Auch Raubmilben umgeben sich gerne mit "Freunden"

1. April 2012, 15:38
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Boku-Forscher zeigen: Milben sind effizienter bei der Nahrungssuche, wenn sie mit vertrauten Individuen zusammenleben

Wien - Auch winzige Gliedertiere umgeben sich lieber mit "Freunden" als unter Fremden ihr Dasein zu fristen. Zumindest bei Raubmilben reduziert das Zusammenleben mit vertrauten Nachbarn den alltäglichen Stress. Wie Markus Strodl und Peter Schausberger von der Abteilung für Pflanzenschutz der Universität für Bodenkultur in einer Studie zeigten, ermöglicht soziale Vertrautheit den einzelnen Raubmilben, sich besser auf andere Aufgaben, wie zum Beispiel die Nahrungssuche, zu konzentrieren und produktiver und effizienter zu sein.

Raubmilben (Phytoseiulus persimilis) leben in Gruppen auf Pflanzen und ernähren sich dort von pflanzenfressenden Spinnmilben. Während des Heranwachsens sind die Tiere einer Reihe von Stressfaktoren ausgesetzt. Dazu gehören auch die sozialen Interaktionen mit anderen Individuen der gleichen Art. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn die Tiere auf engen Räumen mit begrenztem Nahrungsangebot zusammenleben. Dann konkurrieren die Tiere um Nahrung, Lebensraum und zukünftige Paarungspartner.

Um solche Interessenskonflikte zu reduzieren, sind viele in Gruppen lebende Tiere in der Lage, vertraute und nicht-vertraute Individuen auf der Basis vorherigen Kontakts zu unterscheiden. Vertraute Individuen tendieren dazu, näher zusammenzubleiben. Strodl und Schausberger haben in ihrer Arbeit untersucht, ob bei Raubmilben eine vertraute soziale Umgebung während des Heranwachsens positive Auswirkungen auf die Entwicklung der Tiere hat.

"Freunde" bevorzugt

In drei Experimenten zeigten die Wissenschafter, dass soziale Vertrautheit wesentliche Auswirkungen auf das Gruppierungsverhalten und den Nahrungserwerb von Jungtieren hat. In gemischten Gruppen von vertrauten und nicht vertrauten Individuen unterschiedlichen Alters setzten sich die "Freunde" bevorzugt zusammen.

Das Gruppierungsverhalten war dabei vom Entwicklungsstadium abhängig: Larven setzten sich näher zusammen als ältere Individuen, die sogenannten Nymphen. Innerhalb von Gruppen bestehend aus vertrauten oder nicht-vertrauten Individuen gleichen Alters waren die Distanzen zwischen den vertrauten Milben geringer als jene zwischen den nicht-vertrauten Milben.

Jugendliche Prägungsphase

Bei gleicher Entwicklungsgeschwindigkeit und Körpergröße waren heranwachsende Milben, die in vertrauten Gruppen lebten, effizienter bei der Nahrungssuche, d.h. sie benötigten weniger Nahrung, als Tiere aus nicht-vertrauten Gruppen. Die Forscher identifizierten zudem eine sensitive Prägungsphase während des Larvenstadiums. Die in dieser Zeit etablierte soziale Vertrautheit erlaubte das spätere Wiedererkennen von "Freunden" bis ins Erwachsenenalter.

Die Erkenntnisse der beiden Wissenschafter, die im Fachmagazin "Naturwissenschaften - The Science of Nature" veröffentlicht wurden, unterstützen die Theorie, dass die soziale Vertrautheit die in Wechselbeziehung stehenden kognitiven, physiologischen und verhaltensbiologischen Kosten des Gruppenlebens reduziere und somit die Effizienz bei anderen Aufgaben steigere. (APA/red, derstandard.at, 1.4.2012)

  • Die Raubmilben (Phytoseiulus persimilis) macht sich über eine Spinnmilbe (Tetranychus Urticae) her. In einer vertrauten soziale Gemeinschaft gedeihen die Raummilben besser, wie eine aktuelle Studie nun nachweisen konnte.
    foto: mid-florida research and education center

    Die Raubmilben (Phytoseiulus persimilis) macht sich über eine Spinnmilbe (Tetranychus Urticae) her. In einer vertrauten soziale Gemeinschaft gedeihen die Raummilben besser, wie eine aktuelle Studie nun nachweisen konnte.

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