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Unter all den Gartenkreiszeichen ist die Gartenschere die durchtriebenste.

Kanne für Kanne schleppt sich der August zu den Beeten, um diese für einen langen Sonnentag mit feuchtem Nass auszurüsten.
Im Felsengrab der heiligen Flora wurde ein sensationeller Fund gemacht: die Gartenkreiszeichen, welche im frühen Mittelalter die Tierkreiszeichen ersetzen sollten. Doch dazu kam es nie, lesen Sie, weshalb:
Jänner, der Bibliothekar: Stets bemüht, die Gartenbuchsammlung qualitativ zu erweitern, stöbert der Bibliothekar ruhelos durch Einrichtungshäuser, Buchgeschäfte und Internetforen. Hat der Bibliothekar ein neues, kaufenswertes Gartenbuch ausgemacht, bringt ihn nichts von seinem Weg, es zu erwerben, ab. Der Bibliothekar weiß, was er will, und tut es auch.
Februar, die Träumerin: Klimabedingt zur Untätigkeit gezwungen, verbringt die Träumerin viel Zeit mit dem Sinnieren über das kommende Gartenjahr. Ihre Stärke ist das Vorwegnehmen unterschiedlicher Gartentätigkeiten im vorgestellten Raum und deren Bewertung. Vom Gemüt jedoch stets ein wenig nachlässig, versäumt es die Träumerin oftmals, Pläne zu verwirklichen.
Erdenpackl für Erdenpackl
März, der Atlas: Gleichsam dem griechischen Vorbild, welches bekanntlich den Planeten Erde auf seinen Schultern stämmte, stämmt der Atlas Erdenpackl für Erdenpackl in seinen Kofferraum. Unbeirrt geht der Atlas seiner wichtigsten Tätigkeit nach, der Futterbeschaff für seine keimenden Pflanzen. Jedoch von einer gewissen Geizigkeit getrieben, sollte der Atlas auch einmal zu hochwertiger Erde greifen. Der Erfolg wäre ihm sicher.
April, die Gartenschere: Unter all den Gartenkreiszeichen ist die Gartenschere die durchtriebenste. Prinzipiell stutzend bis vernichtend tätig, setzt die Gartenschere wesentliche Akzente im ewigen Lauf der Gartenkreiszeichen. Ihr Werk entscheidet oftmals das gesamte Gartenjahr, und an dieser Herausforderung zerbricht sie mitunter.
Mai, der Prasser: Der Prasser ist bekannt für sein launiges Kaufverhalten. Gleichsam einer Biene, die von Blume zu Blume hastet, treibt es den Prasser von Gärtnerei zu Gärtnerei, um dort Neues für seine Beete zu finden und um oftmals horrende Summen zu erwerben. Ein wenig Zurückhaltung würde jedem Prasser und seinem Garten guttun.
Schnüfflerin und Träumerin
Juni, die Schnüfflerin: Geschlossene Augen und geweitete Nüstern - so sieht man die Schnüfflerin über ihren Rosen chemosensorisch kontemplieren. Als akzentuiert feinsinniger Mensch, ist der Schnüfflerin der Geruch oftmals wichtiger als die Erscheinung. Und so ist sie auch im Umgang mit Menschen. Scheu, zurückgezogen und sehr bedacht darauf, das Fluidum der Umgebung wahrzunehmen und sich nötigenfalls abzukapseln. Die Schnüfflerin und die Träumerin sind itzo ideale Paare.
Juli, der Protzer: Mit nur wenig Rücksicht versucht der Protzer seinen Garten als den schönsten der näheren Umgebung dastehen zu lassen. Blütenfülle, Höhenwuchs und Rankpracht sind ihm wichtiger als Konzept, Stil und Atmosphäre. Er gilt als der Leistungssportler unter den Gartenkreiszeichen und findet selten Freunde.
August, der Gießer: Prinzipiell ein fauler Mensch, der lieber in der Wiese liegt als diese zu pflegen, wird der Gießer am zeitigen Morgen aktiv. Kanne für Kanne schleppt er zu den Beeten, um diese für einen langen Sonnentag mit feuchtem Nass auszurüsten. Da er auch mit dem Schlauch gut umzugehen weiß, ist er ein gerngesehener Gast bei seinen Nachbarinnen.
September, die Knipserin: Unablässig streift die Knipserin durch ihre Rabatten und knipst alles Verblühte mit Schere oder Fingernägeln ab. Ähnlich der Gartenschere wirkt sie regulierend, als sehr oberflächlicher Mensch ist ihr aber nur die Erscheinung wichtig. Für Struktur fehlt ihr jedes Talent.
Entschlummern
Oktober, der Seufzer: Sorge ist das Konzept des Seufzers. Stets besorgt und die Jahreszeit gewahr, durchstreift er den Garten und kommentiert das langsame Entschlummern deutlich hörbar. Und selbst vor der üppigsten Blühpracht, die der Oktober noch hervorbringen kann, empfindet er nicht Genuss, sondern Sorge. Er sieht nur das Vergängliche und braucht daher viel Zuspruch.
November, die Saubermacherin: Nichts ist der Saubermacherin so zuwider wie ein unordentlicher Garten. Sie verbringt am liebsten damit ihre Zeit, die Blumentöpfe zu reinigen, das Laub zu rechen und dem Garten jene Ordentlichkeit zu verpassen, mit der sie ihn beruhigt in die Winterruhe schicken kann. Zu Recht als Pedantin verschrien, sollte die Saubermacherin auch einmal Loslassen lernen bzw. einmal den Gießer einladen.
Dezember, der Betrachter: Ohne Aufgabe, steht der Betrachter oftmals im Garten, schweigt den Schnee an und sucht mit seinen Augen nach einem Auftrag. Da dieser jedoch ausbleibt, gilt der Betrachter zu Recht als stiller, unauffälliger Geselle, der durchaus einmal unter die Leute gehen sollte. Er harmoniert übrigens hervorragend mit Seufzern. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 30.03.2012)
Die Eisheiligen stehen vor der Tür. Welches junge Gemüse trotzdem schon hinausdarf und was besser im Haus bleibt, weiß Gregor Fauma
Jetzt ist der Moment, um Rosen an Land auf Pilzbefall zu untersuchen und für neue Seerosen ein passendes Gewässer zu finden
Autochthone Pflanzen wie die Clematis können mit Frostattacken im April eh gut umgehen - Exotische Schönlinge brauchen halt momentan ein wenig mehr Aufmerksamkeit, weiß Gregor Fauma
Der Nachbar wird schön schauen: Wegen der Hortensien ums Hochbeet sieht er bald nicht mehr in Ihren Garten! Einige Anregungen, die zu Freude und Erfolg führen mögen.
Guter Dünger muss reifen wie Wein, aber bei einem Verschnitt aus Ästen und Gras kann man nachhelfen
Ein Hochbeet schont den Rücken, nicht das Geldbörsel - Es sei denn, man greift zu Hammer und Nägeln anstelle von großteils hässlichen Fertigsets, meint Gregor Fauma
Der Winterling will viel Wasser und lehmige Böden. Dafür revanchiert er sich früh im Jahr als sonniger Farbteppich auf dem fahlen Rasen, weiß Gregor Fauma.
Viel Platz unter der Sonne und reichlich Wasser will der Krautstiel - Er dankt's dem Beilagenesser mehrfach in einer Saison mit üppigen Ernten, weiß Gregor Fauma
Die Karotte keimt keineswegs schnell und duldet kaum Konkurrenz - Sie sollte schon früh und nur mit netten Nachbarn ins Beet, meint Gregor Fauma
Wie feucht und sandig mag's die Fragaria? Die Antwort auf genau diese Frage ist eine süße Denksportaufgabe, meint Gregor Fauma
In Österreich sind 218 umweltgefährliche Herbizide zugelassen. Neben Landwirten gehen sie auch vielen Hobbygärtnern leicht von der Hand. Die Handelskette Bellaflora listet Pestizide aus
Los geht's: Rasch das alte Laub aus den Gartenschlapfen beuteln und sofort draußen klären, was die Pflanzen bald schon brauchen werden
Advent und Wohltätigkeit gehören zusammen. Charity im eigenen Garten ist, wenn man dem Lieblingsstrauch die (Schnee-)Last nimmt und alle Stauden stützt, meint Gregor Fauma
Ob nun der Garten als erweitertes Wohnzimmer dient oder das Wohnzimmer zum Garten umfunktioniert wird – kreative Gartenplaner liefern für jedes Bedürfnis das passende Konzept
Solange die Böden noch nicht gefroren sind, heißt es: dick anziehen und großzügig sein mit Blumenknollen - Das freut natürlich auch den einen oder anderen Nager, der dafür selbstlos die Erde lockert
Wenn es nach den Prognosen der Blumenhändler und Gartenexperten geht wird es heuer verspielt im Garten
Tropische Pflanzen wie die Engelstrompete wachsen auch in den südamerikanischen Bergen - Minusgrade, nur für kurze Zeit, machen sie sogar robuster, meint Gregor Fauma
Im Dezember sind Gärtner Totengräber. Aber solche, die an Wiedergeburt glauben und dafür bereits schnittige Strategien haben.
Heute: Wir basteln uns eine einfache Welt mit Rankings - Das funktioniert natürlich auch mit dem eigenen Garten, meint Gregor Fauma und präsentiert die kultiviertesten Top Ten des Jahres 2012
Im Winter wächst nur Wut - Auf den Garten, der so viel Pflege braucht - Passt schon, meint Gregor Fauma, man hat ihn ja eh zum Fressen gern
Für Gärtner ist der November ein Glücksspiel: Friert es, gibt es hohe pflanzliche Verluste zu beklagen - Auf Sicherheit spielende Outdoor-Experten setzen dagegen das herumliegende Laub einfach als Thermojacke ein - Eine warme Empfehlung von Gregor Fauma
Der Gewöhnliche Steinklee macht etwas Ungewöhnliches: Er faltet seine Blätter vor dem Schlafengehen, um uns den nächsten Tag zu versüßen - Womit, verrät Gregor Fauma
Schicht für Schicht abwechselnd Trocken- und Grünzeug übereinanderlegen: Das hat sich auch beim Komposthaufen bewährt - Faule Tricks von Gregor Fauma
Landschaftsarchitekten und Gartenfans aus aller Welt pilgerten nach Klosterneuburg. Anlass war die Prämierung der "best private plots 2012"
Stellen Sie sich vor, Sie sind Psychiater, und ein Garten kommt zu Ihnen - Redet er ständig vom Dachs, hat er keinen Dach(s)schaden - Das Problem liegt tiefer. Also beim Boden, meint Gregor Fauma
Jänner: Tiefschlaf durch Winterdepression, ausgelöst durch den Dezember.
Februar: Ast-, Rebschere, Säge
März: der Tapener
April: Der Schlägelmulcher
Mai: Schlauch mit Spritzdüse
Juni: der Düngerstreuer
Juli: Das Schergerät
August: die letzte Spritzenfahrt
September: Gabel und Messer als wichtigstes Werkzeug der Lesehelfer
Oktober: Die Kerze zum CO²-Feststellen
November: das Telefon zum Weinhändler
Dezember: Das Minus am Raiffeisenkonto.
Im chinesischen Gartenkreis ist jetzt das Jahr der Sicherheitsschuhe gekommen, nächstes Jahr ist Krampen und Schaufel...
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