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vergrößern 645x430Die Fischer in Kochi holen ihre Netze mit riesigen Flaschenzügen aus dem Wasser.
vergrößern 645x430Indien ist zwar ein Schwellenland, gehört aber immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt.
Der wichtigste Gegenstand an einem indischen Auto ist zweifelsohne die Hupe. Sie dient in erster Linie als Bremsenersatz. Fußgänger, Autobusse und Mopedrikschas werden einfach aus dem Weg gehupt. Bevor mein Taxifahrer auf die Idee kommen würde zu bremsen, drückt er lieber auf die Hupe. Nur blöd, dass es ihm die anderen Verkehrsteilnehmer gleichtun.
Die rasante Fahrt vom Flughafen nach Fort Cochin trifft mich nach der geordneten Beschaulichkeit in Sydney, meiner letzten Station im Pazifik, etwas unvorbereitet. Kaum vorstellbar, dass es auf den Straßen in Kerala, einem der südlichsten Bundesstaaten Indiens, im Vergleich zu den indischen Millionenmetropolen noch gemütlich zugehen soll.
Leider werde ich nicht die Gelegenheit haben, dies alles selbst kennenzulernen. Meinen Heimweg nach Europa trete ich nämlich an Bord eines Kreuzfahrtschiffes an. In den Hafenstädten, die wir anlaufen, bleiben immer nur ein paar Stunden Zeit, um das Landesinnere zu erkunden. Das reicht gerade einmal für einen ersten Einblick.
Gewürze und ein ausgeträumter Hippie-Traum
In Kochi, früher Cochin, schaue ich den Fischern zu, die mit Hilfe von riesigen Flaschenzügen ihre Netze ins Wasser lassen und wieder heraufholen. Von der Stadt Alleppey aus geht es mit einem Hausboot durch die Kanäle und Seen der Backwaters, vorbei an Reisfeldern, kleinen Dörfern mit wäschewaschenden Frauen und Kindern in Schuluniform. In New Mangalore dreht sich alles um Pfeffer, Kardamom, Gelbwurz, Koriander und andere Gewürze, die in der Region wachsen.
In Goa mache ich mich auf die Suche nach dem einstigen Hippie-Traum, finde aber nur überfüllte Strände voll sonnenverbrannter Pauschaltouristen aus Russland und Großbritannien. Kein schöner Anblick. Und in Mumbai tauche ich ins indische Großstadtchaos ab und versuche, mich von den Händlern auf dem Crawford-Markt nicht völlig unterbuttern zu lassen.
Viele offene Fragen
Indien polarisiert. Das Land wird entweder geliebt oder gehasst. Zu welcher Gruppe ich gehöre, kann ich noch nicht sagen, dazu bräuchte ich mehr Zeit. Mir gefällt auf jeden Fall, dass ich in Indien an jeder Ecke überrascht werde und es viele Dinge gibt, die ich nicht verstehe. Warum hat das Baby, das von seiner Mutter auf der Schulter getragen wird, ein weiß geschminktes Gesicht? Warum sitzen Frauen im Bus vorne und Männer hinten? Und warum schaffen es die Inder nicht, ihres Müllproblems Herr zu werden?
Die erste Frage ist noch leicht beantwortet. Das Baby wurde für den sogenannten Tigertanz, einen traditionellen Volkstanz, geschminkt. Die Geschlechtertrennung in Bussen und auf Fähren erklärt mir Harry, mein Gastgeber in Kochi, so: "Die Männer in Kerala haben sich nicht immer im Griff, und um etwaige Übergriffe zu vermeiden, ist man dazu übergegangen, Sitzplätze nur für Frauen anzubieten."
Die Sache mit dem Abfall, der einfach neben der Straße, am Strand oder im Park entsorgt wird und für reichlich Gesprächsstoff unter den Kreuzfahrern sorgt, ist jedoch etwas komplizierter. Der deutsche Sprach- und Kulturwissenschaftler Knut Edler von Hofmann erklärt den staunenden Touristen bei seinem Vortrag über die indische Kultur, dass die Inder eigentlich sehr saubere Menschen sind.
"In den indischen Häusern ist es immer sehr sauber und die Inder tragen täglich frische Kleidung", sagt der Wissenschaftler. Nur um den öffentlichen Raum würden sie sich nicht so sehr kümmern. Und was noch zu erwähnen ist: Indien ist, obwohl es als Schwellenland gilt, noch immer eines der ärmsten Länder der Welt, und die Müllberge sind für viele eine Einnahmequelle. (Verena Diethelm, derStandard.at, 28.3.2012)
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Die Dame hat, fürchte ich, das Wesen der indischen Hupe als vielseitiges Kommunikationsmittel nicht annähernd erfasst. Jedenfalls, ich muss unbedingt wieder hin, das Land, die Leute, die Kühe und die Krankheiten, einfach unvergesslich. Nur auf den Verkehr in Delhi könnte ich verzichten.
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