Die Gartenkreiszeichen

Gregor Fauma , 3. April 2012, 15:23
  • Unter all den Gartenkreiszeichen ist die Gartenschere die durchtriebenste.
    foto: ap/wigglesworth

    Unter all den Gartenkreiszeichen ist die Gartenschere die durchtriebenste.

  • Kanne für Kanne schleppt sich der August zu den Beeten, um diese für einen langen Sonnentag mit feuchtem Nass auszurüsten.
    foto: apa/bernd weißbrod

    Kanne für Kanne schleppt sich der August zu den Beeten, um diese für einen langen Sonnentag mit feuchtem Nass auszurüsten.

Tierkreiszeichen lässt er links liegen: Er teilt das Gartenjahr in eine völlig neue Typologie. Die Gartenschere, die für den April steht, ist die durchtriebenste

Im Felsengrab der heiligen Flora wurde ein sensationeller Fund gemacht: die Gartenkreiszeichen, welche im frühen Mittelalter die Tierkreiszeichen ersetzen sollten. Doch dazu kam es nie, lesen Sie, weshalb:

Jänner, der Bibliothekar: Stets bemüht, die Gartenbuchsammlung qualitativ zu erweitern, stöbert der Bibliothekar ruhelos durch Einrichtungshäuser, Buchgeschäfte und Internetforen. Hat der Bibliothekar ein neues, kaufenswertes Gartenbuch ausgemacht, bringt ihn nichts von seinem Weg, es zu erwerben, ab. Der Bibliothekar weiß, was er will, und tut es auch.

Februar, die Träumerin: Klimabedingt zur Untätigkeit gezwungen, verbringt die Träumerin viel Zeit mit dem Sinnieren über das kommende Gartenjahr. Ihre Stärke ist das Vorwegnehmen unterschiedlicher Gartentätigkeiten im vorgestellten Raum und deren Bewertung. Vom Gemüt jedoch stets ein wenig nachlässig, versäumt es die Träumerin oftmals, Pläne zu verwirklichen.

Erdenpackl für Erdenpackl

März, der Atlas: Gleichsam dem griechischen Vorbild, welches bekanntlich den Planeten Erde auf seinen Schultern stämmte, stämmt der Atlas Erdenpackl für Erdenpackl in seinen Kofferraum. Unbeirrt geht der Atlas seiner wichtigsten Tätigkeit nach, der Futterbeschaff für seine keimenden Pflanzen. Jedoch von einer gewissen Geizigkeit getrieben, sollte der Atlas auch einmal zu hochwertiger Erde greifen. Der Erfolg wäre ihm sicher.

April, die Gartenschere: Unter all den Gartenkreiszeichen ist die Gartenschere die durchtriebenste. Prinzipiell stutzend bis vernichtend tätig, setzt die Gartenschere wesentliche Akzente im ewigen Lauf der Gartenkreiszeichen. Ihr Werk entscheidet oftmals das gesamte Gartenjahr, und an dieser Herausforderung zerbricht sie mitunter.

Mai, der Prasser: Der Prasser ist bekannt für sein launiges Kaufverhalten. Gleichsam einer Biene, die von Blume zu Blume hastet, treibt es den Prasser von Gärtnerei zu Gärtnerei, um dort Neues für seine Beete zu finden und um oftmals horrende Summen zu erwerben. Ein wenig Zurückhaltung würde jedem Prasser und seinem Garten guttun.

Schnüfflerin und Träumerin

Juni, die Schnüfflerin: Geschlossene Augen und geweitete Nüstern - so sieht man die Schnüfflerin über ihren Rosen chemosensorisch kontemplieren. Als akzentuiert feinsinniger Mensch, ist der Schnüfflerin der Geruch oftmals wichtiger als die Erscheinung. Und so ist sie auch im Umgang mit Menschen. Scheu, zurückgezogen und sehr bedacht darauf, das Fluidum der Umgebung wahrzunehmen und sich nötigenfalls abzukapseln. Die Schnüfflerin und die Träumerin sind itzo ideale Paare.

Juli, der Protzer: Mit nur wenig Rücksicht versucht der Protzer seinen Garten als den schönsten der näheren Umgebung dastehen zu lassen. Blütenfülle, Höhenwuchs und Rankpracht sind ihm wichtiger als Konzept, Stil und Atmosphäre. Er gilt als der Leistungssportler unter den Gartenkreiszeichen und findet selten Freunde.

August, der Gießer: Prinzipiell ein fauler Mensch, der lieber in der Wiese liegt als diese zu pflegen, wird der Gießer am zeitigen Morgen aktiv. Kanne für Kanne schleppt er zu den Beeten, um diese für einen langen Sonnentag mit feuchtem Nass auszurüsten. Da er auch mit dem Schlauch gut umzugehen weiß, ist er ein gerngesehener Gast bei seinen Nachbarinnen.

September, die Knipserin: Unablässig streift die Knipserin durch ihre Rabatten und knipst alles Verblühte mit Schere oder Fingernägeln ab. Ähnlich der Gartenschere wirkt sie regulierend, als sehr oberflächlicher Mensch ist ihr aber nur die Erscheinung wichtig. Für Struktur fehlt ihr jedes Talent.

Entschlummern

Oktober, der Seufzer: Sorge ist das Konzept des Seufzers. Stets besorgt und die Jahreszeit gewahr, durchstreift er den Garten und kommentiert das langsame Entschlummern deutlich hörbar. Und selbst vor der üppigsten Blühpracht, die der Oktober noch hervorbringen kann, empfindet er nicht Genuss, sondern Sorge. Er sieht nur das Vergängliche und braucht daher viel Zuspruch.

November, die Saubermacherin: Nichts ist der Saubermacherin so zuwider wie ein unordentlicher Garten. Sie verbringt am liebsten damit ihre Zeit, die Blumentöpfe zu reinigen, das Laub zu rechen und dem Garten jene Ordentlichkeit zu verpassen, mit der sie ihn beruhigt in die Winterruhe schicken kann. Zu Recht als Pedantin verschrien, sollte die Saubermacherin auch einmal Loslassen lernen bzw. einmal den Gießer einladen.

Dezember, der Betrachter: Ohne Aufgabe, steht der Betrachter oftmals im Garten, schweigt den Schnee an und sucht mit seinen Augen nach einem Auftrag. Da dieser jedoch ausbleibt, gilt der Betrachter zu Recht als stiller, unauffälliger Geselle, der durchaus einmal unter die Leute gehen sollte. Er harmoniert übrigens hervorragend mit Seufzern. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 30.03.2012)

  • Fauma & Flora

    Süßsaurer Mai [24]

    TitelbildDie Eisheiligen stehen vor der Tür. Welches junge Gemüse trotzdem schon hinausdarf und was besser im Haus bleibt, weiß Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Trau keinem Tau auf Rosen! [6]

    TitelbildJetzt ist der Moment, um Rosen an Land auf Pilzbefall zu untersuchen und für neue Seerosen ein passendes Gewässer zu finden

  • Fauma & Flora

    Eingeborene sind selten Eingefrorene

    TitelbildAutochthone Pflanzen wie die Clematis können mit Frostattacken im April eh gut umgehen - Exotische Schönlinge brauchen halt momentan ein wenig mehr Aufmerksamkeit, weiß Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Ein Beet als Blütenwand [5]

    TitelbildDer Nachbar wird schön schauen: Wegen der Hortensien ums Hochbeet sieht er bald nicht mehr in Ihren Garten! Einige Anregungen, die zu Freude und Erfolg führen mögen.

  • Fauma & Flora

    Scharfe Sachen vom Kompost [7]

    TitelbildGuter Dünger muss reifen wie Wein, aber bei einem Verschnitt aus Ästen und Gras kann man nachhelfen

  • Fauma & Flora

    Mit einem Hochbeet auf Augenhöhe gärtnern [57]

    TitelbildEin Hochbeet schont den Rücken, nicht das Geldbörsel - Es sei denn, man greift zu Hammer und Nägeln anstelle von großteils hässlichen Fertigsets, meint Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Gelbgierig: Der Winterling [1]

    TitelbildDer Winterling will viel Wasser und lehmige Böden. Dafür revanchiert er sich früh im Jahr als sonniger Farbteppich auf dem fahlen Rasen, weiß Gregor Fauma.

  • Fauma & Flora

    Mangoldgrube [4]

    TitelbildViel Platz unter der Sonne und reichlich Wasser will der Krautstiel - Er dankt's dem Beilagenesser mehrfach in einer Saison mit üppigen Ernten, weiß Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Sät her, aber flott! [5]

    TitelbildDie Karotte keimt keineswegs schnell und duldet kaum Konkurrenz - Sie sollte schon früh und nur mit netten Nachbarn ins Beet, meint Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Kopfnuss im Erdbeerland [1]

    TitelbildWie feucht und sandig mag's die Fragaria? Die Antwort auf genau diese Frage ist eine süße Denksportaufgabe, meint Gregor Fauma

  • Pestizide im Garten

    Giftige grüne Daumen der Hobbygärtner [24]

    TitelbildIn Österreich sind 218 umweltgefährliche Herbizide zugelassen. Neben Landwirten gehen sie auch vielen Hobbygärtnern leicht von der Hand. Die Handelskette Bellaflora listet Pestizide aus

  • Fauma & Flora

    Anamnese vor dem Wildwuchs [12]

    TitelbildLos geht's: Rasch das alte Laub aus den Gartenschlapfen beuteln und sofort draußen klären, was die Pflanzen bald schon brauchen werden

  • Fauma & Flora

    Hilfe zur Selbsthilfe [17]

    TitelbildAdvent und Wohltätigkeit gehören zusammen. Charity im eigenen Garten ist, wenn man dem Lieblingsstrauch die (Schnee-)Last nimmt und alle Stauden stützt, meint Gregor Fauma

  • Garten In-&Outdoor

    Grüner Wohnraum: "Das Fenster zur Natur"

    TitelbildOb nun der Garten als erweitertes Wohnzimmer dient oder das Wohnzimmer zum Garten umfunktioniert wird – kreative Gartenplaner liefern für jedes Bedürfnis das passende Konzept

  • Fauma & Flora

    Mäuse füttern im Zwiebellook

    TitelbildSolange die Böden noch nicht gefroren sind, heißt es: dick anziehen und großzügig sein mit Blumenknollen - Das freut natürlich auch den einen oder anderen Nager, der dafür selbstlos die Erde lockert

  • Garten

    Gartentrends: Das Wohnzimmersofa im wild wuchernden Garten

    TitelbildWenn es nach den Prognosen der Blumenhändler und Gartenexperten geht wird es heuer verspielt im Garten

  • Fauma & Flora

    Anden-Abhärtung [1]

    TitelbildTropische Pflanzen wie die Engelstrompete wachsen auch in den südamerikanischen Bergen - Minusgrade, nur für kurze Zeit, machen sie sogar robuster, meint Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Ratzfatz reinkarniert [3]

    TitelbildIm Dezember sind Gärtner Totengräber. Aber solche, die an Wiedergeburt glauben und dafür bereits schnittige Strategien haben.

  • Fauma & Flora

    Zehn Goldene!

    TitelbildHeute: Wir basteln uns eine einfache Welt mit Rankings - Das funktioniert natürlich auch mit dem eigenen Garten, meint Gregor Fauma und präsentiert die kultiviertesten Top Ten des Jahres 2012

  • Fauma & Flora

    Ruhe vor Rabatten

    TitelbildIm Winter wächst nur Wut - Auf den Garten, der so viel Pflege braucht - Passt schon, meint Gregor Fauma, man hat ihn ja eh zum Fressen gern

  • Fauma & Flora

    Zocken mit dem Frost [1]

    TitelbildFür Gärtner ist der November ein Glücksspiel: Friert es, gibt es hohe pflanzliche Verluste zu beklagen - Auf Sicherheit spielende Outdoor-Experten setzen dagegen das herumliegende Laub einfach als Thermojacke ein - Eine warme Empfehlung von Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Krautiger Nachtfalter [7]

    TitelbildDer Gewöhnliche Steinklee macht etwas Ungewöhnliches: Er faltet seine Blätter vor dem Schlafengehen, um uns den nächsten Tag zu versüßen - Womit, verrät Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Komposthaufen: Lasagne alle verdure [3]

    TitelbildSchicht für Schicht abwechselnd Trocken- und Grünzeug übereinanderlegen: Das hat sich auch beim Komposthaufen bewährt - Faule Tricks von Gregor Fauma

  • Gartenarchitektur-Award

    Prämierte Gärten: Auf dem Teppich der Kulturen [6]

    TitelbildLandschaftsarchitekten und Gartenfans aus aller Welt pilgerten nach Klosterneuburg. Anlass war die Prämierung der "best private plots 2012"

  • Fauma & Flora

    Der Garten auf der Couch [2]

    TitelbildStellen Sie sich vor, Sie sind Psychiater, und ein Garten kommt zu Ihnen - Redet er ständig vom Dachs, hat er keinen Dach(s)schaden - Das Problem liegt tiefer. Also beim Boden, meint Gregor Fauma

Jänner: Tiefschlaf durch Winterdepression, ausgelöst durch den Dezember.
Februar: Ast-, Rebschere, Säge
März: der Tapener
April: Der Schlägelmulcher
Mai: Schlauch mit Spritzdüse
Juni: der Düngerstreuer
Juli: Das Schergerät
August: die letzte Spritzenfahrt
September: Gabel und Messer als wichtigstes Werkzeug der Lesehelfer
Oktober: Die Kerze zum CO²-Feststellen
November: das Telefon zum Weinhändler
Dezember: Das Minus am Raiffeisenkonto.

Im chinesischen Gartenkreis ist jetzt das Jahr der Sicherheitsschuhe gekommen, nächstes Jahr ist Krampen und Schaufel...

Ich bin alles, ausser Bibliothekar und Schnüffler.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.