Checkliste für gute Finanzberatung

27. Oktober 2003, 15:48
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Gerichte sind ständig mit missglückten Geldanlagen beschäftigt. Einige Stolpersteine lassen sich aber im Vorfeld aus dem Weg räumen. Dazu sollten Anleger vor einem Vertragsabschluss auch ihre Berater überprüfen.

Nicht nur der Produktdschungel, auch die Welt der verschiedenen Vertriebskanäle wird immer unübersichtlicher. Wer seine Geldanlageprodukte nicht via Internet (und den dort lauernden Gefahren) kauft oder einen langjährigen Berater seines Vertrauens in der Hausbank hat, ist auf die Dienstleistungen externer Berater angewiesen. Dabei sollten Anleger immer bedenken, dass auch die Seriösesten vom Verkauf der Geldanlage leben, also verdienen wollen.

Grundsätzlich müssen sie über eine Konzession der Finanzmarktaufsicht (FMA) verfügen, um überhaupt Finanzdienstleistungen erbringen zu dürfen. Über 300 Konzessionen sind vergeben, über 10.000 freie Mitarbeiter sind für diese Unternehmen unterwegs. Zuerst sollten Anleger diesen Ausweis prüfen. Er sagt zwar noch nichts über die Beratungsqualität aus, bescheinigt aber die Kenntnis der Sorgfaltspflichten und Wohlverhaltensregeln, die Berater gegenüber ihren Kunden haben. Auf der Website der FMA findet sich sowohl eine Liste der konzessionierten Unternehmen und ihrer freien Mitarbeiter als auch eine Liste der schwarzen Schafe: www.fma.gv.at

Misstrauen ein guter Ratgeber

Wie wichtig das ist, zeigt die Jahresstatistik 2002 der FMA: 251 Fälle wurden untersucht, bei denen der Verdacht bestand, es sei ohne Konzession beraten worden. Bei einigen Fällen kam es zu Geldstrafen, einige beschäftigen jetzt die Staatsanwaltschaft, weil Anleger bereits zu Schaden gekommen sind.

Da Misstrauen bei Anlagegeschäften von Anfang an ein guter Ratgeber ist, sollten Kunden wissen, wem sie gegenübersitzen: Makler haben besondere Sorgfaltspflichten gegenüber ihren Kunden, sind dem "best-advice"-Prinzip verpflichtet und sollten eine sehr große Palette an Produkten anbieten können. Mehrfachagenten verkaufen Anlageprodukte verschiedener Anbieter, sind auf diese aber vertraglich beschränkt. Einfachagenten arbeiten für einen Konzern und wollen nur dessen Produkte an die Anleger bringen. Schwierig wird es für Anleger beim so genannten Strukturvertrieb. Das ist oft eine nur kurz eingeschulte Verkaufstruppe, die ganz bestimmte Produkte absetzen soll. Da sie besonders von der Provision abhängen, könnte sein, dass auf "rechts unten", also die Unterschrift unter den Vertrag, verkauft wird und eine umfassende kritische Information fehlt. Entsprechendes Hinterfragen, nach Ausbildung, Erfahrung, Werdegang und Berufspraxis, kann dabei sehr wertvolle Einblicke geben.

Fachanwälte, Konsumentenschützer und Arbeiterkammern warnen immer wieder vor Anlagebetrug, die Liste "verdächtiger" Angebote enthält gleichlautend:

  • Berater rufen unaufgefordert an und versprechen hohe Renditen.
  • Berater machen Druck und verweisen immer wieder auf die einmalige Chance, die jetzt oder nie ergriffen werden sollte.
  • Produktvermittler können das Produkt nicht gut erklären, wischen Fragen und Einwände vom Tisch, stellen das Kleingedruckte im Vertrag als nicht wichtig dar.
  • Berater wollen Verfügungsberechtigung über das Anlagekonto des Kunden oder das Anlagekapital soll ins Ausland überwiesen werden.
  • Es wird nach Schwarzgeld gefragt. Das könnte die Spekulation beinhalten, dass die Anleger im Schadensfall nichts sagen, also erpressbar sind.
Sollte ein Vertragsabschluss spruchreif werden, dann empfiehlt sich, eine gute schriftliche Dokumentation des gesamten Beratungsvorganges anzulegen. Denn die meistens Gerichtswege scheitern an dieser mangelnden Dokumentation. Ein guter Berater sollte nicht nur sicherstellen, dass die Kunden die Vertragsinhalte tatsächlich verstanden haben, sondern auch Auskunft über mögliche Rücktrittsrechte und die Bedingungen von Rückabwicklungen beim Produktkauf geben. Grundsätzlich besteht in Österreich ein Provisionssystem, Berater dürfen unter bestimmten Bedingungen aber auch Honorare verlangen. Das muss mit den Kunden aber im Vorhinein vereinbart werden. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 12.06.2003)
  • Eine Portion Skepsis und keine falsche Bescheidenheit beim befragen des Finanzdienstleisters schützen auch vor unliebsamem Ausgang bei Geldanlagegeschäften.
    foto: photodisc

    Eine Portion Skepsis und keine falsche Bescheidenheit beim befragen des Finanzdienstleisters schützen auch vor unliebsamem Ausgang bei Geldanlagegeschäften.

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