Assekuranzen starten Fraueninitiativen

27. Oktober 2003, 15:48
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Die Versicherungsmathematik macht Frauen eine Vorsorge schwerer und teurer. Jetzt kommen immer mehr Produkte auf den Markt, die versuchen, den spezifischen Zwängen und Bedürfnissen von Müttern, Geschiedenen und Witwen gerecht zu werden.

Immer weniger Paare werden gemeinsam in Pension gehen und das Geld zusammenlegen. Die Zahl der Scheidungen steigt, und immer mehr Frauen werden ausschließlich von ihrer eigenen, wesentlich bescheideneren Pension leben müssen. Frauen haben bis dato aus den verschiedensten Gründen und Zwängen weniger Vorkehrungen zur Absicherung ihres Lebensstandards getroffen als Männer.

Überdies werden Frauen bisher auch vonseiten der Versicherungen anders behandelt. Frauen haben für den Versicherer ganz einfach zu viele "Nachteile". Sie leben länger als Männer, und Ausfälle an Beitragszahlungen, bedingt durch Schwangerschaften und Geburt, macht das Versichern von Frauen teurer. Was nicht weniger bedeutet, als dass Frauen, selbst wenn sie in gleicher Weise vorsorgen, mit anderen Bemessungsgrundlagen zu rechnen haben als Männer. Bei gleicher Beitragszahlung bekommen sie am Schluss weniger heraus. Einzig bei manchen Kfz-Versicherungen erwachsen aufgrund der statistischen Erkenntnis, dass Frauen wesentlich weniger Unfälle verursachen als Männer, dem weiblichen Geschlecht finanzielle Vorteile bei den Tarifen.

Unisex-Tarife

Ein Vorstoß zur Gleichbehandlung in Form von Unisex-Tarifen bei privaten Kranken-und Rentenversicherungen kam diesbezüglich bereits von EU-Sozialkommissarin Anna Diamantopoulo, die meint, dass es dem Gleichbehandlungsgrundsatz vehement widerspreche, wenn Frauen auch noch höhere Beiträge zahlen müssten, um die gleiche Rente wie Männer beziehen zu können. Ebenso bei privaten Krankenversicherungen erwachsen den Frauen aufgrund der Tatsache, dass es nun einmal an ihnen liegt, für Nachwuchs zu sorgen, und sie damit höhere Kosten verursachen, zum finanziellen Nachteil. Wie dieses Match ausgehen wird, gilt es jedoch noch abzuwarten.

Seit Herbst 2002 starten einige Versicherungen aber eine regelrechte Frauenoffensive und haben auch schon neue Produkte auf dem Markt, die speziell auf die Lebensplanung von Frauen und deren Bedürfnisse ausgerichtet sein sollen. Seit September 2002 bietet die Wiener Niederlassung der Hamburger Versicherung Aspecta ihr Produkt "Frauen Invest" an. "Wir stellen uns auf Sie ein - nicht umgekehrt." Angeboten wird eine fondsgebundene Lebensversicherung, mit der Möglichkeit einer Prämienpause bis zu zwei Jahren (maximal zweimal möglich) ab dem vierten Versicherungsjahr. Im Falle von Babypause und Karenz sogar bis zu drei Jahren.

Bei eventuell steigendem Versorgungsbedarf im Falle von Hochzeit, Geburt, Hausbau etc. gibt es eine Nachversicherungsoption. Frei nach dem Motto "Ihre Sorgen möchten wir haben" kümmert sich auch die Wiener Städtische seit Oktober des Vorjahres um die Sorgen von Frauen und nimmt nun auch das weibliche Klientel mit "Woman Plus - Die Pensionsvorsorge für die unabhängige Frau" verstärkt ins Visier. Hier hat frau die Wahl zwischen Rentenversicherung mit Veranlagung im klassischen Deckungsstock oder bei größerer Risikofreudigkeit als Fondsvariante ab einer Ansparleistung von einem Euro pro Tag.

Diverse Zusatzleistungen wie Prämienbefreiungen bei Babykarenz bis zu 18 Monaten, bei Familienhospiz-Karenz bis zu sechs Monaten, sollen die weibliche Klientel dabei unterstützen. Die Prämien werden in dieser Zeit von der Versicherung übernommen, ebenso bei durch Unfall oder Krankheit bedingter Arbeitsunfähigkeit. Mit im Paket eine Reihe von so genannten Assistanceleistungen im Falle eines Unfalls (Pflege zu Hause, Versorgung der Kinder etc.), die als zusätzliches Zuckerl feilgeboten werden.

Immer verfügbar

Welche Frau hat nicht panische Angst davor, einmal nicht voll einsatzfähig zu sein und ihre Lieben betreuen zu können. "Mothers don't get sick", aber was ist, wenn doch? "Starke Vorsorge für das starke Geschlecht" verspricht die Donauversicherung, die mit der "Frauen-Startpension" um das weibliche Klientel wirbt. Ein Aussetzen der Prämienzahlung bis zu drei Jahren bei Babypause ist auch hier möglich, und danach verspricht man diese den neuen, geänderten Lebensverhältnissen anzupassen. Die Grundtarife sind gleich wie bei der herkömmlichen Donau-Pension. Die starken Vorteile für die Frau springen einem da nicht wirklich ins Auge, vielmehr ist es ein altbewährtes Produkt, das eingefärbt wurde und so vielleicht etwas ansprechender auf Frauen wirken soll.

Jedenfalls ortet der AWD, größter Finanzdienstleister des Landes, eine anhaltend starke Nachfrage der Kunden nach langfristigen und renditeorientierten Absicherungs-und Vermögensanlageprodukten. Der Anteil der Frauen als Versicherungsnehmer steigt dabei stetig, und man rechnet in der Branche vor allem hier in den nächsten Jahren mit kräftigen Zuwachsraten. Jedoch sollte frau sich gut informieren, denn größtenteils unterscheiden sie sich nicht gravierend, sondern überwiegend im Marketingansatz, von den übrigen angebotenen Paketen. Auch bei den neuen Produkten gilt: Je früher Frauen beginnen, für sich selbst eine Vorsorge abzuschließen, desto günstiger. Und: Die laufenden Kosten müssen genau erfragt und von der erwarteten Rendite abgezogen werden. (Birgitt Hochegger, Der Standard, Printausgabe, 14.06.2003)

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    foto: photodisc
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