Halbherziger Kampf gegen Doping?

Deutscher Verband rügt IWF wegen Dopingkontrollen, Zahl der Tests im vorolympischen Jahr stark reduziert

Hamburg - Der Bundesverband Deutscher Gewichtheber hat sich beim Weltverbands-Präsidenten Tamas Ajan über mangelnde Dopingkontrollen beklagt. In einem offenen Brief werfen die Deutschen dem 73-jährigen Ungarn Täuschung und Desinformation im Kampf gegen Doping vor. Vorschläge zur Verbesserung des unzureichenden Kontrollsystems würden ignoriert, heißt es. "Wir können diese Situation einfach nicht mehr hinnehmen", sagte Christian Baumgartner, der Anti-Doping-Beauftragte und BVDG-Vizepräsident am Dienstag.

Insbesondere im vorolympischen Jahr 2011 sei die Zahl der unangemeldeten Dopingtests des Weltverbandes in den meisten Ländern rapide eingebrochen. Spitzenathleten, die bei internationalen Titelkämpfen Medaillen holen, würden teilweise gar nicht im Training getestet. Baumgartner sagte, man habe sogar selbst die IWF aufgefordert, Olympiasieger Matthias Steiner in den sogenannten internationalen Testing-Pool (IRTP) aufzunehmen. "Warum sind die Top-Athleten nicht automatisch drin?", fragte der Funktionär und forderte häufigere Kontrollen.

Matirosjan wohl nicht nach London

Für den nach wie vor auf die Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft wartenden Gewichtheber Sargis Matirosjan ist der Olympia-Zug indes wohl abgefahren. Der Ministerrat hatte am Dienstag das Thema nicht auf der Tagesordnung, die nächste Sitzung steht erst am 11. April an, doch da sind die Europameisterschaften bereits im Gange. Und um noch eine realistische Chance auf die Qualifikation für London zu haben, müsste der gebürtige Armenier an der EM, die am 6. April in Antalya (Türkei) beginnt, aber unbedingt teilnehmen.

"Ich bin enttäuscht und auch empört. Das Ansuchen läuft seit 9. Dezember 2009", sagte Verbandspräsident Norbert Wallauch am Dienstag. Für ihn ist unverständlich, warum sich in der Sache nichts bewege, da er nur positive Signale erhalten habe. Matirosjan ist 2005 nach Österreich gekommen. Laut Wallach ist er "eine Art Leithammel für die jungen talentierten Gewichtheber", die vielleicht 2016 bei Olympia dabei sein werden. Matirosjan wäre in der Gewichtsklasse bis 94 kg ein Anwärter auf ein Spitzenergebnis. (APA, 27.3.2012)

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