Pressestimmen: "Spuren in Washington hinterlassen"

16. Juni 2003, 13:09
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Deutsche Pressestimmen zum Druck der USA auf Israel

Frankfurt/München - Mit dem Druck der USA auf Israels Regierung befassen sich am Montag mehrere deutsche Zeitungen.

"Frankfurter Rundschau":

"Hinter den wechselseitigen Kriegserklärungen palästinensischer und israelischer Hardliner verändern sich die Parameter des Nahost-Konflikts. Seit Akaba ist George W. Bushs politische Zukunft eng mit dem Schicksal von Mahmud Abbas und Ariel Sharon verknüpft. Jeder Gewaltakt hinterlässt jetzt auch in Washington Spuren. Die Hasardeure im Gaza-Streifen und in Jerusalem mögen auf ihrer Fahrt in den persönlichen oder politischen Suizid die 'Straßenkarte für den Frieden' weiter missachten. Doch bei allem Pessimismus, den ihre Rücksichtslosigkeit nährt, ist eines neu: die Extremisten beider Seiten operieren nicht mehr in der Isolation ihrer Unversöhnlichkeit, sondern im internationalen Raum. (...) Nach dem Irak-Krieg und mitten im Kampf gegen den Terror lassen sich die negativen Auswirkungen dieses Ringens zweier Völker um ein Land auf die Politik der Weltmacht weder leugnen noch verhindern. Eine schleichende Internationalisierung des Nahost-Problems findet statt."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung":

"Die israelischen Tötungen islamistischer Terroristen und unbescholtener Zivilisten in Gaza bringen den vermeintlich Verschütteten (Yasser Arafat) ins Rampenlicht zurück. Der PLO-Chef setzte jetzt - unter von Washington verstärktem Druck Kairos - die Bereitschaft zur Übernahme der Verantwortung in Teilen des Gaza-Streifens durch und will damit die Kontrolle über die Hamas übernehmen. Israel scheint darauf einzugehen. Ist Arafat nun in Sharons Augen nicht mehr 'irrelevant'? (...) Was Mahmud Abbas selbst nie verleugnete, kann nun jedermann sehen: Abbas genießt anders als Arafat das Vertrauen der Welt - aber er kann nicht gegen Arafat regieren. Präsident Bush wollte Arafat nie als Partner. Er setzte aber der Verfolgung Arafats durch Israel Grenzen."

"Süddeutsche Zeitung":

"Es ist fraglich, ob der palästinensische Ministerpräsident Abbas über die Macht und den Mut verfügt, die palästinensischen Terrormilizen zu eliminieren. Anstatt Abbas eine Chance zu geben und ihm behilflich zu sein beim Wiederaufbau des palästinensischen Sicherheitsapparats, ohne den er die Terrorgruppen nicht auflösen kann, lässt Israels Regierung deren Mitglieder bombardieren und liquidieren. Doch mit jedem Schlag melden sich neue potenzielle Terroristen, die an die Stelle der Getöteten oder Verwundeten treten wollen. Israel betreibt so eine Selbstzerstörung. Mit Bomben allein kann Ministerpräsident Sharon den Kampf gegen den Terror nicht gewinnen, ohnehin hat er Israel durch sie nicht sicherer gemacht. Nur enormem Druck der Amerikaner ist es zu verdanken, dass Sharon einem Teilrückzug der Armee aus Nord-Gaza zugestimmt und Sicherheitsgespräche zugelassen hat."

"Stuttgarter Zeitung":

"Israelis und Palästinenser bereiten unter massivem Druck der USA eine Übergabe von Teilen des Gaza-Streifens an die palästinensische Polizei vor. Israels Verteidigungsminister Mofaz sagte, beide Seiten würden sich in den nächsten Tagen treffen, um Einzelheiten zu besprechen. Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas, der neue US-Gesandte John Wolf und eine Gruppe ägyptischer Vermittler werden heute im Gaza-Streifen erwartet, wo Abbas und die Ägypter mit palästinensischen Hamas-Extremisten über eine Beendigung der Terroranschläge gegen Israel verhandeln wollen. Ungeachtet der intensiven Bemühungen um eine Beruhigung der Lage kündigte Israels Ministerpräsident Sharon an, die Armee werde auch weiterhin unmittelbar gegen militante Palästinenser vorgehen, wenn diese Anschläge planten. (...) Diese Woche könnte 'eine der schwierigsten' seit Beginn des Palästinenseraufstands werden." (APA/dpa)

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