Späte Erkenntnis bei Derivaten

Kommentar | András Szigetvari, 28. März 2012, 19:21

Fast vier Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise kommt nun die Versicherungspflicht für riskante Finanzprodukte

Fast vier Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise wird die EU am Donnerstag eines der bisher wichtigsten Regelwerke zur Verhinderung künftiger Krisen beschließen. Im Gegensatz zu dem Trommelwirbel rund um andere wirtschaftspolitische Themen, wie die Finanztransaktionssteuer, geschieht die Aktion still und leise. Vielleicht halten Politiker die Materie für zu komplex. Schade: Die Verordnung zur Regulierung des 530 Billionen Euro schweren Derivatemarktes ist ein großer Wurf.

Zur Erinnerung: Die Geschäfte mit US-Hypotheken waren ein Auslöser der Krise. Im Zentrum dieser Deals standen häufig Derivate. Die Rettung des Versicherungskonzerns AIG im Jahr 2008 war mit umgerechnet 136 Milliarden Euro die teuerste Löschaktion während der Krise. Im Zentrum der AIG-Geschäfte standen Derivate.

Versicherungspflicht für riskante Finanzprodukte

Die EU macht, was möglich ist. Sie setzt nicht einfach Verbote ein, womit Umgehungshandlungen gefördert werden, sondern zwingt dem Sektor mehr Transparenz auf. Zugleich versucht sie Stabilität zu schaffen, indem sie für Derivatehändler eine Versicherungspflicht einführt.

Der erste Schritt ist getan. Damit die Regelungen Wirkung entfalten, kommt es auf die Finanzaufseher an, die sie umsetzen müssen. Die europäischen Aufseher hatten die Vorzeichen der Krise jedoch nicht erkannt. Ihr Glauben an das bedingungslose Funktionieren der Märkte war zu stark. Vorschusslorbeeren sind daher nicht angebracht. (András Szigetvari, DER STANDARD, 29.3.2012)

heisst Versicherungs-Pflicht CDS kaufen

nett, aber unnütz

Die neuen Regeln für Derivate mögen ja ganz nett sein, einer neue Finanzmarktkatastrophe werden sie aber sicher nicht im Weg sein:

Das Problem der Derivate war und ist nicht deren inhärente riskante Natur oder das Umfeld, in dem sie gehandelt werden, sonder die Tatsache, daß man derartige Produkte jeder Pimperlinstitution (kleine Banken, Gemeinden etc.) andrehte mit dem Versprechen tolle Renditen zu lukrieren und jeder dieser Pimperlinstitutionen (z.B. Kommunalkredit) dann auch noch so dumm war, diese Risken in vollen Umfang zu tragen, weil sie renditegeil waren.

Wollte man Finanzkrisen limitieren, müsste man sehr klar vorgeben, wer welche Instrumente generieren/handeln/kaufen/verkaufen darf. Alles andere ist nett, aber unnütz.

uebersetzung

eu erhoeht den leverage um die krise und die risken zu maximieren.

Versicherungspflicht

gut und schön, aber das sind ja auch wieder Derivate. Genauso wie der Gedanke, daß Aktienstreubesitzer aus Eigennutz die Manager kontrollieren würden sich als unbrauchbar erwiesen hat (u.a. wegen Informationsungleichgewichten), wird die Idee, daß die "Versicherungen" durch ihre Prämien die Derivathändler zu gesamtwirtschaftlich poisitivem Handeln zwingen werden, nicht funktionieren (siehe Rating Agenturen). Dennoch: ein wichtiger Schritt, einer von vielen, die bereits getan wurden (noch viele andere fehlen), aber weil nicht so leicht eingängig wie "Finanztransaktionssteuer" kaum berichtet werden.

Quatsch, das ist kein großer Wurf, das ist der Sieg der Finanzindustrie-Lobby auf ganzer Linie.

Wer sollen denn diese Clearingstellen sein?

Versichern sich Banken gegenseitig oder wird wie immer der Staat für die Ausfälle haften?

WIE wird die versicherungspflicht durchgesetzt? über börsenzwang? ... - a paar INFOS wären schon net schlecht. oder wenigstens ein link!

danke. sehr lieb. DEN hab ich später auch gefunden. bin chronologischverkehrtleser ;-)

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