Folgen des kurzen Gerichtsjahrs für Richterausbildung noch nicht klar

24. Mai 2012, 16:38
posten

Folgen des kurzen Gerichtsjahrs für Richterausbildung noch nicht klar

Wien (APA) - In APA203 muss es der zweite Satz des letzten Absatzes wie folgt präzisiert werden: "wurden seit 2011 IM SPRENGEL DES OLG WIEN bis zu 14 Anwälte...". Im Anschluss ist der Satz einzufügen: "Bundesweit waren es rund 30."

KORRIGIERTE FASSUNG

Folgen des kurzen Gerichtsjahrs für Richterausbildung noch nicht klar Utl.: OLG-Vize Jelinek: Potenzielle Bewerber haben kürzere Bedenkzeit - Staatsanwälte: Derzeit je fünf Posten in StA Wien und Korruptions-StA vakant

Wien (APA) - Ob und wie sich die zuletzt wieder rege diskutierte Verkürzung des Gerichtsjahres auf die Ausbildung künftiger Richter und Staatsanwälte auswirkt, ist nach Ansicht von Gerhard Jelinek, Vizepräsident des Oberlandesgerichts Wien, derzeit noch nicht zu beurteilen. Momentan fahre man in der Arbeit mit Richteramtsanwärtern noch mit einem Mischsystem aus der alten Gerichtspraxis (neun Monate) und der neuen (fünf Monate), sagte er am Mittwoch in einem Hintergrundgespräch. Es zeichnet sich aber offensichtlich ab, dass den Jungjuristen für die Entscheidung für eine Karriere in der Justiz nicht mehr ganz so viel Zeit bleibt.

Früher hätten sie im Rahmen des Gerichtsjahres "oft nach drei, vier Monaten" festgestellt, dass dieser Berufsweg das Richtige für sie ist. Heutzutage blieben mitunter nur "14 Tage Bedenkzeit", so Jelinek.

Rund vier Jahre dauert die Ausbildung zum Richter oder Staatsanwalt. Bei der Zahl der Richteramtsanwärter orientiere man sich "am voraussichtlichen Bedarf", erläutert Jelinek, könne durch diese vierjährige Vorlaufzeit aber nicht unmittelbar auf geänderte Rahmenbedingungen reagieren. Beispiel: Die 2008 in Kraft getretene Novelle der Strafprozessordnung (StPO) habe einen deutlich höheren Personalbedarf in den Staatsanwaltschaften gebracht - dafür habe es schlicht nicht genügend Bewerber gegeben. Erfahrungsgemäß wechseln "zehn bis zwanzig Prozent" der Richteramtsanwärter "gerne zur Staatsanwaltschaft - aber ein Drittel wäre nötig".

Nicht zuletzt deshalb hat man in jüngster Zeit auch bei Rechtsanwälten um einen Wechsel in die Justiz geworben. Laut Ministeriumssprecherin Dagmar Albegger wurden seit 2011 im Sprengel des OLG Wien bis zu 14 Anwälte in den Justizdienst übernommen. Bundesweit waren es rund 30. In der Staatsanwaltschaft Wien sind dem Ministerium zufolge derzeit fünf Planstellen vakant, wobei dies auf Karenzen zurückzuführen sei: Im vergangenen November habe man "Vollstand" verzeichnet. In der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sind nach Auskunft dessen Sprechers derzeit ebenfalls fünf Planstellen (von insgesamt 21) vakant. Mittelfristig sind dort 40 Posten vorgesehen. Ulrich sieht seine Behörde "auf einem guten Weg: Die vergangenen Monate haben wir jeden Monat einen Kollegen aufgenommen".

(Schluss) ks/jul

 

Share if you care.