung um 74 Prozent registriert.

Jetzt ist offenbar die tägliche Einnahme des Medikaments nicht mehr notwendig. Einmal wöchentlich genügt das Schlucken einer Tablette mit 35 Milligramm des Wirkstoffes. Klinische Studien mit den Tabletten in höherer Dosierung zeigten in etwa den selben Effekt wie die alte Formulierung.

Erhebliche Kosten für das Gesundheitswesen

Wie wichtig eine wirksame Therapie für möglichst viele Betroffene wäre, beweisen laut dem Grazer ExpertInnen folgende Zahlen: "In Österreich gibt es pro Jahr 10.000 Oberschenkelhalsbrüche bei Frauen und 6.000 bei Männern. Ein Prozent der Spitalbetten sind kontinuierlich durch diese Patienten belegt. Das kostet pro Jahr rund 175 Mio. Euro. Die Zahlen werden sich bis zum Jahr 2050 verdoppeln." (APA)

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