Mediaset feuert den Berlusconi-Intimus Emilio Fede

Gerhard Mumelter, 29. März 2012, 18:13

Medienkonzern teilte die Entlassung des Chefredakteurs von Rete 4 mit

Ein Denkmal ist gestürzt: Sang- und klanglos hat die TV-Gruppe Mediaset am Mittwoch den Berlusconi-Intimus Emilio Fede gefeuert. In einer betont distanzierten Aussendung teilte der Medienkonzern die Entlassung des Chefredakteurs von Rete 4 mit. Aus Gründen "redaktioneller Erneuerung" werde der Vertrag nicht verlängert.

Fede, der in Kürze seinen 81. Geburtstag feiert, hatte 20 Jahre seines Lebens der Glorifizierung von Silvio Berlusconi gewidmet. Die abendlichen Nachrichten moderierte er bis zum Rauswurf immer persönlich. Nun sitzt der fast 40 Jahre jüngere Nachfolger Giovanni Toti auf seinem Platz.

2,5 Millionen Euro aus Aktenkoffer

Zur drastischen Entscheidung des Medienkonzerns hat zweifellos ein Corriere-Bericht beigetragen: Demnach soll Fede versucht haben, 2,5 Millionen Euro aus einem Aktenkoffer in einer Bank in Lugano zu deponieren. Die Bank lehnte aber wegen der ungeklärten Herkunft des Geldes ab. Die Finanzpolizei und die Staatsanwaltschaft leiteten Ermittlungen ein. Fede dementierte: "Hätte ich das Geld wirklich ins Ausland bringen wollen, hätte ich es auf jeden Fall nach Monaco gebracht."

Mit der Justiz kam der Sizilianer schon öfter in Konflikt. Als Afrika-Korrespondent der Rai wurde er wegen Spielsucht und Unterschlagung von Spesengeldern entlassen, jetzt steht er zudem als enger Vertrauter von Berlusconi vor Gericht: Er soll mindestens 33 Mädchen auf nächtliche "Bunga-Bunga"-Partys in Berlusconis Villa geschleust haben. Fede sei neben dem Talentscout Lele Mora und der Regionalpolitikerin Nicole Minetti einer der "Haremswärter" des Ex-Premiers gewesen, so die Staatsanwaltschaft.Fede wertete seine Entlassung als "Ergebnis einer böswilligen Verschwörung". Berlusconi habe ihn angerufen und ihm seine Solidarität ausgesprochen.

Die Abendnachrichten von Rete 4 hatten bei vielen Italienern Kultstatus. Bei Berlusconis erstem Wahlsieg 1994 brach der Moderator in Tränen aus. La Repubblica würdigte ihn als "Erfinder des "Einschmeichel-Telejournals". Selbst Berlusconi gestand, dass Fede "eher ein Unterstützer als ein Journalist" sei. Fede sorgte oft für Polemiken, etwa wenn er die Polizei aufforderte, "Demonstranten tüchtig zu verdreschen".

Noemi und Ruby

Es war auch Fede, der auf Berlusconis Schreibtisch beiläufig eine Mappe mit Fotos der damals 17-jährigen Neapolitanerin Noemi zurückließ, die der Cavaliere umgehend in seine Villa einlud. Die Marokkanerin Karima el-Mahroug alias Ruby lernte Fede in Sizilien als Juror bei einem Schönheitswettbewerb kennen. Damals sei sie "vielleicht 13 Jahre alt gewesen".

Mehr als jeder andere verkörperte Fede das verquere Medienverständnis von Berlusconis Fernsehimperium. "Silvio lässt mich nie im Stich", hatte der Moderator noch am Mittwoch gehofft. Wenige Stunden später teilte Mediaset öffentlich seine Entlassung mit. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, 30.3.2012)

...und Tschüß

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