Dünnbier

1. April 2012, 09:36
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Conrad Seidl über die Wiederbelebung der leichteren Biere für den Sommer

Die Idee ist nicht ganz neu, das Produkt schon: Dieser Tage hat die Villacher Brauerei mit dem "Villacher Pur" ein Bier vorgestellt, das nur vier Prozent Alkohol hat und damit etwa ein Fünftel weniger als gängige Märzenbiere.

Dahinter steckt die Idee, dass viele Menschen meinen, gerade im Sommer leichter trinken zu müssen, auf dass ihnen der Alkohol nicht so zu Kopfe steige. Bei Brauereimanagern kann da noch die Idee dazukommen, dass man ja von leichterem Bier größere Mengen verträgt - was für die Brauerei bedeutet, dass man mehr Einheiten absetzen kann.

Geschmackliche Grenzen

Aber das stößt andererseits an geschmackliche Grenzen: Leichtbiere hat es schon vor 25 Jahren gegeben, damals oft mit entgastem und wieder aufkarbonisiertem Wasser gestreckte Versionen der jeweiligen Hauptsorte. Hat ziemlich übel geschmeckt damals. Unser Geschmackssinn ist nämlich recht genau auf jene Biere eingestellt, die wir üblicherweise trinken. Märzenbier soll eine angemessene Vollmundigkeit haben - und die geht verloren, wenn man das Bier dünner einbraut oder gar einfach verwässert. Ähnlich ist es bei Pilsbieren - bei dem in Deutschland beliebtesten Stil haben die deutschen Brauer auch einfach dünner gebraut. Und sind am Konsumentengeschmack gescheitert.

Eine Alternative gäbe es natürlich: Leichte obergärige Biere. Die sind von Natur aus aromatischer - weshalb ein leichtes Weizenbier kaum von einem Weizenvollbier zu unterscheiden ist. Dasselbe gilt auch für alle möglichen Summer-Ales. Aber die sind wieder sehr weit vom in Österreich gelernten Biergeschmack entfernt.

Hopfengeschmack

Den Villachern blieb also nichts anderes übrig, als den für das Villacher Märzen typischen Geschmack in ein leichteres Bier zu transferieren. Was recht gut gelungen ist. Wichtigste Komponente dabei ist übrigens nicht der Malzcharakter, der im Villacher Pur durchaus auch vorhanden ist, sondern der Hopfengeschmack. Vielfach gilt ja, dass den Konsumenten das Bier zu bitter wäre, weshalb die meisten Brauer in den letzten Jahren eher am Hopfen gespart haben. Tatsächlich aber hat der Hopfen eben nicht nur Bitterkomponenten, sondern trägt mit seinem Geschmack auch deutlich zur Vollmundigkeit bei.

Das ergibt in diesem Fall ein sehr ausgewogenes, durchaus vollwertig schmeckendes Bier, das dennoch mit weniger Alkohol auskommt. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 30.3.2012)

  • Den Villachern blieb also nichts anderes übrig, als den für das Villacher Märzen typischen Geschmack in ein leichteres Bier zu transferieren.
    foto: hersteller

    Den Villachern blieb also nichts anderes übrig, als den für das Villacher Märzen typischen Geschmack in ein leichteres Bier zu transferieren.

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