ÖH-Plan: Schöne neue Hochschulwelt

Kommentar |

Ein buchstäblicher Gegenentwurf zum Entwurf des Wissenschaftsministers

Es geht auch anders. Das ist der programmatische erste Satz des 170-Seiten-Konvoluts des Forum Hochschule, in dem auf Initiative der ÖH Studierende, Lehrende, Experten und Vertreter des gesamten Hochschulbereichs ihre Version eines Hochschulplans darlegen.

Es ist der buchstäbliche Gegenentwurf zum Entwurf des Wissenschaftsministers, der seine Vorstellungen für einen Gesamtplan für das österreichische Hochschulwesen noch mit der SPÖ abgleicht. Wo die Regierung auf Expertise top down, ausgehend von einem schweizerisch-deutschen Expertentrio, setzte, praktizierte die Hochschülerschaft Wissensgenerierung bottom up, indem verschiedenste Betroffenheiten, aber auch Analyseperspektiven eingebracht wurden. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es ist ein ambitioniertes und anspruchsvolles Kompendium. Es ist eine idealistische Vision.

Das zeigt sich auch daran, wie Ministerium und Forum das größte Problem, die Finanzierung, angehen: diametral. Karlheinz Töchterle geht von begrenzten Kapazitäten aus - Platz oder Geld, irgendwas ist immer knapp -, die ÖH inthronisiert die Studierendenzahl als absolute Größe, an der sich alles andere zu orientieren hat. Sie argumentiert das auch alles stringent. Und sie hat recht: Es geht auch anders. Das Andere denken ist ein souveräner Akt der Selbstermächtigung, selbst wenn der schöne Traum von der nach oben offenen Budgetskala an der Realität zerschellen wird. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 28.3.2012)

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