Neue Immo-Steuer-Regeln im Überblick

Steuern auf Veräußerungs- und Spekulationsgewinne und andere steuerliche Maßnahmen erklärt der ÖVI

Mit 1. April treten in Österreich neue Regelungen bezüglich der Besteuerung von Immobilien-Verkaufsgewinnen in Kraft. Der Österreichische Verband der Immobilientreuhänder (ÖVI) hat im Folgenden die wichtigsten neuen Regelungen zusammengefasst:

1. Veräußerungs- und Spekulationsgewinn

Gewinne aus der Veräußerung privater Liegenschaften werden ab 1.4.2012 unbefristet besteuert. Bei Immobilien, die nach dem 31.3.2012 veräußert werden, ist hinsichtlich der Besteuerung zwischen "steuerverfangenen Immobilien", die ab dem 1.4.2002 (bzw. 1.4.1997) entgeltlich angeschafft wurden, und "Altfällen" zu unterscheiden. 

"Steuerverfangene Immobilien"

Im Regelfall unterliegen Immobilien, die ab dem 1.4.2002 angeschafft wurden (bzw. ab dem 1.4.1997, falls eine Teilabsetzung für Herstellungsaufwendungen in Anspruch genommen wurde) einer einheitlichen Immobilienertragsteuer in Höhe von 25% des Veräußerungsgewinns, der Differenz zwischen Anschaffungskosten und Verkaufspreis. Steuermindernd wirken sich Instandsetzungs- und nachträgliche Herstellungsmaßnahmen aus.

Geltend gemachte Absetzbeträge von Anschaffungs- und Herstellungskosten einschließlich jener AfA, welche bei der Berechnung der besonderen Einkünfte (Details siehe unten) abgezogen worden ist, sowie offene Teilabsetzbeträge für Instandsetzungsaufwendungen müssen hinzugerechnet werden.

Ab einer Behaltedauer von 10 Jahren kann eine Inflationsabgeltung in Höhe von 2% pro Jahr, insgesamt gedeckelt mit 50%, geltend gemacht werden, dh. ab dem 35. Jahr wird der Spekulationsgewinn mit 12,5% besteuert.

HINWEIS: Vor allem bei vermieteten Immobilien kann die Ermittlung des Veräußerungsgewinns im Regelfall nur in Zusammenwirken mit dem Steuerberater und Immobilienverwalter des Verkäufers ermittelt werden. Die Meldung und Abfuhr der Immobilien-Ertragssteuer hat durch den Parteienvertreter (Vertragserrichter) spätestens am 15. Tag des auf den Kalendermonat des Zuflusses zweitfolgenden Kalendermonats zu erfolgen.

"Altfälle"

Bei einem letzten entgeltlichen Erwerb vor dem 1.4.2002 (bzw. im Falle von geltend gemachten Teilabsetzungen gem § 28 Abs. 3 EStG 1.4.1997) wird pauschal der Veräußerungserlös (tatsächlicher erzielter Kaufpreis) besteuert.

• 3,5% vom Veräußerungserlös bzw.

• 15% vom Veräußerungserlös, wenn seit dem 1.1.1988 eine Umwidmung stattgefunden hat

Über Antrag ist es in jedem Fall möglich, den Spekulationsgewinn zu errechnen und diesen mit 25% zu versteuern oder aber auch mit dem Einkommensteuertarif zu veranlagen.

2. Befreiung von der Immobilien-Ertragsteuer

A) Hauptwohnsitzbefreiung

Wenn

  • eine Immobilie ab der Anschaffung mindestens zwei Jahre durchgehend bis zur Veräußerung als Hauptwohnsitz gedient hat

oder

  • 5 Jahre durchgehender Hauptwohnsitz in den letzten 10 Jahren vor Veräußerung gegeben ist,

fällt keine Immobilien-Ertragsteuer an.

B) Selbst erstellte Gebäude

Eine solche Steuerbefreiung ist auch für selbst erstellte Gebäude (Veräußerer hat die Bauherreneigenschaft) gegeben: Diese Gebäude dürfen aber in den letzten 10 Jahren vor Veräußerung nicht zur Erzielung von Einkünften aus Vermietung und Verpachtung verwendet worden sein.

C) Weitere Ausnahmen

Weitere Ausnahmen sind für Tauschvorgänge im Rahmen eines Zusammenlegungs- oder Flurbereinigungsverfahrens vorgesehen sowie für Anrechnung von Grunderwerbsteuern und Stiftungseingangssteuern sowie Erbschafts- & Schenkungssteuern der letzten 3 Jahre vor Veräußerung auf die Spekulationssteuer.

Die Erklärung der Steuer bzw. Meldung hat durch Selbstberechnung der Parteienvertreter über FinanzOnline zu erfolgen und ist bis 15. des zweitfolgenden Monats durchzuführen. 

3. Besondere Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

Wurden innerhalb von 15 Jahren vor der Veräußerung eines Gebäudes Herstellungsaufwendungen (Verbesserungen) gemäß § 28 Abs. 3 EStG 1988 auf 10 bzw. 15 Jahre oder in den Jahren 1997 bis 1999 verteilt abgeschrieben oder gegen steuerfreie Rücklagen verrechnet, so hat der Veräußerer die Differenz zwischen dieser erhöhten Abschreibung und der rechnerischen "Normal-AfA" für Herstellungsaufwand als "besondere Einkünfte aus Vermietung" zu versteuern. Wenn seit dem 1. Jahr, für das die Herstellungsaufwendungen in Zehntel- und Fünfzehntelbeträgen abgesetzt wurden, mindestens sechs weitere Jahre verstrichen sind, sind über Antrag diese "besonderen Einkünfte", beginnend mit dem Veranlagungsjahr, dem der Vorgang zuzurechnen ist, gleichmäßig verteilt auf drei Jahre anzusetzen.

4. Verlust der Zehntel- bzw. Fünfzehntelabsetzung

Wenn der Verkäufer für Instandsetzungs- und Herstellungsaufwendungen einen Antrag auf Absetzung in Teilbeträgen gemäß § 28 Abs. 2, 3 und 4 EStG 1988 (Zehntel- bzw. Fünfzehntelabsetzung) gestellt hat, geht das Recht der Absetzung der im Zeitpunkt des Verkaufes noch nicht geltend gemachten Zehntel- bzw. Fünfzehntelbeträge für den Verkäufer und den Käufer verloren.

5. Vorsteuerberichtigung und Umsatzsteuer

Vorsteuerbeträge, resultierend aus Anschaffungs- und Herstellungsaufwendungen, sowie aus Großreparaturen, sind bei Übertragung unter Lebenden innerhalb der nachfolgenden 19 Jahre anteilig zu berichtigen, für bereits vor dem 1.4.2012 genutzte bzw. verwendete Anlagegüter gibt es aber eine Übergangsvorschrift, die einen neunjährigen Berichtigungszeitraum vorsieht.

Bei unternehmerischer Nutzung des Rechtsnachfolgers (z.B. Zinshaus) kann die Vorsteuerberichtigung vermieden werden, indem 20% Umsatzsteuer zum Kaufpreis zusätzlich in Rechnung gestellt wird. Da die Umsatzsteuer Teil des Kaufpreises ist, muss im Kaufvertrag auf diesen Umstand Bezug genommen werden.

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9 Postings
Ja seid ihr noch zu retten ?

Im Einzelfall ist die Ermittlung der Immobilienertragssteuer derart kompliziert, daß der Gesetzgeber folgendes vorschreibt:
Beim Verkauf einer Immobilie m u ß der Notar oder ein Rechtsanwalt oder Steuerberater diese Steuer berechnen. Für alleine diese Berechnung ist ein Honorar von € 390,-(!) vorgesehen.

Es ist dem Verkäufer nicht gestattet auch im einfachsten Fall die 3.5%, 15% oder 25% vom Verkaufspreis selbst zu berechnen und an das Finanzamt abzuführen.

Idiotie zum Quadrat !

Kleine Korrektur

Im Artikel wird als Stichtag zur Unterscheidung von Alt- und Neuvermögen der 1.4.2002 genannt. Dieser Stichtag ist falsch. Richtig wäre der 31.3.2002. Als Altvermögen gelten Immobilien die vor dem 31.3.2002 angeschafft wurden. Alle anderen Immobilien zählen zum Neuvermögen. Weitere Hinweise bezüglich Immobilienertragsteuer finden sich auf <a href="http://www.wien-steuerberater.at">http://www.wien... </a>

Mein Vater hat von seinem Opa sein Haus ...

... am Land geschenkt bekommen.

Das war jetzt vor 35 Jahren. Der Opa lebt schon lange nicht mehr, und das Haus wird von uns manchmal im Urlaub genutzt. Für meinen Papa ist der verkauf aus Sentimentalen gründen immer außer frage gestanden. Also hat er um laufe der Jahre viel Geld für die Erhaltung des Hauses ausgegeben. Nachdem ich aber keine Kindheitserinnerungen habe die mich daran binden, werde ich es wohl eines Tages verkaufen.

Mit dieser neuen Regelung werden mir aber kräftigst Steuern auferlegt und das obwohl wohl niemand ernsthaft behaupten kann, dass es sich bei dem Haus um ein Spekulationsobjekt handelt. Aus wirtschaftlicher Sicht, kann man den Erhalt eines Ferienhauses wohl wirklich nur als Liebhaberei klassifizieren.

Dann wird halt beim Verkauf

viel Sch***zgeld fließen müssen?!

50%ige steuerreduktion für die wahren immo-spekulanten...

BRAVO!

Zuzüglich Inflationsabschlag !!!

Ergibt eine Steuerermäßigung bis zu 75% im Vergleich mit der früheren Gesetzeslage. Die Immobilienspekulanten (und das sind in erster Linie die Banken) sind die großen Gewinner des Sparpakets!

Vorsteuerberichtigung

Wurde die Steuergesetzänderung nicht auf 1.9.2012 verlegt? Als Kniefall vor mächtigen Lobbyisten.

Und in welchem Paragraph findet sich die Bestimmung? Das UStG ist schon dermaßen kryptisch, dass nur mehr eine kleine erlesene Schar den Durchblick hat. Leute, die in ihrem Berufsleben keine andere Aufgabe haben, als die Beschäftigung mit dem UStG. Nach dem aber alle ihr steuerliches Verhalten richten sollen. Auch eine Form der Entmündigung des Bürgers.

Die Evidenzhaltung über zwanzig Jahre wird spannend!

Selbst erstellte Gebäude steuerfrei!

Das ist ja die voll geniale Förderung der Schwarz-Errichtung von Gebäuden! Die sowieso bereits grundelnde Baubranche wird noch mehr ins Kriminal abgleiten. Bravo!

... ganz im Gegenteil!

Die eigene Bauherrenschaft für die Selbsterstellung wird man über Rechnungen von Baumeistern und sonstigen Professionisten dem FA belegen müssen.

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