Einer, der den Glauben verliert

29. März 2012, 17:15

"Hiob" von Joseph Roth in den Kammerspielen

Guntram Brattia hat Joseph Roths "Hiob. Roman eines einfachen Mannes" (1930) für die Kammerspiele Innsbruck inszeniert. Und es ist ihm eine wunderbar dichte und berührende Inszenierung geglückt (Fassung: Koen Tachelet).

Elmar Drexel verkörpert den frommen und gottesfürchtigen Juden Mendel Singer, der mit seiner Frau Deborah (Nestroy-Preis-Trägerin Eleonore Bürcher), seinen drei gesunden Kindern (Helmuth A. Häusler, Gerhard Kasal, Lisa Hörtnagl) und dem behinderten Sohn Menuchim (Nevena Lukic) ein einfaches Leben als Dorfschullehrer in der Provinz des zaristischen Russland lebt. Das kranke Kind wird von der Familie als Strafe Gottes empfunden. Als ein Sohn in die Armee einrücken muss, der andere desertiert, beschließt auch Mendel Singer, mit Frau und Tochter nach New York auszuwandern. Menuchim, der Krüppel, wird zurückgelassen. Nach Schicksalsschlägen und Gewissensbissen verzweifelt der fromme Jude an Gott und verliert den Glauben.

Guntram Brattia arbeitet mit sehr viel Musik, die er zusammen mit Frajo Köhle sensibel gewählt hat. Heinz Hausers Bühnenbild überzeugt durch seine Einfachheit und Klarheit. Ein weißer Kreis, auf die Bühne gemalt, zwei Linien und eine Glühbirne, sind Mendel Singers armselige Hütte. Viele waagrechte Linien, in denen man sich verstecken und aus denen man auftauchen kann, werden zum Kornfeld. Unzählige senkrechte, nach oben aufstrebende Linien sind New York, darin wird ziellos umhergeirrt. Dieselben Linien, gekreuzt und rot angestrahlt, symbolisieren den Stacheldraht des Kriegs, man verheddert sich darin und krepiert. (dns, DER STANDARD, 30.3.2012)

Landestheater Tirol, bis 25. 5.

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14 Postings

Das muß man zuerst lesen, so wie auch alles andere von Roth.

Da gabs den wunderbaren 3 teiligen Fernsehfilm

vom Michael Kehlmann aus den 70er Jahren mit einer Bombenbesetzung für die Lesefaulen.
(Mack, Scweiger, Wallner, L. Hirsch)

Ja, den würde sogar ich Bücherwürmin als gleichwertig gelten lassen.
Warum wird sowas nicht wiederholt?

Leider scheint man dem Irrglauben aufzusitzen...

dass diese alten Fernsehspiele nicht mehr geschätzt werden. Was ein grosser Trugschluss ist!

Und das "Bücherwürmin" hat mir an diesem grauen Tag ein herzhaftes Grinsen entlockt. ;)

Wenn ich nur an die vielen SchnitzlerAufzeichnungen

aus der Josefsstadt denke kommen mir die Tränen dass sowas in Vergessenheit geraten muß.

Vor allem wenn man bedenkt, daß eigentlich ein Bildungsauftrag des ORF bestünde.
Freut mich, daß ich Sie unterhalten konnte, ich bin ja sonst nicht fürs Vergendern.;-)

Ich schaue mir gern die alten Aufzeichnungen an.

Vor allem die unglaublich guten Schauspieler, die wir früher hatten.

Es gab schon auch weniger gute, aber die haben die Jahre eben nicht überdauert.
Froh bin ich allerdings, daß ich eine Nachteule bin, denn die besten Sachen werden nach Mitternacht gesendet, wie man auch am neuen ORF III wieder gut sehen kann.
Allein die Qualität der alten Club 2 Wiederholungen spricht Bände.

Und wenn man dann alles (!) gelesen hat, schaut man sich die Verfilmung vom "Falschen Gewicht" von Axel Corti mit u.a. Qualtinger an!

Nein, der Regisseur dieses fantastischen Films war Bernhard Wicki.

Auch Wickis letzter Film war eine Roth-Verfilmung, nämlich "Das Spinnennetz".

Ihr Nick spricht schon für Klasse.

Und das Wissen bestätigt es! :)

Stimmt, da haben Sie recht, die hab ich durcheinander gebracht.

Und ich bin glatt drauf reingefallen, wobei mir Wicki und Corti sowieso gleich lieb sind.

Ja hach, zwei meiner Lieblinge.

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