Kinder im Krankenhaus

29. März 2012, 11:20
  • Die Mutter als Medizin ist längst anerkannt. Eltern dürfen heute 
bei ihren Kindern im Spital bleiben.
    foto: apa/helmut fohringer

    Die Mutter als Medizin ist längst anerkannt. Eltern dürfen heute bei ihren Kindern im Spital bleiben.

Viele Eltern müssen ihre Kinder aus beruflichen Gründen alleine im Krankenhaus lassen - Das Recht auf Pflegefreistellung gibt es nicht

Wie schwierig die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist, vor allem wenn Kinder ins Krankenhaus müssen, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage von KiB children care. 1000 in Österreich lebende Eltern wurden befragt, 12 Prozent davon waren Männer, 88 Prozent Frauen. 48 Prozent aller befragten Personen im Angestelltenverhältnis sind teilzeitbeschäftigt. Für die Betreuung erkrankter Kinder zeigen sich nach wie vor Frauen zuständig.

Der Großteil der Befragten signalisierte hohen Druck durch die gegensätzlichen Anforderungen von Beruf einerseits und Kinderbetreuungspflichten andererseits. Fast jeder Zweite gab an, im letzten Jahr keine Pflegefreistellung beantragt zu haben.

Pflegefreistellung mindert Aufstiegs-Chancen

Je kleiner das Unternehmen, desto stärker war der Druck, auf eine Pflegefreistellung zu verzichten. Beinahe die Hälfte der Befragten mit zwei Kindern gab an, dass sich eine Pflegefreistellung negativ auf die Karriere auswirke, wobei die Akzeptanz durch den Arbeitgeber in Vorarlberg am größten und in Wien am geringsten ist. Viele gaben auch an, erst gar keine Freistellung für die Betreuung ihrer kranken Kinder beantragt zu haben. Einige der Gründe: "Es gibt keine Vertretung für mich" "Arbeite in einem Kleinbetrieb" "Wäre dann Mitarbeiter 2. Klasse" "Wäre eine Belastung für die Kollegen" "Habe ein schlechtes Gewissen meinem Arbeitgeber gegenüber ".

Betreuungskrise für Eltern

Noch größer ist der Druck, wenn Kinder ins Krankenhaus müssen: 55 Prozent der Ein-Kind-Familien und 78 Prozent der Familien mit drei bzw. vier Kindern gaben an, dass ein Kind schon einmal unerwartet ins Krankenhaus musste. Rund die Hälfte der Eltern konnte ihr Kind dabei nicht begleiten. Häufig sind vor allem berufliche Gründe dafür verantwortlich.

Die Umfrage zeigt, dass Eltern hier Entlastung brauchen. Der größte Wunsch der Befragten ist die Möglichkeit der Pflegefreistellung bei Mitaufnahme in einem Krankenhaus. Vielfach wird auch eine Gesetzesanpassung bzw. eine Ausweitung der Pflegefreistellung für Mehrkindfamilien gefordert.

Eltern sind die beste Medizin

Seit über 25 Jahren setzt sich KiB children care, Interessensvertretung rund erkrankte Kinder, für die Begleitung des Kindes im Krankenhaus ein. Die Mutter als Medizin ist längst anerkannt. Dieser Auffassung wurde auch im Krankenanstaltengesetz Rechnung getragen. Eltern dürfen heute bei ihren Kindern im Spital bleiben.

Nur im Gesetz zur Pflegefreistellung fand die Begleitung eines Kindes im Krankenhaus noch keinen Eingang. KiB GF Schausberger zieht ein Resümee aus der aktuellen Umfrage: "Die Gesundheit der Kinder soll für uns alle an erster Stelle stehen. Das Recht auf Pflegefreistellung bei der Begleitung im Krankenhaus sollte gesetzlich festgelegt werden". (red, derStandard.at, 29.3.2012)

Podiumsdiskussion am 31.März 2012 im JUFA Gästehaus Graz: Wie viel Mama braucht ein krankes Kind?

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24 Postings
ich war als Kind eine Woche im Spital allein

in der DDR war das usus. Ich hab viel geheult. meine Eltern kamen ein paar Stunden pro Tag. Heute noch sagt meine Mutter noch, dass sie ein schlechtes Gewissen hatte. Eine meiner scheußlichsten Erinnerungen.

Nicht nur die Unternehmer gehören hier in die Pflicht genommen,

sondern auch die Eltern. Viele, hier spreche ich vorallem von Männern, nehmen sich in ihrem Job zu wichtig und glauben, dass man keinen Pflegeurlaub nehmen kann, weil sonst der Betrieb den Bach runter geht! –Falsch!!! Denn jeder ist ersetzbar. Wenn ich mir vorstelle, dass meine Tochter alleine im Krankenhaus ist, weil ich arbeiten muss/soll, dann muss ich mir auch denken, dass etwas mit mir nicht stimmen kann. Mir ist es doch viel wichtiger, dass es meiner Tochter gut geht, als, dass es in der Firma für ca eine Woche etwas stressiger ist, weil ich nicht da bin. Tja, wenn man selbst glaubt, dass die Arbeit wichtiger ist, als das eigene Kind, dann hat nicht das Unternehmen, in d

Schön, dass Sie diese Einstellung pflegen und umsetzen können

Bei mir sieht die Realität anders aus:Es gibt in der Regel niemanden, der/die mich bei ungeplanter Abwesenheit kurzfristig ersetzen kann. Bin ich eine Woche weg, muss ich die liegengebliebene Arbeit in unbezahlten Überstunden möglichst rasch nachholen, was auch nicht grad familienfreundlich ist. Lange vereinbarte Termine für Interviews, Workshops etc. müssen im besten Fall verschoben, im schlimmsten Fall ausfallen. Und der/die Auftraggeber reagieren auf solche Komplikationen auch nicht immer grad mit dem größten Verständnis...
Hier gehts nicht darum, ob mir der Job (zu) wichtig ist, sondern ob ich ihn behalten will - und ob es bessere Alternativen gibt.

Sie sehen die Schuld also bei den lohnabhängigen Arbeitnehmern?!

Ich möchte hier wieder nur hervorheben:

bitte! - einfach keine Kinder mehr zeugen - alle Nischen wird man mit Migration auch nicht stopfen können -
und wenn die Gesellschaft langsam den Bach runter geht,
dann reißt es auch die Unternehmer mit!
Sollen DIE doch dann versuchen den Bedarf mit Indern, ...
zu decken!

keine schöne vorstellung, das eigene kind alleine stationär im kh zurücklassen zu müssen, ich möchte nie in so einer situation stecken.
es war schon schlimm genug, meinen sohn ohne mich in die ambulanz eines kh zu schicken, weil ich - aus personalmangel - nicht für 2 std. meinen arbeitsplatz verlassen konnte.

Die grausamsten und ekelhaftesten in der Zeit wo meine Kinder klein waren, waren Kolleginnen und Weibliche Vorgesetzte ohne Kinder. Mit bei mir diagnostiziertem "Burn Out Syndrom"war der einziger Kommentar :ich beneide sie um ihr Leben.

Manchmal kommt mir vor, man wird fürs Kinderhaben bestraft.

da muss ich frau rehak recht geben, mir ist dieser gedanke das eine oder andere mal auch schon gekommen.

Gleich viel Pflegefreistellung für Familien mit unterschiedlich vielen Kindern müsste doch gleichheits- und damit verfassungswidrig sein.

Für Angestellte aufgrund §8/3 Angestelltengesetz kein so großes Problem, aber es gibt ja nicht nur Angestellte.

Das habe ich gar nicht gewusst. Ich dachte, die Tage sind für jedes Kind extra. Das ist ja noch krasser als gedacht.
Früher hat es in der UdSSR in den Kindergärten auch Krankenstationen gegeben. Das war ein eigenes Zimmer, wo kranke Kinder im Bett liegen konnten und von einer Krankenschwester versorgt wurden.
Nicht, dass ich es jetzt befürworten würde, dass die Arbeit der Mutter wieder über alles geht und dass man das wieder einführen sollte, aber immerhin hat man sich drauf eingestellt.
Eltern, die den Pflegeurlaub aufgebraucht haben, bleibt eigentlich nur, die Kinder ins Krankenhaus zu legen, oder wenn sie nur ein bisschen krank sind, trotzdem in die Schule/Kindergarten zu stecken.

Wie auch immer: Das derzeitige Gesetz ist indiskutabel.

so wie wir mit unseren Kindern umgehen - wir bekommen alles zurück -

später, aber sicher, wenn Kinder klein sind, können sie sich ja nicht wehren, sind ein paar Jahre vergangen, dann wirds interessant

"Die Mutter als Medizin ist längst anerkannt."

dieser satz schokiert mich.

"Viele gaben auch an, erst gar keine Freistellung für die Betreuung ihrer kranken Kinder beantragt zu haben."

Pflegefreistellung wird nicht beantragt, sondern wird einfach in Anspruch genommen.

Das nutzt aber nichts, wenn man dafür in der Firma "abserviert" wird. Das geht anscheinend nur in größeren Betrieben gut.

Oft gibt es dafür auch liebe Omas und Opas, die sich gern um ihre Enkel sorgen!

Bei den spät Gebärenden sind die Omas u. Opas zu alt

und selbst schon anfällig auf Krankheiten

Es ist gerade umgekehrt. Die spät Gebärenden warten darauf, dass die Oma in Pension ist, weil sie vorher selbst arbeitet.

viele omas und opas müssen selbst arbeiten...

hilft oft nicht

Großeltern wohnen auch oft weit weg, sind auch mal (zufällig zur selben Zeit) krank .. alles schon erlebt.
Und wenn Kinder krank sind, sind diese in den Kinderbetreuungs-/Bildungs-Einrichtungen klarerweise nicht versorgt. Zumindest Teilzeit arbeiten fast alle Eltern (zumindest in meiner Umgebung), da wird es dann mit der Betreuung mangels Möglichkeiten zum (Pflege-)Urlaub schnell mal eng.
Fazit: kein Wunder, dass die Geburtenrate so niedrig ist. Familie ist in unserer superflexiblen Gesellschaft noch immer sehr schlecht mit dem Berufsleben vereinbar.

oder ein Kündigungsgrund bzw. nicht Einstellungsgrund

schon etwas von berufstätigen großeltern gehört?

DAS ist allerdings nicht so und wird leider leider viel zu selbstverständlich angenommen!

und oft auch nicht

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