Walser kritisiert regionale Benachteiligung bei Schulwahl

29. März 2012, 14:32

Trotz Gymnasialreife würden Schüler absichtlich nicht an AHS aufgenommen

Wien - In Österreich gibt keine freie Schulwahl, behauptet Grünen-Bildungssprecher Harald Walser. Daran habe auch die Einführung der Neuen Mittelschule (NMS) nichts geändert. "In ganz Österreich" komme es vor, dass Schüler trotz Gymnasialreife keinen Platz an einer AHS bekommen, damit Hauptschulen bzw. NMS nicht zu geringe Schülerzahlen haben. Im Ö1-"Morgenjournal" belegte er seinen Vorwurf mit einem konkreten Fall aus Telfs im Tiroler Bezirk Innsbruck-Land.

Der Hintergrund, wieso laut Walser nicht alle AHS-reifen Schüler am Gymnasium angenommen werden: Die Gemeinden sind Erhalter der Pflichtschulen, die nach der Schülerzahl dotiert werden. Die Bürgermeister hätten deshalb Interesse daran, dass es dort möglichst viele Schüler gibt.

Walser ortet regionale Benachteiligung

In Wien sei das Angebot an AHS gut ausgebaut, hier komme es seltener zu solchen Problemen als im ländlichen Raum. "Das ist ein klassisches Beispiel der regionalen Benachteiligung von Kindern", so Walser zur APA. Schuld sei die ÖVP, die durch ihre Verweigerung, eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen einzuführen, verhindere, dass die Schüler annähernd gleiche Chancen bekommen.

In Telfs wurde 2002 ein Standortvertrag zwischen der Gemeinde, den Gymnasien Telfs und Stams sowie dem Landesschulrat als Vertreter des Bundes geschlossen, der die Schülerhöchstzahlen reglementiert. Demnach werden nicht mehr als 60 Schüler in Telfs und 90 Schüler in Stams aufgenommen. Der Vertrag sei 2002 auf Betreiben des Gymnasiums Stams ins Leben gerufen worden, weil seit damals in Telfs auch eine Unterstufe angeboten wird und Stams geringere Schülerzahlen fürchtete, erklärte der Telfer Bürgermeister Christian Härting.

Für das kommende Schuljahr hätten daher zwölf Schüler mit für den AHS-Besuch geeigneten Noten abgewiesen werden müssen. Weil es aber Proteste gegeben habe, sei eine Ausnahmeregelung getroffen worden, sagte Härting. Diese gelte aber nur für das kommende Schuljahr. (APA, 28.3.2012)

Share if you care
10 Postings
Dieser Standortvertrag ist schwer mit Verfassungswidrigkeit belastet.

Da sowohl der Landeeschulrat als auch das Gymnasium der ministeriellen Aufsicht unterstehen, würde ein Vorwurf auch die Ministerin treffen. Auf die (unabhängigen) Gemeinden als Pflichtschulerhalter kann man das nicht abwälzen, Herr Walser. Wen wollen Sie schützen?

Die neue Mittelschule muss ein Erfolg werden, koste es was es wolle.
http://gedaunknsplitta.blog.de

angaben bgm härting nicht korrekt

zur ergänzung:

die angaben von bgm. härting sind nicht ganz korrekt. der standortvertrag wurde auch und vor allem deshalb ins leben gerufen, weil man nicht will, dass keine "guten" schüler mehr für die neuen mittelschulen in telfs übrig bleiben, bzw. die neuen mittelschulen zu wenig schüler haben und klassen geschlossen werden müssten. dem gymnasium im stams ist dieser standortvertrag mitlerweile egal. stams musste auch in diesem jahr ca. 15 kinder abweisen. dort ist der andrang nach wie vor ungebrochen, weil es einfach eine gute schule ist.

entsetzlich finde ich, dass in telfs nicht mehr die schüler, eltern, noten oder schulkapazität entscheidend ist, ob man ins gymnasium kommt, sondern die politik.

arroganter HÄrting ...

... also Akademiker ist er mal nicht, bleibt offen, ob er überhaupt a Matura hat ... jedenfalls findet sich keine Biographie auf seiner Bürgermeister-Seite (durfte er vielleicht selber nicht ins Gymnasium - aufgrund der Noten?) ... nach dem Bericht in Tirol Heute kann man nur sagen, dass es wahrlich eine Frechheit ist, dass er heuer eine "Ausnahme" macht und dank seiner Gnaden heuer noch keiner unfreiwillig in die Neue Mittelschule muss. Jeder der Telfs und seine Bevölkerungszusammensetzung kennt, weiss warum wohl die Eltern nicht freiwillig Ihre Kinder in die Neue Mittelschule stecken wollen ... die Nationalkaderskifahrer trainieren auch net mit dem Landeskader. Es ist ein Betrug an den Schülern welche die Leistung für s Gym gebracht habn!

Schuld sei die ÖVP, die durch ihre Verweigerung, eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen einzuführen, verhindere, dass die Schüler annähernd gleiche Chancen bekommen.

Äh?

Wenn es wirklich eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen gäbe, dann wäre die Frage, ob man ins Gymnasium aufgenommen werden kann, doch hinfällig.

Ja und?

Keine Trennung in Gymnasium und Hauptschule -> Gemeinsame Schule der 10-14 jährigen -> Schüler bekommen alle annähernd die gleichen Chancen

Was ist daran nicht zu verstehen?

"Alle gleich Schlecht" ist ja nicht das Ziel - manche haben ja Willen und Potenzial für mehr.

Erstens glaube ich's nicht,

weil die "annähernd gleichen Chancen" auch im aktuellen differenzierten Schulsystem bestehen. Schließlich sind die Lehrpläne wortident und die Qualität des Unterrichts ist -- aus Sicht der "Abnehmer" (Ich unterrichte nur Oberstufenklassen und Erwachsene.) quer durch die Schulformen gleich. Gute Lehrer/innen gibt es da wie dort, schlechte auch. Schlechte Gymnasien kenne ich ebenso wie gute Hauptschulen und umgekehrt.

Zweitens verstehe ich nicht, wie man organisatorische Fehler in einem System mit dem Fehlen eines anderen Systems erklären will. Schuld sind die protektionistischen Maßnahmen für die NMS, nicht die Tatsache, dass das (gefragte) Gymnasium weiter besteht.

Eben.

Kapiert jetzt?

Was?

Ev. in ganzen Sätzen reden?

Dann besser verständlich!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.