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Einige Neurowissenschaftler bezeichnen das Bauchhirn als Kopie der Gehirnes im Kopf.
Hören Sie auf Ihren Bauch, wenn Sie gezwungen sind, eine Entscheidung zu treffen? Dann besitzen Sie den sogenannten sechsten Sinn, einen gesunden Hausverstand oder handeln ganz einfach intuitiv. Der menschliche Darm ist für dieses Sensorium verantwortlich. Er gilt als das Zentrum menschlicher Emotionen.
Genau genommen ist der menschliche Magen-Darm-Trakt ein neurologisches Organ, besitzt er doch ein eigenes, enterales Nervensystem, in dem sich mehr als 100 Millionen Nervenzellen befinden. Völlig autonom werden damit sämtliche Verdauungsvorgänge koordiniert und Nachbarorgane nebenbei noch involviert. Über den Nervus vagus und die sensiblen Rückenmarksnerven steht der Bauch zwar mit dem Gehirn in Verbindung, Einmischungen von oben erfolgen aber nur in Ausnahmefällen, beispielsweise wenn nach Aufnahme von verdorbener Nahrung Erbrechen für eine rasche Entfernung sorgen soll.
Der Bauch als Steuerzentrale
Ganz salopp wird dieses komplexe enterische Nervensystem vom Volksmund auch "Bauchhirn" genannt. "Seit dem bekannten Buch von Michael Gershon, 'Der kluge Bauch', herrscht ein regelrechter Hype um dieses zweite Gehirn", sagt Peter Holzer, Leiter der Forschungseinheit für Translationale Neurogastroenterologie an der Medizinischen Universität in Graz. Einige Neurowissenschaftler bezeichnen das Bauchhirn gar als Kopie des Gehirnes im Kopf und begründen diese Annahme auf der neurochemischen Ähnlichkeit. "Der Bauch ist eine zweite Steuerzentrale, kann aber weder denken noch kreativ sein", sagt Holzer und bezeichnet die Struktur des "Bauchhirns" im Vergleich zum Kopfhirn als primitiv. Gemeinsam hat das Gehirn mit dem Bauch im Wesentlichen eines: die autonome Verarbeitung von Nervenimpulsen.
Die Redewendung "aus dem Bauch heraus entscheiden" impliziert jedoch den Verdacht, der Bauch sei eventuell doch zu irgendeiner kognitiven Leistung fähig. Tatsächlich handelt es sich bei "Bauchentscheidungen" jedoch um rein intuitive Prozesse, die im Gegensatz zu kognitiven Entscheidungen wesentlich schneller und auch müheloser getroffen werden. Der Begriff "Bauchhirn" ist demnach nicht wirklich korrekt. Vielmehr sollte vom Bauchgefühl die Rede sein.
Umfangreicher Datentransfer
"Die Neurogastroenterologie geht davon aus, dass Informationen, die vom Bauch ins Gehirn gelangen, die emotionale Situation eines Menschen unbewusst mitbestimmen", betont der Grazer Experte. Dieser Datentransfer funktioniert über die sogenannte Darm-Hirn-Achse und ist ausgesprochen umfangreich. Im Nervus vagus gehen 90 Prozent der Informationen vom Bauch zum Gehirn. Umgekehrt werden gerade einmal zehn Prozent weitergeleitet. "Eine Reihe psychosomatischer Beschwerden werden seit langem auf die Hirn-Darm-Achse zurückgeführt", beschreibt Holzer, wie sich Ärger beispielsweise auf den Magen schlagen kann.
Der Fokus der Neurogastroenterologie liegt auf der umgekehrten Richtung, der Darm-Hirn-Achse und in diesem Zusammenhang auch auf funktionellen Darmerkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom oder funktionelle Dyspepsien - Erkrankungen, für deren Symptome sich keine organischen Ursachen finden lassen. "Noch immer wird darüber diskutiert, ob funktionelle gastrointestinale Störungen primär ein Hirn- oder aber ein Darmproblem sind", so Holzer. Er geht davon aus, dass Krankheit und seelische Gesundheit in einem Kreislauf wechselseitig aufeinander einwirken.
Einfluss durch das Darmmikrobiom
Mittlerweile wissen Neurogastroenterologen auch, dass nicht nur die Nervenzellen im Darm, sondern auch das Immunsystem und Darmhormone mit dem Gehirn kommunizieren. Diese beiden ergänzenden Informationskanäle stehen unter dem Einfluss des Darmmikrobioms, das die Gesamtheit der Mikroflora im Darm repräsentiert und zwischen 800 und 1.000 verschiedene Bakterienarten beinhaltet.
"Neuere Untersuchungen zeigen, dass das Ernährungsverhalten Veränderungen im Darmmikrobiom mit sich bringt und diese Veränderung wiederum Einfluss auf das psychische Wohlbefinden nimmt", konstatiert Holzer. In experimentellen Studien zeigt sich auch, dass die Vielfalt der Mikroorganismen in der Darmflora abnimmt, wenn ein Reizdarmsyndrom vorliegt. "Wir wissen, dass das System stabiler ist, wenn das Darmmikrobiom im Gleichgewicht ist", so der Experte. Offen bleibt also nach wie vor die Frage: Hat der Patient Beschwerden, weil sich seine Darmflora verändert hat, oder aber verändert sich seine Darmflora aufgrund der Beschwerden? In jedem Fall ist der Darm hinkünftig nicht mehr ausschließliche Angelegenheit von Gastroenterologen. "Auch Psychiater sollen den Bauch nicht aus den Augen verlieren", ergänzt Holzer abschließend. (Regina Philipp, derStandard.at, 4.4.2012)
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Im Endeffekt ist es egal. Sobald man an einem Punkt ansetzt und etwas verändert, wird sich die Gesamtsituation ändern.
Am besten man arbeitet an beidem gleichzeitig, Körper und Psyche.
Seit ich meine Darmflora saniert habe, vertrage ich wieder alle Lebensmittel, und auch sonst gehts mir wesentlich besser.
und gibt sehr interessante Töne von sich...mag sein dass er nach einer Möglichkeit sucht, sich verständlich zu machen.
Auf alle Fälle habe ich mir mir diesbezüglich bereits einen Reim drauf' gemacht: je größer der Bauch - umso intelligenter--> ich bin daher überdurchschnittlich intelligent, aber ich kann Hrn. Mag. Gruber von den "Science Busters" noch lange nicht das Wasser reichen...
- das Nervengeflecht sitzt nämlich nicht im Darm, sondern im Bereich des Magens und heißt "Solarplexus". Hier kommen Gefühlsreaktionen an und werden in den Körper weitergeleitet.
Der "Darm" ist kein "Bauchhirn"; er ist nicht isoliert zu betrachten: sämtliche Verdauungsorgane und ihr Zusammenspiel hängen mit der Solarplexus-Steuerung zusammen. Daher "schlägt" dem einen "etwas auf den Magen", der zweite hat Durchfall, beim dritten kneift der Unterbauch, und der vierte muss dringend die Blase entleeren.
den letzten satz kann ich nur unterstreichen. allen, die sich immer auf ihr "Bauchgefühl" verlassen (meistens sind das Frauen) Kaum ein Gefühl kann so täuschen wie das Gefühl im Bauch. Ist einmal eine psychische Beeinträchtigung vorhanden, wird sie sich auch im Bauch bemerkbar machen. Das macht die Sache nicht gerade einfacher.
Nicht das du unrecht hast, aber mir fällt dabei einfach nur das hier ein:
http://www.youtube.com/watch?v=r88IHtk5L0c
"Dann besitzen Sie den sogenannten sechsten Sinn, einen gesunden Hausverstand oder handeln ganz einfach intuitiv. Der menschliche Darm ist für dieses Sensorium verantwortlich. Er gilt als das Zentrum menschlicher Emotionen."
Interessanterweise wird am Anfang des Artikels eine Behauptung aufgestellt, die im weiteren Artikel (vor allem in den Zitaten der Experten) absolut nicht vorkommt.
Zentrum menschlicher Emotionen?
Hätte der Darm tatsächlich eine entscheidende Rolle an der Bildung von Emotionen, würde man wohl beobachten können, dass Querschnittgelähmte ein nicht so reiches emotionales Leben hätten. Das ist - meines Wissens nach - nicht der Fall.
Den ständigen Bezug auf Redewendungen finde ich übrigens ein wenig peinlich.
Wie immer wird es populärwissenschaftlich stark vereinfacht. Aber die Signale vom Bauch können schon sehr stark auf die emotionale Ebene im Gehirn eingreifen. Die Behauptung, dass es der Sitz der Emotionen ist, ist weit daneben.
Den (oftmals leider vor allem negativen) Einfluss auf die Psyche durch Verdauung(sprobleme) kann aber sehr stark sein. Umgekehrt können gute Emotionen die gefühlten Probleme (z.B. Magenkrämpfe) stark verringern. Es besteht also durchaus ein Zwiegespräch und gegenseitige Beeinflussung von Hirn und Darmhirn.
Ich finde die Bezeichnung Hirn für das Nervengeflecht ein wenig übertrieben aber der Begriff verkauft sich besser.
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