Essen und Manipulation

Der ehemalige "Spiegel"-Journalist Hans-Ulrich Grimm zeigt, wie sehr jeder von uns als Konsument Spielball einer unbarmherzigen Industrie ist

Die Frage nach einem guten Leben beschäftigt jeden Menschen im Laufe des Lebens, und immer spielt das, was wir essen sollten, dabei eine Schlüsselrolle. Ernährungsempfehlungen gibt es wie Sand am Meer, Hans-Ulrich Grimm führt seinen Lesern vor Augen, wie sehr jeder von uns als Konsument zum Spielball einer unbarmherzigen Industrie geworden ist.

Das Essen im Supermarkt ist Chemie (selbst Bioprodukte sind industrialisiert), Werbebotschaften sind Lügen und Ernährungswissenschafter eine fragwürdige, weil käufliche Berufsgruppe. Dagegen kämpft der ehemalige "Spiegel"-Journalist, sein Zorn auf die Machenschaften von Nestlé, Unilever, Danone, McDonald's, Kraft Foods und Co ist unverhohlen und macht das Buch zu einer kurzweiligen Lektüre. 

Phytosterine im Visier

In acht Kapiteln meißelt er zwei streng voneinander abgegrenzte Bereiche heraus: jene, in der die Nahrung von Natur und Tradition bestimmt wird (mit allen Einschränkungen, die damit verbunden sind), und Essen aus dem Supermarkt, das zu Zwecken der Haltbarkeit, Ästhetik und schnellen Zubereitung mit Chemie versetzt wird. Grimm scheut sich nicht aufzuzeigen, dass diese Art der Ernährung Menschen auch krank machen kann, führt Beispiele an, sucht Studien zusammen. Phytosterine in Margarinen, Vitamine und "Functional Food" hat er besonders im Visier. 

Food-Detektiv Grimm

Manche Passagen lesen sich etwas zu reißerisch - es wäre nicht notwendig gewesen, denn die Szene, die Grimm als Food-Detektiv schon lange beobachtet, gibt Stoff für Skandale. Die Lobbyarbeit der Nahrungsmittelindustrie etwa, die längst die EU-Politik durchdrungen hat: "Bei Ernährung hat die Demokratie Pause", so Grimms Resümee. Auch Österreich hat er unter Beobachtung: den Anti-Aging-Mediziner Johannes Huber zum Beispiel oder die Anwälte von Schönherr und ihre Rolle in der Nahrungsmittelindustrie. Das Fazit: Das Buch ist eine Orientierungshilfe. Gesund zu leben, bleibt sowieso jedem selbst überlassen. (Karin Pollack, DER STANDARD, 2.4.2012)

  • Hans-Ulrich Grimm: Vom Verzehr wird abgeraten. Droemer 2012, 319 Seiten, 18,50 Euro.
    cover: verlag

    Hans-Ulrich Grimm: Vom Verzehr wird abgeraten. Droemer 2012, 319 Seiten, 18,50 Euro.

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Jeder der schon mal eine Magen-Darmerkrankung

hatte weiss wie schlecht die "übliche" Industriekost in dem Moment vertragen wird und wie schnell man auf einfach zubereitete Mahlzeiten umsteigt die keine E-Nummern, Konservierungsstoffe, etc. enthält!

Der beste Rat, den ich bisher diesbezüglich gehört habe: Möglichst keine Lebensmittel kaufen, die aus mehr als einer Zutat bestehen.

viel zu viele lebensmittel werden überhaupt verschwendet!

http://www.biokontakte.com/artikel/e... t-im-muell

"Gesund zu leben, bleibt sowieso jedem selbst überlassen."

Wenn man jemanden spätestens ab seinem 3. Lebensjahr per klein mit Alkohol "füttert" und dieser dann mit 20 ein fixfertiger Alkoholiker ist, dann wäre es schon ziemlich zynisch, von Eigenverantwortung des Betroffenen zu sprechen, oder?

...und jetzt bitte den Alkohol mit Zucker tauschen.

mit Wasser

noch viel schlimmer! nOder gar Luft!!!111

Und die Entzugserscheinungen erst... :-)

Voraus schicken muss ich, dass ich mit "Zucker" RAFFINIERTEN Zucker gemeint habe. Denn im Vergleich zu einem Apfel (wo auch Z. drin ist) bringt dieser Zucker den Körper in eine Mangelsituation, welche schließlich zur Sucht führen kann.

Ihr Vergleich hört da auf, wo wir feststellen, dass a) Luft&Wasser zum Leben absolut notwendig sind, Alkohol bzw. raffinierter Zucker jedoch nicht, und b) weder Luft noch Wasser zu Veränderungen im Hormonsystem (z.B. zur Vermehrung der Dopamin-Rezeptoren), damit zur Gewöhnung und folglich zur Veränderung (Steigerung) des Konsumverhaltens führt.

Ich denke, das Missverständnis ist meine Schuld, weil ich das Wort Zucker so leichtfertig verwendet habe, und wir sind uns einig.

Richtig? ;-)

...und jetzt bitte den Alkohol mit Zucker tauschen.

Ist bei Ihnen schon viel zu spät.

:-)
Vui.
Aber danke für den Zuspruch! ;-)

"Das Essen im Supermarkt ist Chemie"

Nona. Jedes Essen ist "Chemie". Das war schon vor hunderttausend Jahren so.

Wesentlich ist nur, welche Inhaltsstoffe drin sind. Und hier kann man ganz nüchtern sagen, daß vor allem aufgrund der besseren Lagerung und Überwachung die Nahrung heute im Durchschnitt qualitativ besser ist als zum Beispiel vor hundert Jahren.

Ob die Industrie dabei barmherzig oder unbarmherzig ist, ist irrelevant. Wahrscheinlich ist sie nicht barmherzig, aber sie hat ja auch keinen Grund dafür. Wer auf so etwas Wert legt, soll sich von der Caritas verköstigen lassen. Die Inhaltsstoffe sind auch dann dieselben, aber es passiert halt aus Barmherzigkeit.

also antibiotika im fleisch

pestizide im obst und öl im gemüse ist im durchschnitt besser???

ich glaube sie verwechseln da ein bisserl was. früher hat nahrung vielleicht nicht so lange gehalten (dafür wurden aber methoden wie das einkochen erfunden), qualitativ war sie im durchschnitt aber sicher höher als das was heutzutage im normalen supermarkt verkauft wird.

vor hundertausendjahren und jetzt?! wissen sie was dazwischen liegt? geschichte, und die haben sie sichtlich nicht mitbekommen.

ich stell mir köstlich vor wie vor 100.000 jahren schlachtabfälle mit ammoniak versetzt wurden und sie es als faschiertes im hamburger mit heißunger verschlungen haben.

nein, wesentlich ist auch der herstellungsprozess.
wenn was extrahiert, gelagert und wieder zusammengefuegt wird ist es dabei u.u. ranzig, mit schimmel kontaminiert oder mit histamin bereichert.

ist so wie wenn man dinge verdreht oder fakten weglaesst, gleiche bestandteile, aber doch was anderes.

Gerade im Hinblick auf die von Ihnen genannten Vorgänge ist die Nahrungsmittelqualität heute viel besser als früher. Verdorbene, verschimmelte, verunreinigte Nahrungsmittel wurden früher wesentlich mehr konsumiert, weil das viel schwerer zu vermeiden war.

relevant ist doch, ob die heutige Nahrung qualitativ besser ist als vor 15 oder 25 Jahren

Falsch. Sie ist (kurzfristig) "sicherer".

Dafür ist unser Immunsystem aber auch durch diese "sicheren" Nahrungsmittel erheblich geschwächt worden (weil es an vielen Stoffen fehlt), wodurch sich der Hund in den Schwanz beißt.

Das Problem mit der Chemie ist, dass wir glauben, unsere Lebensmittel bereits analysiert zu haben. Tatsächlich muss jeder kompetente Ernährungsexperte zugeben, dass von über 1000 Substanzen in einer Frucht, die alle etwas mit uns "machen", erst 500 isoliert wurden. Unsere Industrie-Äcker und die "Behandlung" mit allem möglichen (um das Zeug "sicherer" zu machen) plus die Zubereitung geben auch gesunden Lebensmitteln oft den Rest.

Deshalb ist im Supermarkt NICHTS "qualitativ besser" als das, was ein Bauer vor 100 Jahren produziert hat.

Mit anderen Worten:

Sie wissen nicht was drin ist, sind sich aber sicher, dass das schädlich ist.

Fast.
Ich weiß, was alles NICHT MEHR drin ist.

Was denn zum Beispiel?

Die ausreichende Menge an Mineralstoffen, "dank" nährstoffarmer Böden und überzuchteter Pflanzen - oder weil die Tomaten überhaupt auf Schwämmen mit irgendwelchen "Nährstofflösungen" gezogen wurden...

Um nur ein (sehr massives) Problem und Beispiel zu nennen.

Bitte die entsprechenden Studien verlinken,...

...bzw. eine Definition für "ausreichende Menge an Mineralien" angeben.

verlink du doch studien die das gegenteil behaupten...

Wieso soll ich widerlegen, was irgendjemand anderer behauptet?

Ich behaupte jetzt mal, dass Sie es waren, der gestern besoffen den Mopedfahrer in Tirol niedergestreckt hat. Liefern'S mir ein Überwachungsvideo, das das Gegenteil beweißt. Können'S nicht? Na dann wirds wohl stimmen.

:-)

Sie begehen den Fehler zu glauben, ich hätte Sie von irgendwas zu überzeugen. Dies ist nicht der Fall.

Es handelt sich keineswegs um "Geheimwissen", und Sie wirken mehr als nur intelligent genug, um die relevanten (Fach-)Artikel recherchieren zu können.

Etwa, was in spanischen Tomaten noch alles drin ist.
(Ich verrat's Ihnen: Kaum noch etwas... woher auch? Die haben gute, mineralstoffhaltige Erde nie gesehen...)

Sofern Sie an Objektivität interessiert sind, werden Sie dies auch tun. Es geht immerhin um Ihre Gesundheit. ;-)

Deswegen

behaupten Sie einfach irgendwas, und wenn sie es nicht belegen können - jo mei.

*g* Sie sind lustig.

Als ob das "meine" Behauptung wäre. Das wäre dasselbe, als würden Sie sowas zum Standard sagen, weil er einen Artikel bringt, der "behauptet", Alkohol mache betrunken... :-)

Aber egal, schreiben Sie ruhig weiter. Intelligente Menschen wissen sowieso entweder längst darüber Bescheid (und kaufen Gemüse möglichst vom Nahversorger Ihres Vertrauens bzw. nur noch nach Saison), oder aber googeln ein paar Sekunden und wissen DANN Bescheid.

Und über Sie. ;-)

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