Frau Professor, wollen Sie meine Freundin sein?

Simon Bohun, Darius Djawadi
28. März 2012, 09:33
  • "Was ist HÜ?", ist die Standard- Frage in der "Klassen- gruppe". Zunehmend wird Facebook zum schulischen Informationsaustausch genutzt. Mit virtuellen Freundschaften sind Lehrer und Schüler aber noch vorsichtig.
    foto: standard/simon bohun

    "Was ist HÜ?", ist die Standard- Frage in der "Klassen- gruppe". Zunehmend wird Facebook zum schulischen Informationsaustausch genutzt. Mit virtuellen Freundschaften sind Lehrer und Schüler aber noch vorsichtig.

Von virtuellen Freundschaften zwischen Schülern und Lehrern und Facebook-Gebrauch im Klassenzimmer

Wien/Klosterneuburg - Es ist unumstritten. Facebook hat die Welt und den Lebensstil der Menschen verändert. Das Unternehmen stößt in immer weitere Bereiche des Lebens vor. Momentan erlebt der Schulbereich eine "Facebook-Revolution". Die meisten Schüler sind bereits angemeldet, aber auch immer mehr Lehrer wagen sich in das Social Network und erkennen seine Vorteile. So werden immer mehr Klassengruppen genutzt, also Facebook-Gemeinschaften, zu denen sich Schüler und Lehrer anmelden, um Informationen und Daten untereinander teilen zu können. Sie tauschen Hausübungen, Teststoff, Abgabetermine, Erinnerungen an Ausflüge oder Änderungen im Stundenplan in Echtzeit aus. So sind die zwei häufigsten Fragen in solchen Gruppen "Wann haben wir morgen Schule?" und "Was ist HÜ?".

Constanze Posautz, Lehrerin des Gymnasiums Klosterneuburg initiierte eine solche "Klassengruppe". Die Idee dazu kam von einem ihrer Schüler. Der Vorteil dabei ist, dass die Lehrer Informationen für ihre Schüler in der gemeinsamen Gruppe sichtbar machen können, ohne auf Facebook miteinander "befreundet" zu sein. Auch die Klasse von Simay Zwerger ist in einer Facebook-Gruppe organisiert. Die Schülerin der Wiener AHS Stubenbastei findet diese äußerst nützlich. Allerdings ist kein Lehrer darin Mitglied. Sie dient zum Austausch zwischen den Schülern. So sei auch hier die häufigste Frage: "Haben wir Hausübung?"

Sekundenschnell

In der Klasse von Constanze Posautz ist es ähnlich. "Hauptsächlich wird die Gruppe von mir verwendet, um Informationen bereitzustellen. Es ist natürlich toll, die Möglichkeit zu haben, den Schülern von einer Sekunde auf die andere Informationen zu geben."

Sie habe auch noch eine zweite Facebook-Gemeinschaft für die Theatergruppe, die sie betreut. "Es ist so viel einfacher, die Spielpläne, Texte oder andere Dinge miteinander zu teilen."

Oftmals werden Seiten wie Facebook infolge von Mobbing und Ablenkung vom Unterricht an den Schulcomputern gesperrt.

Das ist in Anbetracht des Potenzials solcher Seiten für die schulische Nutzung wenig produktiv. Zudem finden Schüler meist Wege, diese Sperren zu umgehen.

Lehrer-Schüler-Freundschaft

Sich als Lehrer auf Facebook anzumelden hat als beinahe notwendige Konsequenz das Erhalten von Freundschaftsanfragen von Schülern. Viele nehmen diese nicht an, weil sie Schul- und Privatleben voneinander trennen wollen. Andere wiederum gehen ohne Bedenken virtuelle Freundschaften mit ihren Schülern ein.

Anfänglich habe sie wegen der Organisation in den Gruppen die Schüler als Freunde angenommen, erzählt Posautz. Heute akzeptiere sie nicht mehr jede Anfrage. "Wenn mir ein Schüler, den ich nur am Skikurs kennengelernt habe, eine Anfrage schickt, nehme ich die nicht an." Eine "Facebookhasserin" sei sie aber ganz und gar nicht.

Viele Schüler würden wiederum niemals Freundschaftsanfragen an Lehrer schicken. Simay Zwerger zum Beispiel. Sie ist nicht mit ihren Lehrern befreundet: "Wieso auch, es geht die Lehrer genauso wenig an, was ich mache, wie umgekehrt." Immerhin sind auf manchen Profilen Bilder zu sehen, die nicht für Lehrer sichtbar sein sollten, klassisches Beispiel: Partybilder. (Simon Bohun, Darius Djawadi, DER STANDARD, 28.3.2012)

Dieser Artikel entstand im Rahmen des SCHÜLERSTANDARD-Seminars "2 Tage Journalist" mit Julia Grillmayr.

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Eine FB Klassenseite finde ich eine sehr gute Idee, das macht den Schülern sicherlich Spass, und erhöht die Bindung zwischen Schülern und Schule.

Finde das sinnvoll, zudem entwickelt sich damit das Schulsystem hin zu einem Dialog aller Beteiligten.

Das Problem dabei ist, dass leicht zuviel Privates kommuniziert wird.

Das kann ziemlich unangenehm werden. Für Unterrichtszwecke gibt es praktische Communities, in denen man auch die professionelle Distanz wahren kann.

das kann gut möglich sein, hilfreich wäre es dann wohl gleich am Beginn der Seite Regeln zu posten, somit was man und was man nicht tun sollte...

Hab ich probiert,

nur können Sie in Facebook nicht kontrollieren, was ein einmal gewählter "Freund" so alles postet und auf die "Wall" stelt etc.

Ich war aus fb ziemlich bald wieder draußen. Da wird ja doch nur Belangloses und allzu Persönliches ausgewalzt.

Im Kontext von Schulklasse + Professoren wäre das wohl eher nicht so, da ja eine Art Selbsregulierung aufgrund der Lehrer-Schüler-Positionen gegeben ist.
Privat ist das natürlich ganz anders, soweit ich aus meinem privaten Umfeld weiss...

Stimmt, aber...

Stimmt, es gibt Schulplattformen wie edumoodle, die natürlich auch genutzt werden (müssen). Meist werden aber da nur die Hausübungen hochgeladen, wenn es um Hausübungen, Supplierungen, Nachhilfe oder anderse geht wird an meiner Schule aber ausschließlich die Facebook-Gruppe benutzt. Mittlerweile hat ja jede Klasse eine Gruppe, zudem die Schule eine gemeinsame und die Schüler, die sich nicht anmelden wollen bekommen die Neuigkeiten halt per Skype, E-Mail oder SMS. Diese Medien werden nebenbei natürlich auch noch benutzt.

Meiner Meinung nach liegt der unterschied zu den "professionellen" Plattformen darin, dass Facebook nicht verpflichtend ist und auch in der Freizeit benutzt wird, aber auch daran, dass die Lehrer großteils sehr jung sind.

ich geb's ja zu

ich werde es nie kapieren. trotzdem frage ich mich: warum facebook? eine klassische email-liste oder ein forum gehostet auf dem server der schule waere doch viel besser? oder ein wordpress blog? warum facebook?

dasselbe wie seit 20 jahren die frage: warum microsoft .doc? wieso alle schueler ueber sozialen druck in die abhaengigkeit eines konzerns mit undurchsichtigen absichten zwingen, wenn doch die alternativen zu hauf vorhanden sind?

gibt eine alternative, die heißt emoodle. aber facebook ist unter jugendlichen natürlich trendy, hip oder was auch immer.

Facebook steckt Abermillionen in die Entwicklung der Seite, es gibt entsprechende Apps, usw.
Das kann sich keine Schule leisten...

Weil fb ...

... alle möglichen Kommunikationsformen miteinander verbindet, was es so praktisch bzw. bequem macht. Mitteilungen an bestimmte Empfängergruppen schreiben, mediale Inhalte hochladen und direkt damit zu interagieren, höhere Beständigkeit (E-Mail-Adressen ändern sich schnell mal, der fb-Account in aller Regel nicht), Privatleben und Arbeitsleben auf einer Plattform und man kann es trotzdem noch trennen etc.

Man kann und MUSS fb aufgrund seiner Machtposition durchaus kritisch gegenüberstehen - aber es ist halt einfach deutlich bequemer und vielseitiger als ein Forum bzw. eine E-Mail-Liste.

Facebook als virtuelle Disco

Da sich Lehrer in eine echte Disco mit Schülern noch nicht so recht getrauen, um sie dort abzuholen wo sie sind, treiben sie sich seit Neuestem in der virtuellen Disko herum.

ich glaub, das mögen weder schüler noch lehrer, dass sie in der disco "abgeholt" werden

Facebook...Lehrer....Schüler....Freundschaft...gut durchgemischt...eine kurze Zeit verstreichen lassen...und fertig ist der erste ganz peinliche Skandal, der so sicher kommen wird, wie das Wort "Handlungsbedarf" und die Phrase "Am Ende des Tages...." aus den Mündern heimischer Politiker.

Andere können...

noch zwischen Beruf (Lehrer) und
Privatleben (Facebook-User) trennen.

Manche Lehrer (v. a. im Gymnasialbereich) scheinen sogar noch ohne Facebook unterrichten zu können (man höre und staune).

Können...

...tun auch die Lehrer meiner Klasse. Aber, welche Vorteile bringt Facebook noch?
Eine deutliche Verbesserung des Verhältnis Schüler/Lehrer, dass sehr zu begrüßen ist, zumal der Unterricht positiv beeinflusst wird. Auch eine zukünftige Klassenfahrt wurde via Facebook organisiert und vor allem junge Pädagogen wissen wohl, wie sie mit den modernen Medien umzugehen haben. Übrigens war ich vor meiner derzeitigen HTL an einer AHS-Unterstufe, und auch dort spielten soziale Medien eine Rolle. Zwar war Facebook damals noch nicht bekannt (der Hype startete erst ab 2009, 2010, als ich die Schule verließ, wäre aber spannend gewesen die Entwicklung zu verfolgen). Aber 2 von 50 Lehrern hatten bereits 2006 einen Schülerblog...

Es ist sogar zu begrüßen...

wenn moderne Kommunikationsmittel für den Unterricht eingesetzt werden. Jedoch möchte ich nicht, dass Lehrer und Schüler ihren in Österreich ihren Informationsaustausch von einem kommerziellen Konzern in den USA abhängig machen! Ich plädiere dafür, auf eigene Unterrichtsplattformen zurückzugreifen.

Facebook wird jeden Tag von den Schülern besucht - wer würde bloß eine Seite mehrmals täglich abchecken, wo der Lehrer vielleicht einmal etwa postet?

Besteht das Internet eigentlich nur mehr aus Facebook?

Dann können wir auch gleich alle Online-Tageszeitungen auf den Müll kippen, wenn dem so ist.

Besteht das Internet eigentlich nur mehr aus Facebook?

nein. ein, zwei porn-seiten leisten noch heftigen widerstand

frag ich mich auch

Wenn die so toll sind kann man ja gleich das Internet in facebook umbenennen.

Nein, das Standard-Forum gibt's auch noch.

Nein, nicht nur, aber auch.

bezahlte einschaltung

1. wieviel hat fb dem online-standard für diese werbeeinschaltung bezahlt?

2. liebe eltern! was frau posautz macht, lehnen andere lehrerinnen und lehrer aus gründen der professionalität (z. B. wahrung der privatsphäre, datenschutzrechtliche belange etc.) kategorisch ab.

3. all die beschriebenen funktionen (und noch deutlich mehr) sind mit eigens für die schule konzipierten plattformen und anwendungen (z. B. lernwelt) abzudecken.

Die für die Schule konzipierten Plattformen interessieren aber die Schüler nicht...

Auch Schusswaffen interessieren die Schüler brennend,

und trotzdem nehme ich keine in die Schule mit.

Mit dieser Logik könnte man die Schulen schließen.

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