Indien im Schnelldurchlauf

Verena Diethelm, 29. März 2012, 14:59
  • Die Fischer in Kochi holen ihre Netze mit riesigen Flaschenzügen aus dem Wasser.
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    foto: verena diethelm

    Die Fischer in Kochi holen ihre Netze mit riesigen Flaschenzügen aus dem Wasser.

  • Indien ist zwar ein Schwellenland, gehört aber immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt.
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    Indien ist zwar ein Schwellenland, gehört aber immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt.

Indien: Entweder man hasst das Land oder man liebt es. Bloggerin Verena hat zu wenig Zeit, um sich über ihre persönliche Position klar zu werden

Der wichtigste Gegenstand an einem indischen Auto ist zweifelsohne die Hupe. Sie dient in erster Linie als Bremsenersatz. Fußgänger, Autobusse und Mopedrikschas werden einfach aus dem Weg gehupt. Bevor mein Taxifahrer auf die Idee kommen würde zu bremsen, drückt er lieber auf die Hupe. Nur blöd, dass es ihm die anderen Verkehrsteilnehmer gleichtun.

Die rasante Fahrt vom Flughafen nach Fort Cochin trifft mich nach der geordneten Beschaulichkeit in Sydney, meiner letzten Station im Pazifik, etwas unvorbereitet. Kaum vorstellbar, dass es auf den Straßen in Kerala, einem der südlichsten Bundesstaaten Indiens, im Vergleich zu den indischen Millionenmetropolen noch gemütlich zugehen soll.

Leider werde ich nicht die Gelegenheit haben, dies alles selbst kennenzulernen. Meinen Heimweg nach Europa trete ich nämlich an Bord eines Kreuzfahrtschiffes an. In den Hafenstädten, die wir anlaufen, bleiben immer nur ein paar Stunden Zeit, um das Landesinnere zu erkunden. Das reicht gerade einmal für einen ersten Einblick.

Gewürze und ein ausgeträumter Hippie-Traum

In Kochi, früher Cochin, schaue ich den Fischern zu, die mit Hilfe von riesigen Flaschenzügen ihre Netze ins Wasser lassen und wieder heraufholen. Von der Stadt Alleppey aus geht es mit einem Hausboot durch die Kanäle und Seen der Backwaters, vorbei an Reisfeldern, kleinen Dörfern mit wäschewaschenden Frauen und Kindern in Schuluniform. In New Mangalore dreht sich alles um Pfeffer, Kardamom, Gelbwurz, Koriander und andere Gewürze, die in der Region wachsen.

In Goa mache ich mich auf die Suche nach dem einstigen Hippie-Traum, finde aber nur überfüllte Strände voll sonnenverbrannter Pauschaltouristen aus Russland und Großbritannien. Kein schöner Anblick. Und in Mumbai tauche ich ins indische Großstadtchaos ab und versuche, mich von den Händlern auf dem Crawford-Markt nicht völlig unterbuttern zu lassen.

Viele offene Fragen

Indien polarisiert. Das Land wird entweder geliebt oder gehasst. Zu welcher Gruppe ich gehöre, kann ich noch nicht sagen, dazu bräuchte ich mehr Zeit. Mir gefällt auf jeden Fall, dass ich in Indien an jeder Ecke überrascht werde und es viele Dinge gibt, die ich nicht verstehe. Warum hat das Baby, das von seiner Mutter auf der Schulter getragen wird, ein weiß geschminktes Gesicht? Warum sitzen Frauen im Bus vorne und Männer hinten? Und warum schaffen es die Inder nicht, ihres Müllproblems Herr zu werden?

Die erste Frage ist noch leicht beantwortet. Das Baby wurde für den sogenannten Tigertanz, einen traditionellen Volkstanz, geschminkt. Die Geschlechtertrennung in Bussen und auf Fähren erklärt mir Harry, mein Gastgeber in Kochi, so: "Die Männer in Kerala haben sich nicht immer im Griff, und um etwaige Übergriffe zu vermeiden, ist man dazu übergegangen, Sitzplätze nur für Frauen anzubieten."

Die Sache mit dem Abfall, der einfach neben der Straße, am Strand oder im Park entsorgt wird und für reichlich Gesprächsstoff unter den Kreuzfahrern sorgt, ist jedoch etwas komplizierter. Der deutsche Sprach- und Kulturwissenschaftler Knut Edler von Hofmann erklärt den staunenden Touristen bei seinem Vortrag über die indische Kultur, dass die Inder eigentlich sehr saubere Menschen sind.

"In den indischen Häusern ist es immer sehr sauber und die Inder tragen täglich frische Kleidung", sagt der Wissenschaftler. Nur um den öffentlichen Raum würden sie sich nicht so sehr kümmern. Und was noch zu erwähnen ist: Indien ist, obwohl es als Schwellenland gilt, noch immer eines der ärmsten Länder der Welt, und die Müllberge sind für viele eine Einnahmequelle. (Verena Diethelm, derStandard.at, 28.3.2012)

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Horn OK Please!

Die Dame hat, fürchte ich, das Wesen der indischen Hupe als vielseitiges Kommunikationsmittel nicht annähernd erfasst. Jedenfalls, ich muss unbedingt wieder hin, das Land, die Leute, die Kühe und die Krankheiten, einfach unvergesslich. Nur auf den Verkehr in Delhi könnte ich verzichten.

ich denke die hat mehr nicht erfasst. wie denn auch? in weniger als 10 stunden...?

Die Reise dieser Frau geht fast um den ganzen Planeten innnerhalb eines halben Jahres; für Indien alleine ist ein halbes Jahr schon viel zu wenig um es auch wirklich erfassen zu können. Ihr Geschreibsl ist doch nur Zeilenfüllung für derStandard.at

Naja um im Müll zu wandeln muß man nicht nach Indien fahren. In z.B. Neapel werden sie ja dem Problem auch nicht wirklich Herr...
Wieso die guten Kreuzfahrtteilnehmer dass jetzt so zum Staunen finden....?

Oder Dublin als dreckigste Stadt Europas:

http://www.focus.de/immobilie... 27578.html

Wer in Goa (oder sonst wo) den Hippie-Traum sucht

kommt um 40 Jahre zu spät.

Alles was nach den 68ern (bis Anfang der 70er) kam waren keine Hippies mehr, sondern Nachahmer und Pseudoaussteiger.

Oder eben was anderes wie z.B. Raver und Partyfreaks

Nicht zu vergessen:
Punk, Metal und Hip-Hop
sowie Rainbow-Gathering-Bewegung
und die Goatranceszene

Indien ist ein faszinierendes Land - eigentlich ein Kontinent.

Was mir Sorgen bereitet, ist die zunehmende Radikalisierung der Hindus.

"die zunehmende Radikalisierung der Hindus"

gibt es nicht, doch eine extreme "Verwestlichung" in Form von "möchtesein" ohne jedoch die entsprechenden Vorraussetzungen erfüllen zu können - und das macht es wirklich schlimm.

Die Radikalisierung der Hindus gibt es sehr wohl!
Sie wird von diversen Kräften systhematisch vorangetrieben. Besonders junge Mädchen werden indoktriniert.

Falsch,
denn diese "indoktrinierenden Kräfte" gibt es im Hinduismus schon immer; sie treten nunmehr lediglich ein wenig mehr in die Öffentlichkeit um der rasanten Verwestlichung entgegen zu wirken.

Der "Wir gehen nach Kaschmir und schlitzen Euch die Kehlen auf" - Song den kleine Mädchen nach einem Hindu-Bootcamp, wo sie Stockkampf und Schießen lernen, singen, klingt nicht besonders nach Kampf gegen die Verwestlichung.

Sie sind wohl Spezialist im Auffinden von unpassendem Fallbeispiel, denn der Konflikt in Kaschmir ist ein Hindu-Moslem-Konflikt der seit vielen Jahrzehnten besteht und somit in Zusammenhang mit unseren posts irrelevant ist.

Stimme zu

Die Hindus sind nicht radikalisiert, was fuer ein Unfug!

was fuer ein Unfug

sich hier einzumischen

mir hats leider in indien nicht gefallen. vielleicht war meine erwartungshaltung aber auch zu hoch.

Ein Slogan der indischen Tourismuswerbung:

INDIA
Love it or leave it

Für Indien brauchst den richtigen Magen

Entweder man ist begeistert, oder froh es hinter sich zu haben.

Darf ich fragen, wWas haben Sie sich erwartet?

Ich hatte vier unvergeßliche Wochen und würde jederzeit wieder hinfahren.

"Darf ich fragen, was Sie sich erwartet haben"

hätte die Überschrift lauten sollen, aber der böse Finger hat während des Editierens zugeschlagen.

war ein paar wochen in dehli und bin dann von kalkutta auf die andamanen - it was amazing!
sicher, indien ist asien pur - nicht asien light, wie thailand, aber, für mich, um einiges faszinierender!

Der Hippietraum existiert schon noch! Welcome to paradise!

Voller Quatsch; Hippies gibt es schon lange nicht mehr. Diejenigen, welche sich jetzt in Goa herumtreiben (von den Pauschaltouris mal abgesehen) sind vorwiegend Kriminelle, Partyfreaks und Pseudoaussteiger.

ich war schon ein paar mal in goa, individuell und mit rucksack bzw motorrad unterwegs. bitte klär mich auf wo der hippietraum besteht!! ich habe ihn nämlich nicht gefunden.

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