"Man sieht noch Musters Schweißflecken"

  • Ronnie Leitgeb (m.) ist von der Attraktion des Tennis überzeugt. "Der Verband muss Kindern den Weg weisen."
    foto: apa/ pfarrhofer

    Ronnie Leitgeb (m.) ist von der Attraktion des Tennis überzeugt. "Der Verband muss Kindern den Weg weisen."

Ronald Leitgeb präsentiert sich als Tennispräsident und hat viel vor - "Tennis ist hinter Fußball der zweitgrößte Sportverband"

Wien - Es ist ungewöhnlich, dass der ORF-Spartensender Sport Plus am Mittwochvormittag die Antrittspressekonferenz eines Tennispräsidenten live aus dem Novomatic-Forum in Wien überträgt. Heißt er allerdings Ronald Leitgeb, ist das zwar immer noch kein Straßenfeger, aber so überraschend nicht. Der Mann hat eben Kontakte. Zum Beispiel zu Thomas Muster, der als Berater zur Verfügung stehen wird. Unentgeltlich und wirklich nur ab und zu. Wie sagte Leitgeb, als die Kameras ausgeschaltet waren? "Natürlich bin ich eitel, wer ist das nicht. Mir geht es aber vor allem um die Eitelkeit des Verbandes, die Positionierung des Tennis."

Der 52-jährige Leitgeb ist also angekommen. Dort, wo er nicht unbedingt hinwollte, an die Spitze des österreichischen Tennisverbandes (ÖTV). In der Vergangenheit ließ er kaum eine Gelegenheit aus, diese Institution zu kritisieren. Im Lauf der Zeit wurde er milder, nachsichtiger. Vorgänger Ernst Wolner bat ihn, die Nachfolge anzutreten. Und die neun Landespräsidenten waren geschlossen dafür. Leitgeb über seinen Sinneswandel: "Vielleicht war ich Rebell, ein Outlaw. Aber Outlaw zu sein, hat keine systembildende Wirkung, bringt auf Dauer nichts." Jetzt steckt er mitten im System, wobei mitten ganz oben im bedeutet.

Leitgeb managt Tamira Paszek und Jürgen Melzer, die Besten im Lande. Das gibt es selten oder nur in Österreich, Ski-Boss Peter Schröcksnadel kümmerte sich einst um die Geschäfte des Hermann Maier. Leitgeb sieht keinen Interessenkonflikt: "Die einzigen Schnittstellen sind die Nationalmannschaften. Es existieren Verträge, die nicht geändert werden."

Leitgeb hat, no na, Pläne. Er sagt, dass alles nur "gemeinsam" funktioniere. Er möchte "über den Tellerrand schauen. Es geht nicht darum, ob Niederösterreich oder Vorarlberg besser ist. Die Konkurrenz ist international, die Konkurrenz sind andere Sportarten, gegen die wir bestehen müssen." Tennis ist hinter Fußball der zweitgrößte Sportverband, hat 172.000 Mitglieder. "Wir müssen selbstbewusst und öffentlichkeitswirksam auftreten." Er sagt Sätze wie "Wer mehr übt, hat auch mehr Glück" oder "Zuerst muss der sportliche Erfolg da sein, dann kommt das Geld". Und er betont, wie "sensationell die Erfolge" sind. " Für so ein kleines Land."

Leitgeb möchte einen "geschlossenen Kreislauf zwischen einer qualifizierten Trainerausbildung und dem Spitzensport" erzeugen. Junior-Nationalmannschaften werden wieder eingeführt. "Wir benötigen mehr Nachwuchsturniere in Österreich. Die sind die Basis." Die Trainerausbildung müsse verbessert werden. "Wer ist eigentlich ein Trainer? Einige haben sich seit 20 Jahren nicht weitergebildet. Ein Kind muss wissen, welche Schritte es wann zu tun hat und an wen es sich wenden kann."

Für Leitgeb ist das nationale Leistungszentrum Südstadt alternativlos. " Leider konnte nichts investiert werden. In den Ecken sieht man noch die Schweißflecken vom Muster." Leitgeb tritt das Amt zu einem günstigen Zeitpunkt an. Am Osterwochenende tritt das Daviscupteam im Viertelfinale in Spanien an. "Verlieren wir, sind wir auch in der Weltgruppe. Zeitgewinn ist im Sport wichtig." Der Spartensender ORF Sport Plus überträgt natürlich live aus Spanien. (Christian Hackl, DER STANDARD, 29.3.2012)

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