Varroa destructor gefährdet 300.000 Bienenvölker

31. März 2012, 18:02
  • Ein erwachsenes Varrao-Weibchen auf einer Bienenlarve.
    foto: uwe dettmar

    Ein erwachsenes Varrao-Weibchen auf einer Bienenlarve.

Deutsche Experten erwägen Einsatz "härterer" Mittel, um die parasitäre Milbe zu bekämpfen

Frankfurt - Nachdem über den Winter bis zu 30 Prozent aller Bienenvölker in Deutschland der Varroamilbe (Varroa destructor) zum Opfer gefallen sind und einzelne Imker sogar alle ihre Völker verloren haben, trafen sich am Institut für Bienenkunde der Goethe-Universität Frankfurt am Main 20 Wissenschafter aus ganz Deutschland zu einer Krisensitzung. Die Ergebnisse ihrer Diskussion zur Situation der Bienenhaltung und Lösungskonzepte zum Varroa-Problem stellten sie auf der 59. Jahrestagung der AG Bieneninstitute an der Universität Bonn vor.

Die ursprünglich in Asien beheimatete und nur Bienen befallende Parasitin Varroa destructor bildet die größte Gefahr für die mitteleuropäischen Bienenvölker. Die 1,6 Millimeter kleinen Spinnentiere beißen sich an Bienen bzw. Bienenlarven fest und saugen diesen die Hämolymphe - das Insekten-Äquivalent von Blut - aus. Auch Viren können dabei übertragen werden. Ohne effektive Behandlung kann die Varroamilbe ein befallenes Volk zugrunde richten. Die Wissenschafter erwarten für das Jahr 2012 bedrohliche Verluste im Umfang von 20 bis 30 Prozent aller Völker - also fast 300.000 Bienenvölker. Die Bekämpfung der Milbe ist daher eines der vordringlichen Ziele der Forschung, doch gibt es noch kein Patentrezept, mit dem die betroffenen Imker ihre Völker retten können. 

Härtere Mittel gefragt

Einige Forscher beobachteten eine deutliche Zunahme der Varroamilben: So gingen in einer Langzeitstudie des Instituts für Bienenkunde der Goethe-Universität in einem hessischen Landkreis die Varroabefallszahlen steil nach oben. "Dieses Jahr haben wir so viele Milben gezählt, wie in keinem der Jahre seit 2008 zuvor. Wir müssen dringend etwas tun", fasst Bernd Grünewald, Leiter des Instituts für Bienenkunde in Oberursel, die Ergebnisse zusammen.

Inzwischen wird auch an die Zulassung von Medikamenten gedacht, die in anderen Ländern bereits eingesetzt werden, allerdings neue Probleme wie Rückstände im Wachs oder medikamentenresistente Milben mit sich bringen könnten. Werner von der Ohe, Leiter des niedersächsischen Bieneninstituts in Celle und Vorsitzender der AG Bieneninstitute, dazu: "Wir brauchen modulare Behandlungskonzepte und dürfen nicht vor Tabus haltmachen. Neben den 'weichen‘ Milbenbekämpfungsmitteln wie der Ameisensäure und den ätherischen Ölen müssen wir ernsthaft über den Einsatz 'harter' Medikamente nachdenken." (red, derStandard.at, 31.3.2012)

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hab mich mal mit einem Imker unterhalten...

hm, die Varroa Milbe...

da gebe es eine spezielle Möglichkeit die Bienenvölker zu pflegen... Teile des Volkes zu opfern, eine gesonderte Art den Stock zu bauen welcher dann zu gewissen Zeitpunkten teilweise entfernt wird...

> ist halt alles aufwändig... und das machen halt z.t. nur die kleinen Imker... <

er fragt sich halt... wie überhaupt solche geforderten Mindestmengen (gef. von div. Großhandelsketten) von Imkern produziert werden können... wo da der Honig in dieser Qualität herkommt ()...

Diverse Chem. Substanzen, ja die gebes es... aber davon halte er nicht so viel... man wisse ja nicht wie die Biene und anderen Insekten langzeitig drauf reagieren...

soweit ist mir das im Gedächtnis geblieben...
und ich habs ihm abgekauft :)

hört sich nach bannwabenverfahren an. da wird die königin im laufe eines brutzyklus auf insgesamt drei waben gesperrt, damit es im ganzen volk dann zu einem bestimmten zeitpunkt nur mehr drei brutwaben gibt und bei entnahme dieser restlichen drei brutwaben werden automatisch ein großteil der milben entfernt, weil diese natürlich bestrebt ist, sich in der brut fortzupflanzen. werde ich dieses jahr an einem volk ausprobieren.

ja so ähnlich, nur mit dem stockaufbau war noch etwas besonderes... aber das hab ich leider nicht mehr im kopf... sry

ist ja schon eine weile her...

....voriges Jahr...

...hatten wir einen abnorm warmen und langen Herbst. Wer nicht später als sonst (Ende September) nochmals mit Ameisensäure behandelt und Anfang Dez. die übliche Oxalsäure - Behandlung vorgenommen hat, wird wohl 30 - 40% Völker verloren haben. Bei mir waren es - bis heute - nur eins von 12, gottseidank.

Unterfinanzierte Bieneninstitute gefährden noch mehr Bienenvölker...

Neonicotinoide sind extrem wirksame Insektizide und töten nicht nur Schadinsekten sondern auch viele andere, wie auch die Bienen.
In "Vanishing Of The Bees" sagt ein amerikanischer Wissenschaftler dass man jedes Bienenvolk durch Füttern mit einer Neonicotinoidlösung, deren Dosierung im nichtnachweisbaren Bereich liegt, umbringen kann.
Wie bei allen anderen Giften verträgt die erwachsene Biene sehr viel höhere Dosen als die juvenilen Formen.
Wenn man sich die Drittmittelabhängigkeit der deutschen Bieneninstitute anschaut erkennt man leicht warum statt den wahren Schuldigen - BASF, Bayer, Monsanto - die Varroa Milbe als die Schuldige herhalten muss und als Lösung ein Produkt von diesen Firmen gefordert wird.

Die Honigbiene

leidet nicht nur an der Varroa. In manchen Gegenden herrscht lange Zeit akuter Trachtmangel. Auch das schadet den Bienen. Und dann gibt es noch hofrätliche Trottel, die die beste Trachtpflanze, die Robinie, ausrotten lassen, weil sie nicht autochthon sei.

Ich stells mir eher nett vor, dem Trachtmangel abzuhelfen. Es sollten sich doch Flächen finden lassen und Pflanzen nicht nur nach Hübschigkeit angebaut werden können...

Wir Trottel möchten übrigens bloß keine Stickstoffanreicherung im Boden (und ja, da gibs auch mehr als 1 Ursache, wie immer bei Kettenreaktionen), die letztendlich dafür sorgt, dass nur noch Brennesseln rundumadum wachsen, was jetzt auch nicht so schön für Bienen sein kann im Gegensatz zu den nativ hier blühenden, stickstoffarmen Boden brauchenden Pflanzen.

In einer Agrarwüste

mit rainlosen Feldern baut kein Landwirt den Imkern zuliebe Trachtpflanzen.
Zur Information der Unwissenden sei erwähnt, dass die AMA von den Bauern zB verlangt die Phacelia vor der Blüte einzuackern. An den Wegrändern und Böschungen hat sich die Ambrosia durchgesetzt und alle Blütenpflanzen wie Minzen, Salbei etc überwuchert.
In Akazienwäldern wachsen keine Brennesseln im Gegenteil. Die VS DJahrndorf hat im Rahmen eines Projektes die Pflanzen im einem breiten Akazienwindschutzgürtel ausgezählt. Es waren wesentlich mehr als in den Auwaldungen der Leitha.
Zum Schluss: Stickstoff ist im Boden ein sehr flüchtiges Element. Die Bauern bemühen sich diesen für ihre Nutzpflanzen mittels Kunstünger oder Stickstoffsammlern nutzbar zu machen.

an trachtmangel geht die biene nur dann zugrunde, wenn ihnen der ganze honig geraubt wurde.

seltsamerweise trifft es immer die großimker mit völkern von 50 bis 300, die große völkerverluste haben. kann es sein, dass sie sich nicht zeit für die varroabehandlung nehmen? medikamente wären da natürlich eine wahnsinns-zeitersparnis, als wenn ich drohnenrahmen schneide usw.

aja, und mehr honig würds auch geben, wenn man nicht schon im juli, sondern erst im august mit dem einwintern der völker beginnt.

Trachtmangel

alleine vernichtet nicht die Völker. Das ist klar, aber ein halbverhungertes Volk geht leichter zugrunde als eines das im Schmalz steht.
Die Völker der Erwerbsimker, besonders die der amerikanischen, stehen das ganze Jahr über im Stress, denn jede Tracht wird angewandert und jede zweite Woche wird geerntet. Das ist in Summe gleich mit Hungerzeiten. Es gibt fast keine glücklichen Bienen mehr und das hat, wie gesagt, viele Ursachen.

Das Problem ist seit 20 Jahren ...

... in Österreich pendent, nicht erst seit heute. Und man hat noch immer keine wirksame Massnahme dagegen gefunden. Kann mich noch gut erinnern, als mir mein seliger Grossvater, der der Imkerei zeitlebens privat mit viel Zuwendung huldigte, das erste Mal davon berichtet hat. Mich persönlich schmerzt das daher auch sehr, denn ich habe immer erlebt, mit wieviel Arbeit und Mühe das verbunden ist, da braucht man nicht auch noch eine Seuche. Ich vermisse jedenfalls den guten Alpenhonig vom Opa, der zu jeder Jahreszeit anders geschmeckt hat und mit der Ware, die man im Supermarkt kaufen kann, rein gar nichts zu tun hat!

was passiert eigentlich in Asien - der Ursprungsheimat der Milbe - gibts da von den Bienen natürliche Abwehrstoffe? Oder eigene Freßfeinde?

Die asiatische Honigbiene

kann sich gegen die Varroa wehren, vorallem werden bei dieser nur die Drohnen befallen, wenn der Befall zu groß ist, verlassen die Bienen den Bau.

Ergänzung dazu: Genau das wird bei Imkerei eben verhindert, weswegen die Stöcke jährlich behandelt werden müssen.

das könnten doch die jäger und heger erledigen!

ab sofort werden die feinen jagdgesellschaften zum milbenklauben eingesetzt!

gehts noch?????????????????????

durch gifte geschwächte bienen mit giften behandeln?????

diese dummheit gehört und wird wohl auch bitter bestraft.

Medizin

Fast alle Medikamente, die wir bei allen noch so kleinen Wehwechen einnehmen, haben eine höchstmenge, weil sie sonst giftig sind der zu starke Nebenwirkungen haben.

Ganz allgemein: Wenn der Nutzen der Wirkung den Schaden der Nebenwirkungen übersteigt, dann ist es ein Vorteil

Man sieht ja sehr deutlich, ob ein Mittel hilft. Und "Gift" ist fast alles, die Dosis machts.

die größtee gefahr geht wohl von der pharmindustrie und firmen wie monsanto aus

Statt noch mehr Gift ....

wuerde es vielleicht auch helfen, endlich jene Gifte und Pflanzenschutzmittel zu verbieten, die nachweislich die Bienen schwaechen und damit ihre Abwehr gegen diesen Parasiten verringern, etwa die Neonicotinoide gegen deren Verbot sich der ÖVP Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich weiterhin wehement ausspricht.
Wir setzen Gift ein, dass nicht nur den Maiswurtzelbohrer sondern auch Bienen und viele andere nützliche Insekten schädigt und jetzt soll der dadurch mitverursachte Milbenbefall mit weiteren Giften, die sicher nicht nur den Milden schaden sondern wieder vielen Nützlingen behoben werden?

Wieso, Kettenreaktionen sind doch sooo schön zum Zusehen.

...der dadurch mitverursachte Milbenbefall

Holler!

Der Milbenbefall ist Fakt, mit und ohne andere Bienengifte.

Dass Bienen -durch andere Umweltfaktoren geschwächt- noch mehr unter Varroa leiden, ist plausibel. Die Völker würden aber auch ohne die von ihnen mM zurecht kritisierten Gifte an Varroa eingehen, wenn diese nicht bekämpft wird.

So einfach ist das nicht ...

mit Gift wird man dieses Problem nicht loesen, im Gegenteil. Das Problem ist, dass die Bienen gegen diese Milbe noch keine Abwehrstrategie entwickelt haben. Man sollte zumindest parallel gezielt daran arbeiten Bienen gezielt in Hinblick auf Milbenresistenz zu zuechten.
Die Milben bringen ja nicht alle Voelker um: einerseits sind die Voelker durch Umwelteinfluesse, darunter eben auch Insektizide verschieden stark geschwaecht, andererseits haben sie von Natur aus unterschiedliche Abwehrkraefte.
Leider ist es bei den Bienen mitlerweile wie bei anderen Zuchttieren: aufgrund der Hinoptimierung auf kommerzielle Kriterien ist in Hinblick auf andere Eigenschaften die genetische Vielfalt geschrumpft.

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