Kunsthalle Wien: "Mysterium Leib" wegen Bauschäden abgesagt

29. März 2012, 15:09
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Zwei Kunst-Installationen am Karlsplatz plangemäß zu sehen: Daniel Knorrs "Explosion", Ulrike Lienbachers Kartenhäuser

Wien - Parallel zu den Personalfragen setzt die Kunsthalle Wien ihr Ausstellungsprogramm fort - nicht ganz plangemäß allerdings: Eine der drei in und um den project space am Karlsplatz geplanten Ausstellungen - "Mysterium Leib. Berlinde De Bruyckere im Dialog mit Cranach und Pasolini" - musste kurz vor der   Eröffnung am Donnerstag abgesagt werden.

Als Kontrast zu den Skulpturen der belgischen Künstlerin hätte ein Originalgemälde von Lucas Cranach d. Ä. ausgestellt werden sollen. Die vorab vorgenommenen Luftfeuchtigkeits-Messungen hätten jedoch plötzlich gravierende Abweichungen von den Idealwerten ergeben, erklärte Kunsthallen-Kurator Lucas Gehrmann. Als Verursacher seien Schäden an Fenstern und am Dach festgestellt worden, die nicht kurzfristig zu beheben seien. Mit einer Cranach-Kopie sei aber De Bruyckere nicht einverstanden gewesen.

Vom angestrebten Dialog ist nur eine Video-Installation übriggeblieben: Für "Pasolinicode02112011" zeigt Ludwig Wüst eine 16-minütige Arbeit, die sich mit der Ermordung Pier Paolo Pasolinis in Ostia beschäftigt, die seit 2. November, dem Todestag Pasolinis, online abrufbar ist und vor wenigen Tagen bei der "Diagonale" als Film uraufgeführt wurde, nun im Kunst-Kontext als "Raumerlebnis" mit Erde aus Ostia. Man werde versuchen, den restlichen "Mysterium Leib" im nächsten Jahr im Museumsquartier nachzuholen, sagte Gehrmann.

"Explosion" und Kartenhäuser

Jedenfalls bis 28. Februar zu sehen sind zwei Kunst-Installationen, die statt von der "Kunst im Öffentlichen Raum" (KÖR) künftig von der Kunsthalle selbst programmiert werden: Der 1968 in Bukarest geborene und in Berlin lebende Daniel Knorr zeigt, umtost vom innerstädtischen Verkehr, eine materialisierte "Explosion" aus Edelstahlwolle - für Kuratorin Catherine Hug die "Materialisierung eines Bildes, das normalerweise nur Bruchteile einer Sekunde aufscheint".

Ulrike Lienbacher hat vis-a-vis des project space eine Fotoleiste aus ganz speziellen Kartenhäusern affichiert, die sich um die als Außenraum-Galerie dienende Fassade eines Transformatoren-Häuschens ziehen. Die 1963 in Oberdorf geborenen  und in Wien und Salzburg lebende  Lienbacher hat dafür zunächst Hunderte Postkarten v.a. mit Sujets aus Kunst und Werbung gesammelt, daraus Kartenhäuser gebaut, diese aus variationsreichen Winkeln fotografiert und als Abfolge von 45 Bildfeldern zusammenmontiert. "Man kann auf eine spannende Entdeckungsreise durch die Kunst- und Kulturgeschichte gehen", sagte Hug. Lienbacher habe auch eigene Arbeiten eingeschmuggelt.

"Die Postkarte ist heute ein anachronistisches Medium", sagte Lienbacher. In Zeiten der digitalen Bildspeicherung habe sie in ihrer Arbeit, die Installation und Fotoarbeit zugleich ist, auch den haptischen und physischen Aspekt dieses Bildträgers berücksichtigt. Gleichzeitig gehe es ihr auch um verschiedene Sichtweisen von Nacktheit im heute von Werbung geprägten öffentlichen Raum. (APA, 29.3.2012)

  • Nunmehr Solitär: Ludwig Wüsts Video-Installation "Pasolinicode02112011" (Pasolinicode.net)
    foto: ludwig wüst

    Nunmehr Solitär: Ludwig Wüsts Video-Installation "Pasolinicode02112011" (Pasolinicode.net)

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